Sopranistin Mila Roeder aus Bad Honnef: Die Schönheit gibt immer noch Rätsel auf

Sopranistin Mila Roeder aus Bad Honnef : Die Schönheit gibt immer noch Rätsel auf

Wer war eigentlich die schöne Mila Roeder? Renate Mahnke vom Gutenberghaus brachte jetzt in einem Vortrag über die Sängerin, die im Mausoleum auf dem Alten Friedhof ihre letzte Ruhestätte fand, mehr Licht in die Familiengeschichte und überraschte bei ihrem Vortrag auch mit einigen neuen Details.

So war Mila, die 1887 kurz vor ihrer Hochzeit mit einem italienischen Grafen verstarb, gar nicht die leibliche Tochter von Nikolaus Joseph Roeder und seiner Frau Bertha, sondern ein adoptiertes Kind. Ein Schleier des Unbekannten liegt aber noch über der wahren Herkunft der Sängerin.

Ob diese Schönheit ohne ihre Adoptiveltern auch eine gefeierte Künstlerin geworden wäre? Vater und Mutter Roeder jedenfalls standen auch auf der Bühne. Nikolaus Joseph Roeder wurde 1808 in Köln geboren. Der Schauspieler ließ sich nach seiner Lieblingsrolle als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe" auch gerne "der schöne Ferdinand" nennen.

Er arbeitete zudem als Schauspiel- und Musikorganisator sowie Theaterdirektor in etlichen Ländern. Sein Bonner Theater musste allerdings wegen Zahlungsunfähigkeit schließen. In Antwerpen und Berlin kam Roeder jedoch wieder zu Geld, von dem er 1871 das Haus an der Honnefer Austraße als Ruhestandssitz erwarb, das später der Familie Weckbecker gehörte und schließlich dem Bau der B 42 zum Opfer fiel.

Seine Frau Bertha war eine geborene von Romani und kam um 1829 zur Welt. Sie war ebenfalls Sängerin und hatte Engagements in Amsterdam, London und Lettland, ebenso Gastrollen, die sie bis nach Reval führten. Mahnke: "In einer Auflistung von deutschen Künstlern in Estland wird sie Bertha genannt, auch als Ehefrau von Ferdinand Roeder aufgeführt."

Franzjosef Schneider, der Mila in einem Büchlein ein Denkmal setzte, nannte Bertha stets Annette Roeder. Das Vermögen brachte sie in die Ehe ein. "Beide waren Roma", meinte Renate Mahnke. "Wegen seiner dunklen Hautfarbe wurde Ferdinand auch als ,de jääl Schwaat? bezeichnet."

Heimatdichter Schneider habe die Roma-Siedlung am Rodenkirchener Rheinufer als Roeders Herkunftsort benannt. Ferdinand verstarb 1880. Die Marmorsäule seiner Grabstelle steht heute im Mausoleum.

Möglicher Geburtsort Riga

Nach seinem Tod lebte die Witwe nur noch für Mila. Ihr Name war zunächst Mila Mielke. Riga wird als möglicher Geburtsort angenommen. Ihr Geburtsdatum, so Mahnke, werde mit "um das Jahr 1850" angegeben. Ihr Vater soll ein russischer Fürst oder baltischer Offizier gewesen sein. Mila nahm in Paris beim berühmten Tenor Gustave Roger Gesangsunterricht.

Ihr erstes Engagement hatte Mila am Carl-Theater in Wien mit sensationellem Erfolg in der Offenbach-Oper "Der Schneeball". Auch in Köln wurde sie gefeiert. In Berlin, wo sie italienische Opern sang und sich den Namen Mila Rodani zulegte, und auch in London hatte sie große Erfolge. Sie war sprachbegabt und auch eine gute Harfenistin. In der Honnefer Villa drehte sich der Tagesablauf um das gute Aussehen Milas. Eine Stunde lang wurde ihr wallendes, tizianrotes Haar gebürstet.

Ihren Morgenspaziergang machte sie, nie ungeschminkt, täglich im Garten, wo Gewächshäuser mit Zitronen- und Orangenbäumen und Marschall-Niel-Rosen standen. Die Herren lagen ihr zu Füßen. Zu ihren Verehrern zählten ein Sohn von Bismarck, ein russischer Adeliger und Graf Dezio aus Mailand. Auch Jacques Offenbach soll für sie geschwärmt haben. Kurz vor der Hochzeit mit dem italienischen Grafen unterzog sich Mila einer kleinen Operation durch Professor Sauerbier im Kölner Severins-Krankenhaus. Der Grund zur OP ist unbekannt. Aus der Narkose erwachte sie am 31. Mai 1887 jedoch nicht mehr.

Mit dem Güterzug nach Honnef

Ihre Mutter war untröstlich. Die Beerdigung muss ein großes Schauspiel gewesen sein. Mila wurde mit dem Güterzug nach Honnef überführt - Bertha Roeder ließ extra eine Haltestelle an der Austraße einrichten. Der Sarg konnte so direkt zum Haus getragen werden. Sechs Rappen zogen später den Leichenwagen, hinter dem Berühmtheiten gingen.

Im Winter 1919/1920 wurde in die Grabkapelle eingebrochen. Der Schmuck, die goldenen Schuhe und das Diadem von Mila sollen gestohlen worden sein. Deshalb wurde der Zugang zur Gruft zugemauert. Bertha starb sechs Jahre nach ihrer Tochter und hinterließ wohltätige Stiftungen zugunsten der Honnefer.

Eine soll für die Pflege des Mausoleums gedacht gewesen sein, das heute dringend einer Restaurierung bedarf.