Sibi widmet Jubiläumsabend dem Heimatdichter Franzjosef Schneider: Der Mann mit zwei Geburtstagen

Sibi widmet Jubiläumsabend dem Heimatdichter Franzjosef Schneider : Der Mann mit zwei Geburtstagen

Das Siebengebirgsgymnasium wird in diesem Jahr 100 - zu jung für den Honnefer Heimatdichter Franzjosef Schneider, genannt Freudeblömche, der vor 130 Jahren geboren wurde. Immerhin besuchte er die Vorläufereinrichtung.

Ostern 1899 wurde er in die Sexta der Höheren Privaten Knabenschule eingeschult, wie der ehemalige Sibi-Lehrer Willi Birenfeld am Freudeblömche-Abend im Zuge der Jubiläumsfeiern berichtete. Auf seine unnachahmliche Weise trug er im Feuerschlösschen Schneider-Texte vor, sang mit dem Publikum Titel wie "En d'r Kayjass" oder das "Lied unserer Heimat" und erzählte aus dem Leben des Autors, der sich selbst "Stimme der Heimat" nannte.

Fotos illustrierten den Vortrag, zu dem auch Vizebürgermeister Peter Profittlich und der stellvertretende Sibi-Schulleiter Armin Ritter gekommen waren. Die Hutsammlung am Schluss ging an den Förderverein der Stadtbücherei, der diese Veranstaltung gemeinsam mit dem Sibi und dem Kleinkunstkeller Hautnah durchführte und eine Auswahl von Schneider-Büchern ausstellte.

Das Geld, so die stellvertretende Vorsitzende Edith Schulz, soll für die Anschaffung von Heimatlektüre verwendet werden.

Zunächst erklärte Birenfeld die Sache mit dem Geburtstag des Freudeblömche. Schneider sagte einst: "Ich wurde am 8. April von meiner Mutter geboren und am 13. April von meinem Vater." Als der Schriftsteller nämlich eine Geburtsurkunde benötigte, wurde er überrascht - auf dem Standesamt war sein Geburtstag für den 13. April 1888 registriert.

Schneider 1962 in einem Artikel in der Honnefer Volkszeitung: "Dann hat der Vater wohl vor Freude fünf Tage lang gesoffen." Und ihn danach erst im alten Bürgermeisteramt an der Bahnhofstraße angemeldet.

Zum alten Foto vom Hontes erklärte Willi Birenfeld: "Hier begann die Geschichte des Sibis." Voraus ging die Idee der Casino-Gemeinschaft, im Hontes eine einklassige Schule einzurichten. Birenfeld: "Ostern 1899 wurden die ersten Knaben eingeschult."

Darunter Franzjosef Schneider. "Rektor Aretz war streng, Lehrer Steffes machte in Latein", beschrieb der seine Lehrer. Birenfeld gab einen Überblick über das Wirken des Honnefer Heimatdichters, der neben einigen Romanen auch die Begebenheiten und Bräuche seiner Heimatstadt festhielt und der Nachwelt somit einen Schatz hinterlassen hat. "Rönd öm de Kirch han de Pänz das Regieren", schrieb Schneider. So war für die Kinder das Marktkreuz das reinste Turnreck.

Auch das Kriegerdenkmal, das im Geburtsjahr Schneiders in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 errichtet und im März 1945 vom Sockel gestürzt wurde, diente zum Klettern. Sehr schön auch die Beschreibung der Kirmes: "Kirmes war der Inbegriff von Sommer."

Und es gab einige Originaltöne des Dichters, die auch seinen Spitznamen "Freudeblömche" erklärten. Sein erstes Büchlein mit Erzählungen aus dem Jahr 1922, die Schneider der Tausendjahrfeier widmete, zeigte ein Maiglöckchen auf dem Titel - die wurden in Rheinbreitbach, dem Ort seiner Großeltern mütterlicherseits, als "Freudeblömche" bezeichnet.

Willi Birenfeld arbeitet zurzeit an einem Buch für den Heimatverein aus der 1951 gestarteten Reihe "Briefe von zu Hause", die noch nie veröffentlicht wurden. Schneiders besondere Liebe galt den "kleinen Leuten". Rheinische Fröhlichkeit, gutmütige Ironie, zuweilen humorvolle Derbheit, aber auch tiefe Besinnlichkeit charakterisierten ihn.

Birenfeld: "Viele meinen, er sei nur Karnevalist gewesen oder ein Wald-und-Wiesen-Dichter. Nein, Franzjosef Schneider war ein Poet, der Welten mit Worten schuf, und das in der Muttersprache."

Das Denkmal an der Bahnhofstraße erinnert an den Dichter, der 1972 verstarb und sich wünschte, dass sich "im Himmel die Menschen aus der Heimat wiederfinden".

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