Der zentrale Gedanke von Karneval: Der Geschmack von Frieden

Der zentrale Gedanke von Karneval : Der Geschmack von Frieden

Es ist eine Annäherung an den zentralen Gedanken von Karneval, die in der evangelischen Gemeinde Bad Honnef versucht wird. Schon in den Anfängen lange vor der Christianisierung galt der Grundsatz, der Mächtige und der Niedere mögen für die Zeit der Feierlichkeiten ihre Herkunft vergessen und friedlich nebeneinander sein.

Und heute? Während in besonderem Maße die Rheinländer in den kommenden Wochen jeck sein werden, schießen Menschen rund um den Erdball mit schwerem Geschütz aufeinander.

Andreas Roschlau von der Kirchengemeinde will mit Konfliktforscherin Sofia Renner in den kommenden Wochen das Thema Frieden in den Mittelpunkt stellen. An jedem Dienstag treffen sich seit dieser Woche zunächst eine Kindergruppe und anschließend eine Gruppe Jugendlicher, um bis zum Karnevalswochenende Schritt für Schritt ihrem Ziel näherzukommen: Ihren Zugwagen und Fußtruppen bei den Umzügen in Bad Honnef und Aegidienberg soll auf den ersten Blick anzusehen sein, dass es um den Frieden geht. Lauter Zeitungsschnipsel liegen deshalb auf den Basteltischen im Jugendzentrum an der Luisenstraße.

Der acht Jahre alte Jakob von der Löwenburgschule bekleistert mit einem Pinsel einen prall aufgepumpten Luftballon und klebt das Papier drauf. Der Kopf einer Friedenstaube soll daraus entstehen. Ein mit Flügeln ausgestatteter Maleranzug wird das Kostüm vervollkommnen. Die Jugendlichen werden als bunte Hippies in Schlaghose gehen. "Wir wollen erklären, wie Frieden funktioniert", erklärt Andreas Roschlau.

Dass gerade die Kinder zu klein sein können für diesen großen Gedanken, glaubt er nicht. "Frieden fängt bei uns allen an, aber er hört nicht bei uns auf." Diesen Zusammenhang wollen sie aufzeigen im Rahmen des Projekts "Frieden geht anders". Die OVB Vermögensberatung und das Aalkönigskomitee unterstützen die auf drei Jahre angelegte Umsetzung, die im vergangenen Jahr bereits in eine Ausstellung mündete.

Beim ersten Treffen geht es um die Ursache für Konflikte und letztlich Krieg. Warum werden Menschen wütend aufeinander, warum scheuen sie nicht davor zurück, sich gegenseitig das Leben zu nehmen? Es sind Bilder wie die von zwei Vögeln, die sich um einen Regenwurm streiten, die die Kinder zu deuten haben. Oder eines von einem Soldaten, dem zwei kleine Kinder im Mittleren Osten einen Apfel schenken.

Jakob fallen dabei "die Streitschlichter ein, die wir in der Schule haben". Greta, neun Jahre und auf der Rhöndorfer Grundschule, erinnert sich, im Urlaub auf Borkum mit einem Flüchtling gespielt zu haben. "Er erzählte, dass er gesehen hat, wie ein anderer Junge im Meer ertrunken ist." Der Krieg kann also ziemlich schnell ganz nahe kommen.

An den verbleibenden Workshoptagen wird es um die Frage gehen, wie man einen Koffer mit allem Notwendigen für die Flucht packt. Und wie er schmeckt, der Frieden. Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass die Kamelle während der Bad Honnefer Züge von der Schokolade bis zum Gummibärchen fair gehandelt sind.

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