Konzert im Kursaal: Das Publikum gerät ins schwärmen

Konzert im Kursaal : Das Publikum gerät ins schwärmen

Begeisterung nach dem Frühjahrskonzert mit dem Collegium Musicum und Pianist Fabian Müllerim Kursaal unter der Leitung von Rolf Beitzel. Minutenlang applaudierten die Zuhörer.

In der Pause durften Musikschüler hinter die Kulissen schauen. Gerade hatten sie im Kursaal das Konzert Nr. 4 für Klavier und Orchester G-Dur gehört - mit dem Collegium Musicum und Fabian Müller als Solisten am Flügel. "Ich habe die ganze Zeit nur auf ihn geguckt", schwärmte Teodora (7). Die Klavierschülerin war begeistert von dem Auftritt des jungen Künstlers - so wie alle Besucher des Frühjahrskonzerts unter der Leitung von Rolf Beitzel. Minutenlang applaudierten die Zuhörer.

Mit der Ouvertüre zum Ballett "Die Geschöpfe des Prometheus" hatte sich das Orchester "eingespielt". Also auch schon mit Beethoven. Um 1800 hatte der Komponist für den italienischen Ballettmeister Salvatore Viganò den griechischen Sagenstoff in Noten umgesetzt: Prometheus, der Halbgott und Wohltäter der Menschen, der sie in Kunst und Wissenschaft unterwies und ihnen das himmlische Feuer brachte. Und schon da "brannte" das Orchester.

Nach dem wunderschönen Einstieg betrat Fabian Müller die Bühne. Er ist erst 24, saß mit vier Jahren zum ersten Mal am Klavier, galt schon bald als hochbegabter Schüler, dessen erste Lehrerin Pianistin Rose Marie Zartner war. An "Bagatellen" von Beethoven erinnert er sich, wenn er an seine ersten "Gehversuche" denkt. "Ich bin auf dem Beethoven-Trip, ich spiele ihn gern, gar nicht mal von Kindheit an. Damals habe ich seine Aussagen noch nicht verstanden. Es geht dramatisch bei Beethoven zu. Und ich möchte auf der Bühne etwas erzählen. Ich mag aber auch modernere Komponisten", sagt der Bonner. Auch wenn ihm die Musik Flügel verleiht, ist er kein bisschen abgehoben. Der trotz Erhalt zahlreicher renommierter Preise natürlich gebliebene junge Mann tritt jetzt sein Masterstudium bei Pierre-Laurent Aimard in Köln an und hat viele Konzerte im Terminkalender, etwa bei der Tournee "Best of NRW". 2016 möchte Müller eine CD aufnehmen. Der Auftritt in Bad Honnef kam durch persönliche Verbindungen zustande. Über das Konzert Nr. 4 sagt der Pianist: "Schon gleich zu Beginn des Konzertes ist es so, als würde man an die Hand genommen und in den Himmel geführt. Es ist keines dieser klassischen virtuosen Bravourstücke." Voller Hingabe, tiefsinnig, nicht gekünstelt, mit ausgefeilter Technik verzauberte er sein Publikum.

Und das Orchester ließ sich mitreißen, war bestens aufgelegter Partner in diesem "Dialog" von Soloklavier und Klangkörper. Mit seinem 4. Klavierkonzert begann Beethoven nämlich endgültig eine neue Form des Solokonzertes: kein Gegensatz, kein Wechselspiel, sondern ein gleichberechtigtes Nebeneinander. Nach dem Konzert, das mit einer Haydn-Sinfonie und der Titus-Ouvertüre von Mozart als Zugabe endete, sagte eine Musikerin: "Es ist ein Traum, mit ihm zu spielen. Man wird in den Himmel geführt." Auch Rolf Beitzel war sehr zufrieden. "Bei diesem Stück mit seinen Temposchwankungen und schwierigen Übergängen hält die Anspannung bis zuletzt. Fabian Müller ist sehr kooperativ, es ist sehr angenehm, mit ihm zu musizieren." Und der kommt nach eigenem Bekunden gerne wieder nach Bad Honnef. Dann sind sicher auch wieder Kinder der Musikschule dabei, der das Collegium Musicum stets zehn Konzertkarten als Nachwuchsförderung spendiert.