Wohn- und Büroflächen: Das passiert mit den Zera-Gebäuden in Königswinter

Wohn- und Büroflächen : Das passiert mit den Zera-Gebäuden in Königswinter

Wo hundert Jahre lang die Mitarbeiter des Weltmarktführers in der Herstellung von Prüfgeräten in Produktion und Verwaltung arbeiteten, werden auch in Zukunft Menschen arbeiten. Vor allem aber entstehen viele neue Wohnungen.

Mit dem für September geplanten Umzug der Zera nach Oberpleis beginnt auch für die Altstadt eine neue Epoche. Klaus Nickel, auch der Generalübernehmer für den Neubau der Zera, hat als Geschäftsführer des Bauträgers Martin Nickel GmbH mit Sitz in Aegidienberg dem Unternehmen seine alten Gebäude in der Altstadt gleich mit abgekauft.

Nach dem Auszug möchte er die sechs Bestandsgebäude mit einer Grundstücksfläche von rund 3000 Quadratmetern und einer Büro- und Produktionsfläche von 3800 Quadratmetern entwickeln. Zwei Häuser an der Hauptstraße und an der Kellerstraße stehen unter Denkmalschutz. In Zukunft wird es an dieser Stelle laut Nickel knapp 3000 Quadratmeter Wohn- und Bürofläche geben.

Für die Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am Mittwoch, 29. Mai, (17 Uhr, Rathaus Oberpleis), hat Nickel der Stadt ein Konzept vorgelegt. Demnach soll das Haus an der Kellerstraße 3 weiter als Bürogebäude genutzt werden. Die Nutzfläche beträgt dort rund 320 Quadratmeter. Gegenüber an der Kellerstraße 4, wo sich heute noch der Haupteingang und die Produktion der Zera befinden, plant Nickel ein Haus mit betreutem Wohnen auf 920 Quadratmetern Nutzfläche. 20 Bewohner sollen dort später einmal einziehen. Das ehemalige Wohnhaus an der Kellerstraße 6 wird nach seinen Vorstellungen auch künftig wieder für zwei Wohnungen genutzt.

14 Wohnungen sind geplant

Das denkmalgeschützte Gebäude an der Hauptstraße 392, in der sich bisher Büros befanden, soll auch weiterhin gewerblich genutzt werden. An der Klotzstraße 3 und 5, wo zurzeit noch die Produktion stattfindet, sind 14 Wohnungen vorgesehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Klotzstraße 4 bis 8, soll die Verpackungshalle abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. In der oberen Etage sind dann erneut Wohnungen geplant. In den darunterliegenden Etagen ist eine automatisierte Mittelgarage mit 18 Stellplätzen vorgesehen. Dort sollen die Bewohner der Häuser an der Klotzstraße und der Hauptstraße parken. „Wir hätten am liebsten nur ein Parkhaus für die Anlieger gebaut, doch die Stadt hat Wert darauf gelegt, dass hier auch Wohnraum entsteht“, so Nickel.

Weitere Stellplätze für die Gebäude an der Kellerstraße sind auf dem Grundstück Kellerstraße 3 geplant. Dort wird die bestehende Grenzbebauung mit Schreinerei und Garagen abgebrochen, damit die Freifläche zum Parken genutzt werden kann.

Das Konzept sieht vor, dass zurzeit noch bebaute Innenhofflächen teilweise entsiegelt und begrünt werden. Die Gärten haben dabei nicht nur eine optische Funktion, sondern sollen auch für entsprechende Abkühlung im Sommer und zur Wiederansiedlung einer ökologischen Vielfalt dienen. Bei den energetischen Sanierungsmaßnahmen in den Gebäuden sollen jeweils nur behutsame Eingriffe in die Architektur vorgenommen werden. „Wir halten uns natürlich an die Gestaltungssatzung der Stadt Königswinter“, so Nickel. Danach sind die Oberflächen der Gebäude vorgeschrieben. Auch sind dort keine Außenbalkone erlaubt.

Konzept entspricht Zielvorstellungen

Die Verwaltung stellt in ihrer Vorlage für den Ausschuss fest, dass das Konzept den planerischen Zielvorstellungen der beiden Bebauungsplanverfahren für diesen Bereich und den politischen Zielen zur Stadtentwicklung entspreche. Die geplante Umnutzung von Bestandsgebäuden in Wohnungen stärke die Wohnfunktion der Altstadt. Die vorgesehenen begrünten Innenhöfe könnten zu einer Verbesserung des Wohnumfeldes und des Stadtklimas beitragen. Der Vorhabenträger habe zum geplanten Abbruch mit anschließender Errichtung eines Neubaus an der Klotzstraße 4 bis 8 allerdings noch keine konkreten Angaben gemacht, sodass eine Einschätzung der planungsrechtlichen und denkmalrechtlichen Zulässigkeit noch nicht möglich sei.

Im Sommer sollen die ersten Bauanträge bei der Stadt eingereicht werden. Es ist geplant, Anfang 2020 mit dem Umbau zu beginnen. Als erstes soll dort, wo erforderlich, abgerissen werden. „Wir haben ja sozusagen sechs Bauabschnitte“, sagt Nickel. Der Unternehmer glaubt an die Altstadt. „Die Rheinromantik kommt in der Generation unserer Kinder immer mehr zurück. Die Städtchen am Rhein erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf.“

Das Loch bei den Immobilienpreisen zwischen Oberdollendorf und Rhöndorf fülle sich langsam aber sicher. „Die Preise in der Altstadt steigen ständig“, hat er beobachtet. Für Königswinter spreche neben der Lage auch die hervorragende Verkehrsanbindung. „Hier können Sie autofrei leben.“ Wenn irgendwann auch noch die Rheinpromenade, vielleicht nach dem Remagener Vorbild, aufgewertet werde, würde in der Altstadt nur noch eines fehlen – ausreichend Parkplätze.

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