Einzelhändler in Bad Honnef schließen: Chef des Honnefer Centrum kündigt Rückzug an

Einzelhändler in Bad Honnef schließen : Chef des Honnefer Centrum kündigt Rückzug an

Der Macher der Innenstadtvereinigung und Finanzwart Walter Löbach haben angekündigt, ihre Posten im kommenden Jahr abzugeben. Diese Nachricht trifft den Honnefer Einzelhandel in einer ohnehin schwierigen Zeit.

Georg Zumsande: das Gesicht des Vereins Centrum, der Macher dieser Innenstadtvereinigung von Honnefer Einzelhändlern und Unternehmern. Noch. Auf der Jahreshauptversammlung im „Karlottas“ überraschte Georg Zumsande die Mitglieder mit der Ankündigung seines Rückzugs.

Der 66-jährige Vorsitzende und Finanzwart Walter Löbach (64) wollen bei der Jahreshauptversammlung 2020 nicht mehr für den Vorstand kandidieren. Ein Jahr Zeit hat der Gewerbeverein nun also, um die Weichen neu zu stellen und zu überlegen, wie es weitergeht ohne das bewährte „Gespann“ an der Spitze als Ideengeber, Koordinatoren, Finanzverwalter, mit dem Marktmacher Jürgen Kutter an der Seite.

Seit Jahren zieht Centrum zu seinen Veranstaltungen immer wieder Tausende in die Stadt. Immer neue Ideen kreierte das Team um Goldschmiedemeister Zumsande. Das Ziel: Einkaufen und Flanieren in Bad Honnef zum Erlebnis werden zu lassen, „Bad Honnefer Lebensart“ zu pflegen, wie die gleichnamige Internet-Kampagne propagiert.

Ein Jahr Zeit, um die Nachfolge zu regeln

„Macht Euch Gedanken, wie das Centrum über 2020 hinaus geführt wird“, mahnte Zumsande die Mitglieder, nachdem er eine positive Bilanz über das Jahr 2018 gezogen hatte – mit Events, die von der Sonne verwöhnt wurden, mit Schlemmerabenden, die mittlerweile Kult sind wie der Martinimarkt, und mit einem Kaminzimmer in der Weihnachtszeit, mit dem „ein Traum in Erfüllung ging“.

Zumsande: „Wir möchten Euch Zeit geben, die Nachfolge zu regeln. Es wäre toll, wenn ein Koordinator in diese Schiene einsteigt, die ich 2020 dann 20 Jahre gefahren haben werde. Was steht, hat eine Hausnummer. Ihr wachst da rein.“ Es sei Zeit zu gehen, dem Nachwuchs, der Internet-Generation, Platz zu machen.

Vielleicht gebe es auch andere Gedanken für die Zukunft. Und auch die Frage, ob das Leistungsspektrum mit den Stadtfesten so aufrechterhalten werden kann, stelle sich. Für die Einzelhändler ist es nicht leichter geworden.

Zwei Einzelhändler schließen wegen schlechter Umsätze

So informierten bei der Versammlung zwei Geschäftsleute ihre Kollegen, dass sie für den Frühherbst ihre Mietverträge gekündigt haben. „Ich will in Bad Honnef nicht weitermachen“, sagte eine Einzelhändlerin, „es kommen zu wenige Kunden.“

Und ein weiterer Einzelhändler meinte: „So schön die Feste sind – an den anderen 351 Tagen passiert nur wenig.“ Er berichtete von einem gewaltigen Umsatzeinbruch seit 2015. „Die Kosten sind nicht mehr zu stemmen.“

„Ich sehe mit Sorge die Entwicklung in der Stadt. Die Einkaufsbummellust ist in Gefahr“, stellte Zumsande fest. Ein Jahr lang war die Innenstadt eine Kanalbaustelle, und mit der Schließung des Kaiser's verlor sie einen Frequenzbringer.

Weitere dunkle Wolken ergeben sich aus der politischen Großwetterlage: Auch für die Honnefer Stadtfeste mussten Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Terroranschläge ergriffen werden. Bedeutet: Stellflächen für Buden fielen weg, was sich auf die Einnahmen aus Standmieten auswirkt.

Und die Betonbarrieren auf den Straßen reißen ein Loch in die Vereinskasse. Kassenprüferin Edeltrud Wegener: „Es ist ein Wahnsinn, was das kostet, da müsste uns die Stadt unter die Arme greifen“, meinte sie.

Stadt setzt auf Kooperation mit den Geschäftsleuten

Bürgermeister Otto Neuhoff betonte: „Danke, dass wir dieses aktive Centrum haben. Die Stadt unterstützt das Centrum gern und jedes Fest mit einem Betrag im höheren vierstelligen Bereich.“

Und: „Wir werden diesen Standort nur gemeinsam behaupten und entwickeln können.“ Dabei sei die Kooperationsbereitschaft der Geschäftsleute wichtig. „Wir arbeiten an allen Ecken und Kanten, um die Attraktivität der Stadt zu steigern.“ Hoffnung: „Das Kaiser's wird kernsaniert, da passiert etwas.“

Zuversichtlich sei er, dass durch die Entwicklung im ehemaligen KSI der Abgang von Tagungsgästen aufgefangen werden könne. Und: „Auch das Einwohnerwachstum ist der richtige Weg, um mehr Frequenz für die Innenstadt zu erreichen.“

Stadtfeste-Organisator Jürgen Kutter gab die Veranstaltungstermine bekannt. Das nächste Event steht unmittelbar bevor: Am Samstag und Sonntag, 6. und 7. April, startet Centrum mit „Fühl Dich Frühlich“ in die Saison.

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