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Traditionscafé in Rhöndorf: Café Profittlich feiert 125-Jähriges mit großem Fest

Traditionscafé in Rhöndorf : Café Profittlich feiert 125-Jähriges mit großem Fest

Das Traditionscafé Profittlich in Rhöndorf feiert sein 125-jähriges Bestehen mit einem großen Bürgerfest. Ein Rundgang durch das Geschäft und ein Rückblick auf Geschichten und Anekdoten aus mehr als einem Jahrhundert.

„Fleißig“ sei er gewesen, habe „mit seinen Leistungen befriedigt“, attestierte ein Kölner Bäcker anno 1912 einem gewissen Peter Profittlich aus Rhöndorf – ein hohes Lob, das der junge Bäckergeselle als einen von vielen Belegen seiner Wanderjahre mit in die Heimat nahm.

Vier Jahrzehnte später sollte der Handwerksmeister nicht mit den Erzeugnissen seiner Bäckerkunst, sondern mit einem Disput in die Schlagzeilen kommen: Der Streit um den Bau einer Seilbahn zum Drachenfels zwischen Peter Profittlich und Gründungskanzler Konrad Adenauer schaffte es national wie international in die Gazetten. Nachzulesen ist das und mehr in einer Ausstellung zum Jubiläum 125 Jahre Café Profittlich. Am Sonntag, 21. Mai, wird das mit einem großen Bürgerfest gefeiert.

„Alleine das sind mehr als 120 Artikel.“ Peter Profittlichs Enkel selben Vornamens blättert in dem dicken Ordner, in dem sein Großvater Veröffentlichungen rund um den Seilbahnstreit gesammelt hat. Und der Enkel des anderen, der ebenfalls den Vornamen seines berühmten Großvaters trägt? Der zollt dem Handwerksbetrieb Lob wie es sein Großvater sicher ebenfalls getan hat.

Streit um Seilbahn sorgt für Wirbel

In Vollendung des Satzes „Ein Leben ohne Café Profittlich in Rhöndorf ist...“ schreibt Notar Konrad Adenauer in der von Thomas und Sebastian Heyer gestalteten Festschrift: „...wie Kuchen ohne Sahne. Denn Profittlich gehört zu Rhöndorf wie die Hubertus-Schützen und Konrad Adenauer.“ Profittlich habe die Familie „immer aufs Beste beliefert, gerade in schlechten Zeiten. Selbst die verhinderte Seilbahn auf den Drachenfels konnte die Freundschaft Adenauer-Profittlich nicht nachhaltig beeinträchtigen.“

Rheinische Sturköpfe unter sich: Ein paar Jahre sorgte der Streit um die Seilbahn schon für Wirbel. Ein Modell ist ebenso wie Karikaturen, die die Seilbahn passend auf der Terrasse des Cafés enden ließen, Teil der Ausstellung. Dokumente noch aus der Zeit von Urgroßvater und Großvater Profittlich, Fotos und mehr machen 125 Jahre Firmengeschichte anschaulich.

Darunter: das Rezept der Herrentorte, die Karl-Heinz Profittlich, Bäckermeister in dritter Generation, raffiniert variierte. Übertroffen werden die Torte und unzählige Gebäck- und Brotspezialitäten, darunter ein Jubiläumsbrot mit acht teils seltenen Getreidesorten, nur vom Exportschlager Nummer eins: dem Stollen. 14 000 Stück verließen 2016 die Backstube und wurden bis nach Kanada, Australien oder Japan verschickt: Süße Botschafter in 42 Ländern rund um den Erdball.

1892 begann die Geschichte

Die Geschichte des Cafés reicht zurück bis 1892. Seinerzeit erwarb Bäckermeister Stephan Profittlich aus Birresdorf im Kreis Ahrweiler das Gebäude, das vormals eine Essigfabrik beherbergt hatte. Gemeinsam mit seiner Frau, der Bäckerstochter Elisabeth Horst, baute er den Betrieb auf. 1924 kam das Café hinzu. Dafür wurde die ehemalige Backstube in dem 1731 errichteten Haus umgebaut. Das Fachwerk wurde freigelegt, das Café erhielt sein bis heute fast unverändertes, nostalgisches Gesicht, trotz Renovierungen und Umbauten.

125 Jahre Café Profittlich

Nicht weichen darf sie: Die alte Registrierkasse, deren Kurbel Inge Bott zum Rattern bringt. Zum Rechnen bräuchte sie die Kasse freilich nicht. Mitglied des Profittlich-Teams seit 72 (!) Jahren, macht der 90-Jährigen im Kopfrechnen keiner was vor. Technisch Schritt halten heißt es allemal.

So investierte Peter Profittlich, der 1997 das Geschäft von seinem Vater Karl-Heinz übernahm, jüngst sechstellig in einen neuen Ofen. Als junger Mann hatte er sich übrigens bewusst für das Handwerk und gegen ein Studium entschieden. „Als ich die Lehre gemacht habe, gab es in Bad Honnef 17 backende Bäcker, jetzt sind es noch drei.“ Immer weniger junge Menschen strebten einen Handwerksberuf an, so Profittlich, Und das, sagt der Lehrlingswacht der Handwerkskammer, sei doch sehr zu bedauern.

Rheinische Schlagfertigkeit als Familientradition

Im Café Profittlich baut man auf die nächste Generation: Neffe Jens Müller hat sich auch für das Handwerk entschieden, besucht aktuell die Konditorenmeisterschule. Auch als „Global Player“ bleibt man am Ball, baut einen Online-Shop auf. Der Enkel schlägt Urgroßvater, Großvater und Vater nicht nur in der Handwerkskunst nach.

„Wir haben tatsächlich nicht mehr alle Tassen im Schrank“, witzelt Profittlich beim Rundgang über jene letzte Tasse eines Geschirrs von 1924, die in einer der Vitrinen steht: rheinische Schlagfertigkeit als Familientradition. Dasselbe gilt für das Engagement in den Vereinen, allen voran den Schützen und der Feuerwehr, und für den Heimatort. Profittlich und Rhöndorf, beides war schon immer untrennbar.

Was eben beim Seilbahnstreit besondere Blüten trieb. Großvater Peter Profittlich wollte sie partout, zur Ankurbelung des Fremdenverkehrs, stellte als Vorsitzender des Ortsvereines einen Antrag. Kanzler Adenauer war die Idee ein derartiger Dorn im Auge, dass er, nicht weniger Schlitzohr als sein Konterpart, den Verschönerungsverein für das Siebengebirge einspannte, der die Bahn prompt ablehnte.

Auch warf Adenauer sein ganzes Gewicht als CDU-Bundesvorsitzender und Ehrenbürger Bad Honnefs in die Wagschale, auf dass sich die Reihen „seiner“ Christdemokraten, zu denen ironischerweise auch Stadtrat Peter Profittlich gehörte, hinter ihm schlössen. Nach einigem Hin und Her zog Profittlich 1953 seinen Antrag zurück: keine Niederlage, höchstens ein Patt. Denn ganz beendet wurde der Disput erst 1959 nach einem erneuten Anlauf Profittlichs. NRW-Wirtschafts- und Verkehrsminister Hans Lauscher teilte damals mit, die Bahn werde nicht genehmigt.

Das Jubiläumsprogramm

Feiern mit Herrentorte

„Mein Großvater war schon ein Schlitzohr“, sagt Peter Profittlich, dem seine Schwester Karla als Mitglied der „Profittlich“-Dynastie sowie ein Team aus elf Festangestellten und 26 Aushilfen zur Seite steht. Belegbar ist das auch durch eine andere Anekdote. Der Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings, Namensgeber des „Fringsens“ als Versorgungsfreibrief in der Not, hatte in Rhöndorf einen begabten Schüler.

1945 erklärte sich Peter Profittlich selbst zum „Ehrenamtlichen Beirat der Stadt Köln“, ein Titel, den es so nie gegeben hat. So in (angeblichen) Amt und Würden besorgte er sich ein Auto, organisierte Holz und Lebensmittel. „Die Versorgung der Menschen war meinem Großvater sehr wichtig, vor allem in Notzeiten“, so Peter Profittlich. Was auch gelang.

„Man muss Danke sagen, dafür, dass schon vier Generationen hier ihr Auskommen haben und 125 Jahre den Menschen mit den Produkten auch Freude bereiten dürfen“, sagt Peter Profittlich mit Blick auf die Dankmesse am Sonntag, 21. Mai. Danach heißt es feiern für Kunden, Freunde, Wegbegleiter. Ohne Seilbahn, aber ganz sicher mit (Jubiläums-)Herrentorte.