Neugestaltung in Bad Honnef: BUND klagt gegen Umbau der Insel Grafenwerth

Neugestaltung in Bad Honnef : BUND klagt gegen Umbau der Insel Grafenwerth

Mit einer Klage beim Verwaltungsgericht Köln versuchen die Naturschützer, die Pläne der Stadt Bad Honnef für Grafenwerth zu durchkreuzen. Sie will 3,3 Millionen Euro investieren, um die Insel attraktiver zu machen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Kreisgruppe Rhein-Sieg, hat nach eigenen Angaben Klage gegen die von der Stadt Bad Honnef geplanten Umbauten auf der Insel Grafenwerth eingereicht. Weder beim Kreis noch bei der Stadt lag die Klageschrift am Montag vor. BUND-Sprecher Achim Baumgartner indes informierte den GA über die Klage beim Verwaltungsgericht Köln. Sie wende sich gegen den sogenannten Befreiungsbescheid der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises.

Bekanntlich liegt die Insel Grafenwerth im Landschaftsschutzgebiet und ist vom Flora-Fauna-Habitat(FFH)-Gebiet umgrenzt. Er gehe davon aus, dass die Klage auch eine aufschiebende Wirkung habe, so Baumgartner. Sollte dies zutreffen, wäre das Projekt blockiert, möglicherweise komplett gefährdet.

Die Vorbereitungen für die Umbauten haben bereits begonnen. Vergangene Woche wurden Bäume gefällt. Foto: Frank Homann

Dabei hatten just vergangene Woche die Vorbereitungen begonnen. Dazu gehören laut Stadtverwaltung auch Baumfällungen und Baumpflegemaßnahmen. Diese Arbeiten umfassten zunächst die Nordspitze der Insel und würden voraussichtlich bis Mitte Mai dauern. Teile der Nordspitze müssten für die Besucher abgesperrt werden.

Arbeitstitel: Grünes Juwel in neuen Glanz

Wie berichtet, ist geplant, die Insel Grafenwerth für rund 3,3 Millionen Euro unter dem Titel „Grünes Juwel in neuem Glanz“ umzugestalten. Dafür erhält die Stadt rund zwei Millionen Euro Fördermittel vom Land; mehr als eine Million Euro steuert sie selbst bei. Eine Verzögerung könnte Konsequenzen haben: Die Fördergeber setzen Fristen. Wie mehrfach berichtet, muss 2021 alles fertig sein. In 2020 sind unter anderem auch Veranstaltungen zum Beethoven-Jubiläum auf der Insel geplant.

Baumgartner begründet die Klage damit, dass es „entgegen der Annahme der Behörde bei dem Bauvorhaben“ nicht darum gehe, „die Erholungsnutzung auf der Insel so zu lenken, dass dort neben der Freizeitnutzung mehr Naturschutz möglich wird, sondern darum, die Freizeitnutzung auf Spielfeldern, Spielplätzen, einer Freitreppe und im Zuge von Festivals insgesamt zu erhöhen“. Für den „Naturschutz wirksame und störungsfreie neue Ruhezonen“ entstünden nicht.

Im Gegenteil: „Noch naturnahe Strände an der Nordspitze werden weiter baulich überformt, im Auwald Spielplätze angelegt, die eine erhöhte Verkehrssicherungspflicht zulasten der Altbäume auslösen.“

BUND kritisiert Pläne angesichts des Klimawandels

Auch die Empfehlung des Naturschutzbeirates, auf die geplante Freitreppe am Ufer zu verzichten, sei nicht berücksichtigt worden. Baumgartner: „Bedauerlich ist, dass der Bad Honnefer Rat die 3,3 Millionen Euro teuren Maßnahmen gegen die Natur angesichts von Klimawandel und Insektensterben überhaupt verfolgt.“

Aufgabe einer Naturschutzbehörde aber sei es, auf die „rechtlichen und fachlichen Grenzen des Möglichen hinzuweisen und eine Befreiung zu verweigern“. Denn Schutzziele des Landschaftsschutzes wie Entwicklungspotenzial für den regionalen Biotopverbund und Lebensraum für landschaftstypische Tiere und Pflanzen würden ad absurdum geführt.

Bedenklich sei auch, dass die Fördergelder für dieses „unzeitgemäße Bauvorhaben“ überhaupt bewilligt worden seien. Die Förderziele von „Zukunft Stadtgrün“ „würden zu einer anspruchsvollen Grünent­wicklung im Bad Honnefer Stadtpark sehr gut passen. Sie passen jedoch überhaupt nicht zu Baumaßnahmen auf der Insel Grafenwerth“, so Baumgartner.

Für den BUND ist es die zweite Klage gegen Maßnahmen auf Honnefer Stadtgebiet innerhalb weniger Monate. Mit der Klage gegen die Rodungen im Wald infolge des Borkenkäferbefalls waren die Umweltschützer vor dem Verwaltungsgericht gescheitert, das Oberverwaltungsgericht wies eine Beschwerde ab.

Gegen die Pläne für Grafenwerth hatte der BUND schon 2019 Beschwerde eingelegt; zielführend und förderungswürdig wäre seiner Ansicht nach eine Renaturierung des Eilands samt Verlagerung von baulichen Anlagen wie etwa des Tennisplatzes weg von der Insel, hatte der BUND seinerzeit kommentiert.

Kreis und Stadt teilten auf GA-Anfrage mit, für Einschätzungen zur Sache sei es zu früh. Kreis-Pressesprecherin Rita Lorenz: „Bislang haben wir ja nicht einmal die Klageschrift vorliegen, das wäre Stochern im Nebel.“