Bürger in Selhof kritisieren die Umstellungen bei der Buslinie 566

Selhofer Anwohner verärgert : "Der Horror mit den Monsterbussen muss ein Ende haben"

Zwei Busladungen voll Selhofern protestierten im Rathaus - Der Grund: Die Diskussionen nach den Umstellungen bei der Buslinie 566 dauern an.

Ein Bus hätte längst nicht ausgereicht, um alle Teilnehmer aus Selhof zum Bürgerdialog in Sachen "Buslinie 566" zum Rathaus zu befördern. Der für den Gedankenaustausch mit Stehtischen und Infotafeln ausgestattete Raum Grafenwerth war hoffnungslos überfüllt, so dass der erste Beigeordnete Holger Heuser in Eile den Ratssaal herrichten ließ, wohin die rund 100 Selhofer dann umzogen. Mit solch einem Andrang hatte die Verwaltung nicht gerechnet. Sie wollte in "gemütlicher Atmosphäre" diskutieren.

"Wir sind auf Krawall gebürstet, keine Sitzplätze anzubieten, ist ein Unding", wetterte Volker Burghoff. Bis die Mikrofonanlage gestartet war, erläuterte Heuser mit erhobener Stimme die Historie der Buslinie. Immer wieder allerdings unterbrachen ihn ungeduldige Selhofer, die ihre Probleme endlich loswerden wollten.

"Wir wollen heute Hinweise sammeln", sagte Heuser, der zum Bürgerdialog auch Frank Wiedemann, Betriebsleiter der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG), RSVG-Bereichsleiter Michael Deurer, Christoph Groneck, Verkehrsplaner beim Rhein-Sieg-Kreis, sowie Verkehrsplaner Markus Geuenich von der IGEPA Verkehrstechnik GmbH eingeladen hatte. Schließlich konnten auch die Besucher ihre Klagen und Vorschläge über die Ratsmikrofone darlegen.

Seit dem Ende der Sommerferien gilt eine Linienführung, die sechs Monate lang, bis Februar 2020, erprobt werden soll. Das Bus-Theater begann aber bereits mit den ein Jahr dauernden Kanalbaumaßnahmen im September 2017. In dieser Zeit galt eine abgespeckte Linienführung, die Haltestellen Schul- und Brückenstraße sowie Martins-Kapelle mussten entfallen.

Nachdem die Bagger abgezogen waren, lehnte die RSVG die Anknüpfung an die vorherigen Verhältnisse ab. Der Grund: Wegen der Infrastruktur sei kein verkehrssicherer Betrieb möglich. Die Busse müssten teilweise Gehwege überfahren, um durch das enge und teilweise zugeparkte Selhof zu gelangen. 700 Unterschriften sammelte der Sozialverband VdK 2018 für die Einführung der alten Linie. Daraufhin gab es neue Ausschuss-Beratungen, eine Probefahrt, die IGEPA und die Polizei wurden hinzugezogen und die neue Linie gestartet.

Aber bereits unmittelbar nach Beginn der Testvariante am 27. August 2019 hagelte es Beschwerden aus der Bürgerschaft, die Heuser vortrug: "Der Horror mit den Monsterbussen muss ein Ende haben! - Hoffentlich hat die Fehlplanung bald ein Ende! - Zu groß, zu oft, zu laut, zu leer, zu stinkig, zu gefährlich! - Verpestete Luft! - Ortskern wird täglich von 60 Monsterbussen beherrscht! - Armutszeugnis der Stadt Bad Honnef, so etwas den Bürgern anzubieten!" Bei Probefahrten stellte sich heraus: Die Verkehrsverhältnisse sind unproblematisch, aber bei fast allen Bussen kam es zu Verspätungen. Die RSVG reagierte und änderte deshalb aktuell die Taktverhältnisse von 20 auf 30 Minuten, was aber auch zu Verärgerung führte.

"Seit zehn Jahren pendele ich mit Bus 566 und der Straßenbahnlinie 66. Jetzt muss ich 29 Minuten warten", sagte ein Selhofer, "vor der Umstellung waren es elf Minuten." Weil der Bus sowohl als Zubringer für die Straßenbahn als auch für die DB genutzt werde, sei die Koordination schwierig, so Christoph Groneck vom Kreis. Eine Frau beklagte sich, dass der Bus nach Selhof ihr drei Minuten vor ihrer Ankunft vor der Nase wegfahren würde. Ein Student: "Der Bus sollte alle 15 bis 20 Minuten fahren."

Eine ältere Frau schimpfte: "Sonntags fährt der letzte Bus um 20.33 Uhr. Wir müssen uns ein Taxi nehmen, wenn wir später ausBonn kommen." Eine andere Frau bemängelte die große Entfernung zu den Haltestellen. Ja, und einige Diskussionsteilnehmer ärgerten sich, dass sie ihren Alterssitz hier genommen haben. Ein Pendler sagte: "Ich würde es ernsthaft überlegen, noch einmal nach Bad Honnef zu ziehen."

Ein Teilnehmer meinte: "Riesenbusse fahren leer durch die Gegend." Die Haltestelle Brunnenstraße habe nur "Alibifunktion, die ursprüngliche Strecke war deutlich geeigneter". Zum Vorwurf "Geisterbus" sagte Frank Wiedemann: Die gezählten 30 bis 50 Fahrgäste wären nicht an jedem Punkt der Route zwischen Rhöndorf und Drieschweg an Bord. Kinderwagen und Rollatoren müssten auch berücksichtigt werden.

Viel Beifall gab es für einen Selhofer, der zwei kleine Busse extra für Selhof forderte. Ein anderer: "Probieren Sie doch mal einen kleinen Elektrobus aus." Holger Heuser brachte den Bürgerbus ins Spiel - aber der verlange Engagement aus der Bürgerschaft. "Unser Ziel bleibt es, den idealen ÖPNV zu bekommen." Die Anregungen wurden gewissenhaft aufgenommen - für die weitere Diskussion.

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