Facharbeit zu Ex-Bundeskanzler Adenauer: Bonner Schülerin gewinnt Konrad-Adenauer-Preis

Facharbeit zu Ex-Bundeskanzler Adenauer : Bonner Schülerin gewinnt Konrad-Adenauer-Preis

Die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Bad Honnef hat drei junge Schülerinnen für ihre Facharbeiten mit dem Schülerpreis ausgezeichnet. Den ersten Preis gewinnt Gesine Bormuth vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Bonn.

Bei der Preisverleihung des Konrad-Adenauer-Schülerpreises der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus staunte Konrad Adenauer, der Enkel des ersten Bundeskanzlers und Sprecher der Familie, im Wohnhaus seines Großvaters. Denn: Gesine Bormuth vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium Bonn hatte nicht nur eine Facharbeit „mit einem sehr hohen Maß an Durchdringung und Reflexion des selbstgewählten Themas“ vorgelegt, wie die Geschäftsführerin der Stiftung, Corinna Franz, in ihrer Laudatio ausführte; sie hatte ihren Aufsatz über den Élysée-Vertrag sogar in französischer Sprache verfasst.

Auf Platz zwei gelangte Lara Kaulfuß vom Amos-Comenius-Gymnasium Bonn vor Marie Wübker vom CJD Königswinter. Adenauer: „Ich freue mich, dass auch durch diese Arbeiten das Interesse an meinem Großvater wachgehalten wird.“ Die drei jungen Frauen, die alle nächstes Jahr Abitur machen, freuten sich über ihre Prämien, die auch in diesem Jahr vom Lions-Club Rhein-Wied gestiftet worden waren. Zu den ersten Gratulanten gehörten auch der Vorsitzender der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus, Staatssekretär a. D. Manfred Speck, Lions-Club-Präsident Viktor Schicker und sein Kollege Hellmuth Buhr.

„Ich hatte die Idee, dass zu diesem Thema die französische Sprache passt“, meinte Bormuth. Und so wurde sie inhaltlich von Geschichtslehrer Georg Michels und sprachlich von ihrer Französischlehrerin Ute Wetzel betreut. Dabei lernt die Schülerin erst seit vier Jahren Französisch. „Der Anfang fiel mir schwer, aber als ich dann drin war, ging es gut“, sagte sie. Ihre Arbeit behandelte die Auswirkungen des Élysée-Vertrags von 1963 auf die deutsch-französischen Beziehungen.

Facharbeit auf Uniniveau

Franz erteilte höchstes Lob: „Wir haben immer mal wieder besondere Facharbeiten dabei, die in ihrer Gesamtleistung aufmerken lassen und auch als Seminararbeit im Studium Bestand hätten. Diese Arbeit zählt dazu.“ Franz, die wie Museumspädagogin Sabine Steidle alle eingereichten Arbeiten bewertet hatte, sagte: „Das nuancierte Fazit unterstreicht die gedankliche Reife der Arbeit. Ab den 1980er Jahren erst setzte der Siegeszug dieses Vertrages ein. Es beginnt eine wahre 'mystification', die allzu leicht vergessen lässt, wie umstritten der Vertrag einst war.“

Kaulfuß hatte das Thema „Konrad Adenauer und Charles de Gaulle – von der ersten Begegnung 1958 bis zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag 1963“ gewählt. Wie die beiden anderen Preisträgerinnen nutzte sie das Archiv der Stiftung, aber ebenso eine Ausstellung im Bonner Institut français.

„Lara Kaulfuß hat ein komplexes Thema gut in den Griff bekommen“, betonte Franz. Sie nehme den Leser gedanklich mit und führe ihn zu einem nachvollziehbaren Fazit: dass nämlich die beiden Politiker einen großen Anteil am Zustandekommen des Élysée-Vertrages hatten. Die Schülerin meinte: „Mich hat die persönliche Freundschaft Adenauers und de Gaulles sehr beeindruckt.“

Arbeit skizziert Adenauer als Krisenmanager

Wübker aus Thomasberg nahm sich indes der ersten politischen Ära Adenauers an. „Konrad Adenauer 1917-1933: 'Nur' ein Oberbürgermeister?“ lautete die Fragestellung der CJD-Schülerin. Die Arbeit besteche durch Informationsgehalt. sagte Franz. Daneben stelle die Schülerin auch ihr Urteilsvermögen unter Beweis: Sie skizziere Adenauer als erfolgreichen Krisenmanager, der seinen Einfluss auf Reichsebene zugunsten Kölns nutzt, als einen Mann mit extremem Ehrgeiz und mitunter eigenwilligem Führungsstil und als ein Paradebeispiel produktiver, aber verschwenderischer kommunaler Finanzpolitik.

Franz: „Marie Wübkers Fazit der Arbeit ist sehr überzeugend hergeleitet: Adenauer leistet mehr, als sein Amt es erfordert hätte.“ Die CJD-Schülerin hatte auch die neue Dauerausstellung der Stiftung intensiv studiert.

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