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Ausstellung in der Rhöndorfer Heimatstube: Bogenschlag zwischen Kunst und Heimatgefühl

Ausstellung in der Rhöndorfer Heimatstube : Bogenschlag zwischen Kunst und Heimatgefühl

Es ist zwar nichts Heimatkundliches, aber eine Bereicherung ist die Ausstellung von Milena Kunz-Bijno in der Heimatstube des Orts- und Bürgervereins Rhöndorf dennoch, und sie hat unbedingte Berechtigung.

Die Künstlerin lebt gleich gegenüber in einem jahrhundertealten liebevoll restaurierten Fachwerkhaus. Mit ihren Werken hat sie das Erdgeschoss samt Schaufenster der Heimatstube attraktiv gestaltet. Und mit dem Motto "Spuren aus Papier und Ton" liegt sie nicht zuletzt mit dem Anliegen der Begründer der Heimatstube, Vergangenes zu bewahren, auf gleicher Wellenlänge. "Sie hat mit dem Wort, der Schrift und den Noten eine Brücke zum Ausstellungsort geschlagen", sagte auch Galeristin Christiane Limberg bei der Eröffnung.

Milena Kunz-Bijno präsentiert insgesamt 28 Ausstellungsstücke, darunter Bücher aus Ton. Diese nennt sie einen Versuch, "den vielen Büchern, die ich nicht schreiben konnte, mindestens eine imaginäre Form zu geben". So vermittelt eines der Werke, dass der Schlüssel der Wahrheit im Buch liegt.

"Faust" nennt die Künstlerin eine Installation, die wie in einer Kastenkrippe zusammengestellt ist und aus einem dicken Buch, Feder und Tintenfass besteht - quasi eine Hommage an Goethe, den Schöpfer dieses literarischen Werkes. Beethoven würdigt die gebürtige Italienerin mit einer Melange aus Beethovenbüste, Notenschlüssel und Notenblättern. Überhaupt: Gerollte Notenblätter oder glatte Notenblätter, auch eindrucksvoll auf blauem Leinwand-Hintergrund, sind mehrfach in der Ausstellung zu sehen.

Sie sind neben den Büchern aus Ton tonangebend in dieser Auswahl von Arbeiten, die Titel tragen wie "Die Königin der Nacht", "Altes Pergament", "Dichterreise", "Poesie", "Trompetenengel" oder "Serenade". Und wer summt nicht gleich bei "Nocturne", einer Collage aus metallisch wirkender Leinwand und einem gerollten Notenblatt.

Im Nebenraum, in dem einige historische Wäscherollen an die Mühen des Waschtages der Großmütter erinnern, hat Milena Kunz-Bijno auf dem Boden vergoldeten Stoff ausgebreitet und darauf zum Teil fast 90 Jahre alte Briefe drapiert. Koffer und Schreibmaschine aus der Zeit gehören auch zu dem Ensemble, das den Titel "Das geschriebene Wort" trägt. Diese Briefe, alle auf Italienisch verfasst und fein säuberlich geschrieben, haben ihre besondere Geschichte.

Milena Kunz-Bijno fand sie in einer Wohnung in ihrer Heimatstadt Turin, in der ihre Pateneltern lange lebten. Geschrieben wurden sie zwischen 1928 und 1942, dem Geburtsjahr der Künstlerin. Zusammen mit anderen Erinnerungsstücken schickte sie den Karton mit den Briefen, ungelesen, nach Deutschland, wo er auf dem Dachboden landete. Während einer Aufräumaktion fanden die Briefe nun ihre Beachtung. Kunz-Bijno: "Es sind keine Dokumente von historischer Bedeutung, aber sie verströmen auch nach so vielen Jahren Liebe, Leidenschaft und Hoffnung." Ettore war für drei Jahre als Wehrpflichtiger von Turin nach Vercelli einberufen worden.

"Ich habe diese Briefe ,wiedergefundene Worte? genannt und entdecke in ihnen Teile meiner eigenen Geschichte, meiner Wurzeln, meiner Sehnsucht nach der Heimat", sagt Milena Kunz-Bijno. Was sie sich wünschen würde? "Dass die Rhöndorfer alte Briefe, die sie aufbewahrt haben, hier mit dazulegen."

Malstunden für Kinder

Die Ausstellung von Milena Kunz-Bijno in der Heimatstube in Rhöndorf, Löwenburgstraße 28, ist bis Sonntag, 16. August zu sehen. Geöffnet ist die Heimatstube freitags, samstags und sonntags, jeweils von 15 bis 18 Uhr.

Kinder ab fünf Jahren lädt die Künstlerin für den heutigen Mittwoch, 5. August, zum Malen ein. Sie sind von 15 bis 17 Uhr in der Heimatstube willkommen.