Bahnhofsumbau in Rhöndorf weiter verschoben: Barrierefreiheit auf dem Abstellgleis

Bahnhofsumbau in Rhöndorf weiter verschoben : Barrierefreiheit auf dem Abstellgleis

Hätte sie den Zug genommen, wäre Rita Klöpper am Montag stressfrei nach Rhöndorf gelangt. Die Vorsitzende des Petitionsausschusses des Landtages Nordrhein-Westfalen nahm das Auto und quälte sich frühmorgens von Stau zu Stau.

Stressfrei sind Ankunft und Abfahrt am DB-Haltepunkt Rhöndorf allerdings auch nur für Fahrgäste, die uneingeschränkt mobil sind. Seit vier Jahren kämpfen die Rhöndorfer darum für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofes. Und das werden sie weiter tun müssen: Auch beim gestrigen zweiten Besuch Klöppers zeichnete sich kein schneller Erfolg ab.

Und so war das Treffen auf Einladung von Jörg Erich Haselier, Vorsitzender des Bürger- und Ortsvereines Rhöndorf, gestern vor allem eines: ein Symbol für regionale Solidarität. Gerade nach Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit sei es wichtig, dass Politik, Nahverkehrsverantwortliche und Verwaltungen an einem Strang ziehen, hieß es. "Wir waren schon 2011 der Meinung, dass hier etwas passieren muss", erinnerte Klöpper an den ersten Ortstermin, an dem auch Vertreter der Bahn AG teilgenommen hatten.

Umso bitterer die Erkenntnis: Passiert ist bislang nichts - trotz aller Appelle und Gespräche und obwohl die Stadt Bad Honnef ein Grundstück zur Verfügung gestellt und einen Umbauplan priorisiert hat. Ärgerlich: Während sechs andere Bahnhöfe noch kurz vor Toresschluss in die nun abgeschlossene Modernisierungsoffensive II der Bahn nachgerutscht seien, habe Rhöndorf auch bei diesem Nachschlag das Nachsehen gehabt, so die CDU-Landtagsabgeordnete Andrea Milz gestern.

Woran hat es gehapert? Bei Gesprächen mit der Bahn AG habe durchgeklungen, dass die Verbände - der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Nahverkehr Rheinland (NVR) - "möglicherweise nicht genau wissen, wer zuständig ist", sagte Milz. Deshalb und da durch die Kommunalwahl viele Verantwortliche gewechselt hätten, "war es uns wichtig, die Beteiligten an Ort und Stelle zusammenzuholen", so Klöpper. "Wir haben um Rhöndorf gekämpft, aber verloren", sagte VRS-Geschäftsführer Norbert Reingruber und wies damit den Anschein von sich, der Schwarze Peter liege beim VRS. Klar sei aber auch: "Es wird absehbar keinen Baubeginn geben."

Zwar solle Rhöndorf in die Modernisierungsoffensive III der Bahn hinein; der VRS habe das Projekt dafür schon angemeldet. Wann aber die Offensive komme und ob Rhöndorf dann tatsächlich dabei sei - hierzu sei keine Aussage möglich. Reingruber: "Es gibt im Augenblick keine Lösung." Auch Überlegungen zu einem Infrastruktur-Soli gebe es. Greifbar seien sie noch nicht. Schlimmer noch: Beim barrierefreien Ausbau habe vieles gestoppt werden müssen, "wir sind da finanziell am Ende angelangt", so Reingruber.

Erstaunen rief die von ihm genannte Zahl hervor, mit der Rhöndorf für die nächste Modernisierungsoffensive angemeldet sei: sieben Millionen Euro. Teilnehmer des Treffens gestern warfen die Frage auf, ob eine Lösung, etwa ein Aufzug oder eine Rampe, nicht auch für weniger Geld und damit schneller zu bekommen sei. Auch das, sagte Landrat Sebastian Schuster zu, wolle man in die Gespräche mitnehmen. Schuster, der jüngst zum VRS-Verbandsvorsteher gewählt worden ist: "Wir können das Geld nicht drucken, aber wir werden uns nachhaltig dafür einsetzen, dass etwas passiert."

An dieser Notwendigkeit zweifelt auch Kreistagsmitglied Oliver Krauß, Mitglied der NVR-Zweckverbandsversammlung, nicht: "Das Thema hat für uns weiterhin oberste Priorität." Ein Problem: Beim für die Bahn wichtigen Parameter Fahrgastzahlen rangiert Rhöndorf immer weit hinten. Dieses Argument konnte niemand nachvollziehen angesichts der hier beheimateten Körperbehindertenschule im Haus Rheinfrieden. Andrea Milz: "So einen Bahnhof muss man halt politisch pushen."

Darauf hofft nicht zuletzt Hajo Slawski, Ehemaliger des Nell-Breuning-Berufskollegs für Schüler mit Behinderungen. Er gehörte vor vier Jahren zu den Initiatoren und engagiertesten Vorkämpfern für einen barrierefreien Bahnhof Rhöndorf. Seine Erfahrung mit der Bahn AG: "Mit unserem Anliegen laufen wir offene Türen ein. Aber sobald man sich umdreht, sind die Türen wieder zu. Es muss endlich etwas geschehen."

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