Podiumsdiskussion zum Thema Kinderschutz: Bad Honnefer sind nach Tod von Anna wachsamer

Podiumsdiskussion zum Thema Kinderschutz : Bad Honnefer sind nach Tod von Anna wachsamer

"Wir haben alle versagt, die Gesellschaft hat versagt. Ich habe mich damals gefragt, wie wir alle so versagen konnten." Auf Anna und den tragischen Tod des Kindes im Sommer 2010, mitten in Bad Honnef, in einer Pflegefamilie, bezog sich eine Besucherin der Podiumsdiskussion zum Thema "Kinderschutz geht alle an". Ihr Resümee: "Wir müssen Augen und Ohren offenhalten. Schade, dass die Veranstaltung heute nicht so gut besucht ist."

Das Bündnis für Familie hatte das Gespräch mit Fachleuten initiiert mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit eines jeden zu schärfen für Signale von Kindeswohlgefährdung und einen sicheren Umgang damit.

Allerdings setzte sich das kleine Auditorium vor allem aus Leuten zusammen, die von Berufs wegen mit Kindern zu tun haben. Vorwiegend Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Jugendamtsmitarbeiter waren gekommen, um die Diskussion zu verfolgen und auch selbst Fragen zu stellen an Susanne Prinz vom Kinderschutzbund, Honnefs Jugendamtsleiterin Helga Martini, Ersten Polizeihauptkommissar Bert Kluth, den Leiter der Polizeiwache Ramersdorf, und an Beate Schaaf.

Die Vorsitzende des Bündnisses für Familie und Kinderärztin hatte eingangs Zahlenmaterial erläutert und Anzeichen für Vernachlässigung genannt. Ihre Beispiele: wenn sich ein Kind zurückzieht oder aggressiv wird, Leistungsschwäche zeigt, spät zu sprechen beginnt, Verletzungen oder Hautkrankheiten aufweist, wenn Kinder immer auf der Straße herumlungern.

Journalist Marcelo Peerenboom moderierte das Gespräch und fragte gleich zu Beginn Helga Martini, ob nach dem Fall Anna die Menschen in Bad Honnefer aufmerksamer geworden seien. "Ja", bestätigte sie, "einige Meldungen gibt es. Die Bürger sind aufmerksamer geworden." Aber nicht hinter jeder Meldung stecke eine Kindeswohlgefährdung. 2012 habe es in Bad Honnef viele Inobhutnahmen von Kindern gegeben.

Susanne Prinz hob die wichtige Rolle von Lehrern und Erziehern hervor, wenn es um das Erkennen von Kindeswohlgefährdung gehe. Und: "Kinder sind ihren Eltern sehr loyal gegenüber. Sie wollen nicht getrennt werden von Eltern und Geschwistern. Auch wenn sie vernachlässigt werden."

Das gehe häufig auch mit Schuldgefühlen der Kinder einher. Und auch Helga Martini bestätigte: "Diese Bindung zwischen Eltern und Kind besteht. Sie haben keinen anderen, dem sie vertrauen können. Man verrät Eltern schließlich nicht."

Die Frage, wie Bürger vorgehen sollten, wenn sie verdächtige Anzeichen feststellen, beantwortete Bert Kluth. Sie sollten sich an das Jugendamt oder an die Polizei wenden. "Dann setzen sie eine Kette in Gang."

Außerhalb der Dienstzeit des Jugendamtes ist die Polizei Ansprechpartner; ein Bandhinweis am Jugendamt-Telefon gibt den Hinweis. Jugendamtsleiterin Martini: "Wir bekommen kurzfristig eine Meldung von der Polizei. In einem akuten Fall fahren die Kollegen sofort zu der Familie." Ein Besucher wollte wissen, wohin ein betroffenes Kind gebracht wird. Bert Kluth: "Das Kind wird bei häuslicher Gewalt aus der akuten Situation in Sicherheit gebracht."

Wichtig sei es, das Vertrauen der Eltern zu gewinnen, unterstrich Martini, um ihnen bei Überforderung helfen zu können. Auch die Elterncafés würden Müttern und Vätern die Möglichkeit eröffnen, sich bei Problemen Ratschläge zu holen. Marcelo Peerenboom: "Also, eine heile Welt haben wir nirgendwo, unabhängig von Bildungs- und Einkommenssituation?" Das wurde so von den Fachleuten bestätigt.