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Bad Honnefer Gesamtschüler zeigen Foto-Ausstellung im Rathaus

Begegnungen zwischen Generationen : Schüler porträtieren Senioren im Rathaus Bad Honnef

„Lebensträume – Lebensspuren“: Bad Honnefer Schüler haben Senioren nach ihren Erfahrungen befragt - und sie fotografiert. Das Ergebnis ist derzeit im Rathaus Bad Honnef zu sehen.

Es gibt patente Ratschläge. Handfeste Tipps. Manchmal auch Lebensweisheiten, die die Senioren den jungen Menschen mit auf den Weg geben möchten. Die Jugendlichen ihrerseits formulieren Hoffnungen, Wünsche und Träume für und an ihr zukünftiges Leben. Beides zusammen ergibt eine spannende, zugleich anrührende Begegnung der Generationen in Bild und Wort: Unter dem Titel „Lebensträume – Lebensspuren“ ist noch bis Ende Januar im Foyer des Bad Honnefer Rathauses eine Ausstellung der Foto-AG der Erzbischöflichen Gesamtschule Sankt Josef zu sehen.

„Es gab ein funktionierendes Leben ohne Handy mit festen Regeln: Samstag war Badetag“ steht etwa unter dem schwarz-weiß Porträt der 83-jährigen Katharina. Ernst schaut sie dabei in die Kamera, mit einem kleinen Lächeln um die Augen. „Zeig’ Interesse und Engagement. Das, was du machst, solltest du richtig machen“, rät hingegen der 85-jährige Karl-Heinz mit energiegeladenem Blick. 95 Jahre zählt Christa, die Praktisches rät: „Lerne kochen, denn damit kannst du deinen Partner immer erfreuen.“ Hanne (82) hingegen fordert die junge Generation auf, sich einzumischen: „Beseitigt ungerechte Zustände. Ein gutes Vorbild ist dabei sehr hilfreich.“ „Recht gelungen“ findet die Seniorin, Bewohnerin der Bad Honnefer Parkresidenz am Spitzenbach, ihr Porträt. „Obgleich ich eigentlich gar keine Fotos von mir mag.“ Eigens zur Vernissage war sie ins Rathaus gekommen, um das Resultat des besonderen Projekts in Augenschein zu nehmen.

Eindrucksvolle Porträts und handfeste Aussagen

Rund ein Dutzend Schüler der sechsten und siebten Klassen der Gesamtschule besuchten mit ihrer Foto-AG im vergangenen Frühjahr die Senioren der Parkresidenz und des Bad Honnefer Seniorenheims Marienhof. Mit dabei hatten sie Kamera, Block und Stift. „Die Idee war, die Generationen zusammenzubringen“, sagt Stefan Christ, Kunstlehrer und Leiter der Foto-AG. „Allerdings wollten wir nicht nur interessante und ausdrucksstarke Gesichter porträtieren, sondern auch handfeste Aussagen dazu stellen.“ Es sei bei der älteren Generation so viel Lebenserfahrung vorhanden, Wissen, das häufig brach liege. „Es gab tiefgreifende, oft auch erhellende Gespräche“, hat Christ beobachtet. „Und es waren bewegende Momente dabei, bei denen auch schon mal Tränen geflossen sind.“ Beide Seiten hätten profitiert: „Es war sozusagen eine Win-win-Situation.“

46 schwarz-weiß Porträts sind entstanden. Neben den „Lebensspuren“ der älteren stehen die „Lebensträume“ der jungen Generation: „Friede, Gesundheit, Familie, Arbeit und ein Haus mit Katze“, zählt etwa der 14-jährige Florian auf. Der elfjährige Henry denkt sportlich: „Ich werde Fußballprofi bei Borussia Dortmund, werde sehr viel Geld verdienen und mehrfach den Goldenen Schuh holen.“ „Mein Traum ist eine Familie mit zwei Kindern und Erfolge als Polizistin“, schreibt hingegen die elfjährige Florentine unter ihr Porträt. Und Maik (12) formuliert seinen Herzenswunsch so: „Ich möchte Medikamente gegen alle Krankheiten und für die ewige Jugend entdecken.“ Holger Heuser, Erster Beigeordneter, zeigte sich von den Arbeiten ebenso beeindruckt wie Schulleiter Stefan Rost, die beide das „gelungene Generationenprojekt“ lobten. „Wir alle hatten doch als junge Menschen Lebensträume“, so Rost. Vieles gehe mit den Jahren verloren. „Diese Lebensträume hier zu sehen, macht Mut und stimmt positiv.“