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Bad Honnef: Uraufführung „Freude und Hoffnung“ in der Erlöserkirche

Erlöserkirche am Sonntag : Uraufführung der Messe „Freude und Hoffnung“ in Bad Honnef

Der ehemalige Sibi-Lehrer Jo Raile hat die Messe „Freude und Hoffnung“ für mehr als 80 Frauen und Männer des Chores CantoVivo komponiert. Am Sonntag wird das Werk in Bad Honnef uraufgeführt.

„Bla-bla-bla, bumm-bamm, soja-soja, lu-lu-lu-lu!“ Über 80 Frauen und Männer im evangelischen Gemeindezentrum wiederholen die Silben immer wieder, kreisen dabei die Schultern, bewegen die Arme im Rhythmus. Und beim abschließenden „juhu-juhu“ sollen sich die Nachbarn anschauen – so die Anweisung von Marie Dorothea Wählt-Beste.

Die diplomierte Sängerin und Gesangspädagogin bringt die Mitglieder des Chores „CantoVivo“ der evangelischen Kirchengemeinde mit diesen Stimmübungen auf Betriebstemperatur. Denn: Am Sonntag, 1. März, wird er um 10 Uhr in der Erlöserkirche die Aufführung der Messe „Freude und Hoffnung“ bestreiten.

Es ist nicht das Althergebrachte, was die Besucher erwartet, keine Messe von Bach oder Haydn etwa. Der Chor hat sich vielmehr dem neuen geistlichen Liedgut verschrieben und bestreitet nun die Uraufführung eines Werkes, das sogar zwei aus ihrer Mitte erschaffen haben – der Bad Honnefer Jo Raile hat das Werk komponiert, der Text stammt von Walter Boscheinen.

Mittlerweile halten die Sänger sogar die Messe in Buchform in den Händen. Denn: Der renommierte Dehm-Verlag aus Limburg war davon begeistert und hat die Messe für vierstimmigen gemischten Chor, Flöte, Klavier, Band und Gemeinde veröffentlicht.

„Mister Musik am Sibi“

Früher war Jo Raile der „Mister Musik am Sibi“, der Sommer- und Weihnachtskonzerte mit seinen Schülern einstudierte und auch die Lehrer-Band gründete, heute ist er so etwas wie der „moderne Bach“ der Honnefer Kirchengemeinde. Der pensionierte Musik- und Deutsch-Lehrer hat sich von Elementen der Pop-, Swing- und Soulmusik beeinflussen lassen. Das Werk hat der 72-Jährige für „CantoVivo“ maßgeschneidert.

„Es ist ein Laienchor, da können die Ansprüche nicht zu hoch sein. Ich habe die Messe auf Machbarkeit komponiert, habe unsinnige Stimmführungen vermieden – sie ist nicht einfach, aber machbar“, so Raile, der Musik studiert hatte, auch Komposition und Tonsätze. Und auch die Besucher der Uraufführung sind bei diesem Werk gefordert. Die Gemeinde soll stellenweise ins Geschehen eingreifen – bei zwei Kanons und bei den Refrains. Aber keine Bange: Die Melodien klingen flott – und haben durchaus das Zeug zum Ohrwurm.

Die Chormitglieder, darunter immerhin rund 30 Männer, haben offensichtlich Spaß am Gesang und ganz speziell an diesem Werk. Auch wenn Marie Dorothea Wählt-Beste erst einmal stoppt. „Sitzest – das muss ganz scharf gesprochen werden, sitzest.“ Alle sprechen es nach, dann wird wieder gesungen. „Du sitzest zur Rechten des Vaters, höre unser Rufen …“ In neun Stücke ist die Messe gegliedert, sie dauert 30 Minuten, ist liturgiekompatibel, hat alles, was zu einem Gottesdienst gehört – vom Eingangslied über Kyrie, Gloria, Glaubenslied, Gabenbereitung, Vaterunser, Friedensgruß und Kommuniongesang bis zur Sendung.

Eine Hymne an die Schöpfung

Walter Boscheinen, 67-Jähriger Diplom-Theologe aus Siegburg und bis zu seinem Ruhestand in der katholischen Erwachsenenbildung tätig, schreibt bereits seit seinem zwölften Lebensjahr Lyrik, hat allein in den letzten Jahren 170 Lieder verfasst. Für die Messe nun also neun Teile mit Titeln wie „Schmiedet zu Pflügen eure Schwerter um“ oder „Was ist der Mensch“ und als Einstieg „Freude und Hoffnung“, lateinisch: „Gaudium et spes“.

„Damit erinnere ich an das Zweite Vatikanische Konzil unter Leitung des berühmten Papstes Johannes XXIII“, sagt Boscheinen. Beim Sonnengesang“ bezog sich Boscheinen auf den gleichnamigen Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi, dem bekanntesten Werk des „Troubadours von Assisi“ – eine Hymne auf die Schöpfung. Dabei werden Gemeinde – „Laudato si mi Signore …“ aus dem Original – und Chor jeweils dreistimmig singen, so dass diese Passage bei der Aufführung sechsstimmig zu hören sein wird. Spannend wird die Uraufführung also auch …

„CantoVivo“ war entstanden, weil bei vielen hohes Interesse am Chorgesang bestand, aber beim Gospelchor keine Aufnahme mehr erfolgen konnte. Mittlerweile hat dieser neue Chor ebenfalls Aufnahmestopp.