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Weihnachtsmarkt in Königswinter: Auftakt mit 8.000 Gästen auf Schloss Drachenburg

Weihnachtsmarkt in Königswinter : Auftakt mit 8.000 Gästen auf Schloss Drachenburg

Trotz Regenschauer, dicken Wolken und Wind war das Auftaktwochenende der "Einzigartigen Weihnachtszeit" auf Schloss Drachenburg gut besucht: Knapp 8.000 Gäste besuchten den außergewöhnlichen Weihnachtsmarkt.

Henrietta Smith und Mr. Davenport stehen im Durchzug. Das hübsche Fräulein mit den langen blonden Locken zieht die Haube tiefer ins Gesicht, ihr Gegenüber hält einen überdimensionalen Cognacschwenker mit undefinierter Flüssigkeit in der Hand.

„Heißer Bratapfelwein“, erklärt der englische Gentleman im roten Mantel. „Bei Kälte sehr zu empfehlen. Möchten Sie einen Schluck?“ Später vielleicht. Das Pärchen lächelt freundlich und schlendert weiter über die Venusterrasse, auf der sich bereits am frühen Nachmittag die Besucher der „Einzigartigen Weihnachtszeit“ von der besonderen Stimmung rund um Schloss Drachenburg beeindrucken lassen.

Auch wenn Ebenezer Scrooge zu dieser Stunde noch nicht leibhaftig in Erscheinung tritt, ist der muffige Geizhals aus Charles Dickens' Weihnachtsgeschichte doch allgegenwärtig. Dafür sorgen neben Mrs. Smith und Mr. Davenport weitere knapp 20 Schauspieler und Künstler, die Ralf Winterhoff vom „Pirates Action Theatre“ mit nach Königswinter gebracht hat. „Wir kreieren hier eine Zeitreise in das England des 19. Jahrhunderts“, sagt er und zupft augenzwinkernd an seinem dunkelbraunen, etwas abgeschabten Jackenrevers, das sicher noch nicht 200 Jahre alt ist. Aber so aussieht.

Überall im Park stehen die weißen Pagodenzelte und Holzbuden, rund 50 Marktbeschicker bieten bei der siebten Auflage des Weihnachtsmarkts hoch über dem Rheintal ihre Waren an. Historische Postkarten, edle Deko aus Silber, Vogelvolieren, Mützen, Lederwaren, englische Bonbons und Liköre, das Sortiment ist breit gefächert. Glühwein, Feuerzangenbowle oder Waffeln servieren Damen stilecht gekleidet mit Haube und langem Kleid samt Spitzenschürze. An einer Ecke spielen Musiker Weihnachtliches auf dem Saxofon, ein Chor singt a cappella „Love is all around“.

Weihnachtsausstellung in der Kunsthalle

Am Eingang zum Schlossgebäude regelt ein Mitarbeiter in langem Mantel und Zylinder den Besucherstrom. Die Räume stehen zur Besichtigung offen, die NRW-Stiftung präsentiert ihre Arbeit, in der Kunsthalle haben überdies Michael Heider und sein Team ihre Ausstellung mit funkelnden und glitzernden Accessoires passend zur Weihnachtszeit aufgebaut.

„Es lässt sich ziemlich gut an“, sagt Alexandra von dem Brinke, die im Schloss für das Veranstaltungsmanagement verantwortlich ist und zur „Einzigartigen Weihnachtszeit“ selbst Mode à la Dickens trägt. Vor zwei Wochen hätten die Vorbereitungen in Schloss und Park begonnen, in den vergangenen Tagen sei alles eingeräumt worden. Rund 4.000 Besucher, so schätzt sie, seien am Samstag gekommen, etwas weniger am Sonntag. „Das ist ähnlich wie im Vorjahr. Wir sind zufrieden.“

„Hereinspaziert zum Puppentheater“, ruft Andreas Blaschke mit kräftiger Stimme und schwenkt vor der Wagenhalle die Glocke in seiner Hand. Es ist die zweite von insgesamt drei Aufführungen, die der Künstler vom Kölner Figurentheater an diesem Nachmittag anpreist. „Der Wunschzettel“ steht dieses Mal auf seinem Programm, „eigentlich gedacht für Kinder ab vier Jahren“, wie er sagt. „Aber ich habe Kaspers kölsche Tante Frieda in das Stück eingebaut. Da haben auch die Erwachsenen ihren Spaß.“

Den hatten sie auch mit Robert Blake, dreifacher holländischer Meister der Straßenzauberei, wie er nicht ohne Stolz erzählt. Gerade hat er sich den achtjährigen Otokar und seine Mutter Adela Havlova auserkoren, um einen seiner Tricks mit Stab, Kordel und Münzen zu präsentieren. Mutter und Sohn sind beeindruckt. „Wir sind zum ersten Mal hier“, sagt Havlova, die eigentlich aus Prag stammt und seit Kurzem mit ihrer Familie in Bonn lebt. „Ich konnte mir nicht wirklich etwas unter diesem Weihnachtsmarkt vorstellen. Aber die Atmosphäre ist wirklich besonders.“

Tannenzapfen als Mützenbommel

Einzig das Wetter hatte sich am ersten Adventswochenende noch nicht auf vorweihnachtliche Stimmung eingestellt: Bei dicken Wolken, Wind und Regen ließen sich die einen die Zukunft – wahlweise auf Englisch – im Zelt von Madame Heloise vorhersagen. Oder sich von Seraina De Block im Panoptikum gleich nebenan die „historischen Jahrmarktkuriositäten“ erklären, „kindgerecht“, wie sie betont.

Wohl dem, der sich mit Blick auf das Wetter in dickes Fell hüllen konnte wie Karl Friedrich Schleier, der als Knecht Ruprecht mit Tannenzapfen als Mützenbommel durch den Park zog, in seiner Hand ein langer Stab mit (ausgestopfter) Schleiereule. „Das mit dem Wetter“, sagt er, „ist eine Frage der inneren Einstellung. Die Eule hat eben zwei Mal gezwinkert. Ich denke, das heißt: Das wird schon noch.“ Gegen 16 Uhr geht am Schloss das Licht an. Gebäude, Park, jede Ecke ist in farbiges Licht getaucht, Schloss Drachenburg zeigt sich von seiner Zuckerseite. Die Drachenfelsbahn ist voll, am Eingang stehen die Besucher Schlange. Regen hin oder her.