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Artur Betz aus Bad Honnef: Der Geigenbauer restauriert eine besondere Gitarre

Artur Betz aus Bad Honnef : Geigenbauer restauriert eine besondere Gitarre

Der Bad Honnefer Geigenbauer Artur Betz restaurierte eine historische Gitarre. Das besondere daran: Eine Freundin Beethovens soll auf ihr gespielt haben.

Die alte Gitarre steckte im Jutesack. Geigenbauer Artur Betz aus Bad Honnef entdeckte sie auf einer Auktion. „Sie war in einem völlig desolaten Zustand.“ Aber sein Gespür sagte ihm, dass diese „Ruine“ einmal ein edles Instrument gewesen sein musste. „Gitarren aus dieser Zeit sind selten“, erklärt Betz. „Anders als Geigen wurden sie kaum aufbewahrt.“ Im Hohlraum klebte ein hauchdünnes Zettelchen, dessen Aufschrift seinen Pulsschlag beschleunigte. Das Papier wies nämlich Martin Stoß (1778-1838) als Erbauer aus. Ausgerechnet Stoß, einer der besten Wiener Geigen- und Lautenmacher des 19. Jahrhunderts, hatte im Jahr 1809 diese Gitarre gebaut.

Betz, der schon mit zehn Jahren in der Werkstatt seines Vaters Karl seine erste Geige gebaut und die Raffinessen bei der Restaurierung kennengelernt hatte, der Leim, Schellack, Holz und Noten quasi in seiner DNA hat, machte sich mit seinem Vater ans Werk. Gemeinsam schafften sie es mit handwerklicher Kunstfertigkeit, der Gitarre neues Leben einzuhauchen.

Meister Sebastian Dalinger fertigte Instrument

„Die Gitarre hat einen himmlischen, obertonreichen Klang“, schwärmt Artur Betz. Wie er eben einem Martin Stoß entspricht. Der Meister hatte von Sebastian Dalinger (1735-1809), der Beethovens Dienstviola im Bonner Hofkapellen-Orchester fertigte, 1809 die Lizenz mit Werkstatt und Kundschaft in Wien übernommen, fand Betz heraus. Seine Aufmerksamkeit allerdings wurde nicht allein von den zwei „S“ im Bereich der Verzierung der Gitarre gefesselt, die ebenfalls auf Stoss als Urheber verwiesen. Vor allem grübelte Artur Betz über den Buchstaben „M“, der am Griffbrett eingraviert war. Zunächst ein Rätsel. Aber die Spur führte zu Beethoven.

Und mittlerweile ist klar: Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dieser Gitarre um ein Instrument, das im Umfeld Beethovens gespielt wurde – im Hause jener Frau, der der Komponist im Frühjahr 1810 einen Heiratsantrag gemacht hatte: der damals 18-jährigen Kaufmannstochter Therese Malfatti.

Beethoven war „immer in Liebesverhältnissen“, hielt Jugendfreund Franz Gerhard Wegeler für die Nachwelt fest. Aber das Genie heiratete nie. Und welche Frau betete er eigentlich an, als er „Für Elise“ komponierte oder seinen zehn Seiten langen Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ verfasste? Das Autograf mit der Widmung „Für Elise“ vom 27. April 1810 löste eine intensive Suche der Experten nach der Frau hinter diesem Klavierstück aus. Es wurden die Elisen und Elisabethen in seinem Umfeld „abgeklopft“.

Therese ist nicht aus dem Rennen

Auch Therese Malfatti nahmen die Experten in den Blick. Zumal Beethoven-Forscher Ludwig Nohl 1865 das Autograf mit handschriftlicher Widmung durch Beethoven in München bei Babette Bredl entdeckte, die angab, es über mehrere Ecken von den Malfattis erhalten zu haben. Nohl schloss zwar die Lesart „An Therese“ aus, aber andererseits hatte Beethoven sich Hoffnungen auf sie gemacht.

Forscher Max Unger stellte 1923 die Überlegung an, ob nicht Nohl falsch transkribiert hätte, habe es doch in der fraglichen Zeit keine Frau namens Elise in Beethovens Leben gegeben. Doch auch das wird teilweise anders gesehen. Therese jedenfalls ist nicht aus dem Rennen. Beethoven hatte sie durch seinen Freund Ignaz von Gleichenstein, der in der Familie Malfatti verkehrte und 1811 Thereses jüngere Schwester Anna heiratete, kennengelernt. Ihn bat er im April 1810, ihm doch Hemdenstoff und Halstücher zu kaufen, wohl, um sich auf Freiersfüßen ansehnlich darzubieten. Er beauftragte gleichermaßen einen Freund, ihm seine Geburtsurkunde zu besorgen. Zudem: Therese war die Cousine des Beethoven-Arztes Johann Baptist Malfatti.

Dem Rheinländer imponierte sie wegen ihrer Schönheit, ihrer Belesenheit, vielleicht auch wegen ihres Adelsstandes und wohl auch wegen ihres Könnens als Musikerin. Im Mai 1810 schrieb Beethoven an Therese: „Ich lebe sehr einsam und still … Ihr Klavier ist bestellt und Sie werden es bald haben …“. Therese habe das Zeug dazu, seinen „Harmonien einen Seufzer zu schenken“, so formulierte es Beethoven in einem Brief an Gleichenstein.

Ein Künstler verewigte Therese Malfatti auf einem Gemälde an einem Piano im familiären Kreis, im goldfarbenen Kleid, neben ihr eine Gitarristin, wohl ihre Schwester. Und diese hält ein Instrument in den Händen, mit den beiden Buchstaben „S“, das eben mit hoher Wahrscheinlichkeit jenes historische Saiteninstrument ist, das Artur und Karl Betz mit kunstfertiger Vorgehensweise zu altem Glanz gebracht haben.

Experten haben intensiv recherchiert

Michael Ladenburger aus dem Bonner Beethovenhaus geht nach intensiven Recherchen von einer Übereinstimmung mit großer Wahrscheinlichkeit aus, der Lautenist, Gitarrist, Komponist und Gitarrenexperte Vasily Antipov aus Frankfurt, der bei der Internationalen Lautenausstellung in Füssen seine Finger nicht mehr von dem Stück lassen konnte und es für seine Tourneen auslieh, ebenfalls. Ladenburger sagte beim ersten Anblick begeistert: „Ich erwartete nicht, so Wesentliches für die Geschichte Beethovens in Bad Honnef zu finden.“

Therese Malfatti soll Beethoven einen Korb gegeben haben – der Standesunterschied. Anfang Juni 1810 schrieb der Komponist an Gleichenstein: „Bin ich denn gar nichts als dein Musikus oder der anderen? Ich kann also nur wieder in meinem eigenen Busen einen Anlehnungspunkt suchen, von außen gibt es also gar keinen für mich.“ Freunde erfuhren: „Heyraths Partie hat sich zerschlagen.“

Beethoven, der Gigant, er blieb einsam. Nicht jedoch bei Karl Betz – der Bad Honnefer Künstler stellte den Bonner Komponisten als Porträtskulptur in eine Reihe mit anderen Größen der Kultur- und Weltgeschichte.