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Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf: Adenauers Jahreskarte für den Nürburgring

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus in Rhöndorf : Adenauers Jahreskarte für den Nürburgring

Teils sehr persönliche, teils historisch höchst bedeutsame Raritäten gab es bei der jüngsten Ausstellung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus unter dem Motto „Adenauer macht Köln mobil“ zu sehen.

„Das Jahr 1917 war für mich schwer, sehr schwer“, schrieb Konrad Adenauer an Silvester des Vorkriegsjahres in sein Tagebuch. Wenige Monate zuvor, im Alter von nur 41 Jahren, war er von der Kölner Stadtverordnetenversammlung zum damals jüngsten Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt worden – eigentlich, so sollte man meinen, ein Grund zum Feiern.

Doch rund ein Jahr zuvor war seine geliebte Ehefrau Emma mit gerade einmal 36 Jahren infolge einer Pilzvergiftung gestorben, Adenauer durchlebte eine private Krise.

„In jungen Jahren zu einer großen Stellung berufen, bin ich ein vielbeneideter Mann“, notierte der spätere Bundeskanzler in verschnörkelter Handschrift, „und dabei arm, bitterarm“. Und obwohl Adenauer sich vorgenommen hatte, von nun an regelmäßig seine Gedanken niederzuschreiben, sollte es bei diesem einen Eintrag bleiben. Denn das Tagebuchführen würde nie zu Adenauers großen Leidenschaften zählen.

Teils sehr persönliche, teils historisch höchst bedeutsame Raritäten gab es bei der jüngsten Ausstellung der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus unter dem Motto „Adenauer macht Köln mobil“ zu sehen. Mit der Ausstellung beteiligte sich die Stiftung am bundesweiten Tag der Archive, der in diesem Jahr unter dem Thema „Mobilität im Wandel“ stattfand.

„Adenauers Zeit als Kölner Oberbürgermeister steht nur selten im Fokus“, erläuterte Archivmitarbeiterin Melanie Binz, „dabei hat er gerade in diesen Jahren zahlreiche Verkehrs- und Strukturprojekte gefördert, die das Leben der Kölner maßgeblich beeinflusst haben.“ Eben dieser Lebensabschnitt sollte mit der Ausstellung beleuchtet werden.

Eines von Adenauers großen Prestige-Projekten war der Bau der zweiten Mülheimer Brücke. Es benötigte viel Überzeugungsarbeit, um den damaligen Stadtrat vom ursprünglichen Plan einer Pfeilerbrücke abzubringen und für eine moderne unechte Hängebrücke zu gewinnen. Adenauer habe sich mit einer knappen Mehrheit durchsetzen können, erzählte Binz und deutete auf eine Vitrine, in der Skizzen aus einem Briefwechsel mit dem zuständigen Architekten ausgelegt waren. An eine anliegende Stellwand war eine Ausgabe des Kölner Lokal-Anzeigers gepinnt, ein Sonderdruck „zur Weihe der Mülheimer Brücke“.

„Das war damals ein Riesenereignis“, kommentierte Binz. Und auch Fans des 1. FC Köln können ein Loblied auf den einstigen OB singen – denn Adenauer, auf dessen Initiative auch die Wiedergründung der Universität zu Köln, der Bau der Kölner Messe, die Erweiterung des Flugplatzes Butzweilerhof und die Ansiedlung der Ford-Werke zurückgehen, trieb die Umwandlung eines ungenutzten Streifens Land am Kölner Stadtrand zu einem Grüngürtel voran, in dessen Mitte ein großes Sportzentrum entstehen sollte – der „Sportpark Müngersdorf“.

Doch Adenauer machte nicht nur mobil, er war auch gerne selbst mobil. Bei einer exklusiven Archivführung hielt Archivmitarbeiter Holger Löttel für die Besucher einen besonderen Leckerbissen in die Höhe: den Jahresausweis Adenauers für den Nürburgring. „Dabei hat Adenauer nie einen Führerschein besessen“, sagte Löttel. Auch die Hinweise auf der Rückseite sorgten für amüsierte Mienen: „Der Nürburgring ist eine Einbahnstraße. Das Halten in den Kurven ist nicht gestattet.“

Ein besonderes Juwel lagerte tief im Keller des Archivgebäudes im Schriftgutbestand: Eine schriftliche Flugmeldung, auf den ersten Blick ganz unscheinbar. Ausgestellt „von Kapitän Ernie Pretsch“, „gutes Landewetter angesagt“. Als Flugziel jedoch ist Moskau eingetragen, als Datum der 8. September 1955.

„Das ist die Flugmeldung, die auf Adenauers Moskaureise ausgestellt wurde“, merkte Holger Löttel an und las aus den Gesprächsmitschriften, die exakt den Moment belegen, in dem der sowjetische Ministerpräsident Bulganin und Parteichef Chruschtschow ihr Ehrenwort zur Befreiung der deutschen Kriegsgefangenen gaben. Manchmal, das bewies die Ausstellung, braucht es nur ein kleines Blättchen Papier, um Meilensteine der deutschen Geschichte lebendig werden zu lassen.