Traditionshaus in Bad Honnef schließt: Abschied nach 138 Jahren

Traditionshaus in Bad Honnef schließt : Abschied nach 138 Jahren

Der Jahreswechsel ist eine Zäsur. In Bad Honnef trifft das auch auf die Entwicklung der Innenstadt zu: Mehrere inhabergeführte Geschäfte schließen zum Jahresende ihre Pforten.

Darunter ist auch ein Stück Bad Honnefer Wirtschaftsgeschichte: Uhren Stang. Nach 138 Jahren am Standort gehen in Kürze die Lichter aus in dem Traditionsunternehmen.

Inhaberin Heidi Stang fällt der Abschied sichtlich schwer. Was letztlich zu ihrem Entschluss geführt hat? "Das geänderte Kaufverhalten", lautet die Antwort der Uhrmachermeisterin. Beratung im Fachgeschäft, Kauf im Internet: Das sei leider immer häufiger der Ablauf. Bitterkeit schwingt mit in ihren Worten: Manchmal kämen Kunden, ließen sich beraten, wollten ein Stück "dann sogar fotografieren, ohne zu kaufen - als würden wir das nicht merken".

Was die Kunden nicht bedenken: Der Einzel- und Fachhandel leidet darunter - und das Geschäft rechnet sich irgendwann nicht mehr und muss schließen. Auf der anderen Seite seien da "die vielen Stammkunden", die dem Geschäft seit Jahrzehnten treu sind, sagt Heidi Stang: "Das tut gut."

Ihr Urgroßvater Friedrich Stang legte 1876 den Grundstein für das Familienunternehmen. Besser gesagt: den Grundstein in Bad Honnef. Denn schon der Vater von Friedrich Stang war Uhrmacher, führte als solcher ein Geschäft in Königswinter. Heidi Stangs Großvater führte ab 1911 das Geschäft weiter, ihr Vater schließlich ab dem Jahr 1953. Bereits als Fünfjährige schnupperte auch die heutige Inhaberin in das anspruchsvolle Handwerk hinein, schaute einem angestellten Uhrmacher zu, besserte später während der Schulzeit in der Werkstatt ihr Taschengeld auf.

Nach dem Abitur absolvierte sie die Uhrmacherausbildung - ein Jahr im elterlichen Betrieb, ein weiteres beim Uhrenhersteller Dugena - sowie die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Es folgte der Besuch der Meisterschule und der Abschluss dort. 1990 übernahm Heidi Stang das elterliche Geschäft, in vierter Generation in Bad Honnef und in insgesamt fünfter Uhrmachergeneration.

Bis Januar will sie noch weitermachen, das Geschäft abwickeln. Dann ist endgültig Schluss, und es steht auch für sie berufliche Neuorientierung an. Eine Weichenstellung für die Zukunft des Gebäudes samt Ladenlokal stehe noch aus, so die 52-Jährige.

Auch die Rathaus-Apotheke schließt zum Jahresende. Gegründet worden war die Apotheke am Markt 1968 von Katharina Koch. Nach dem Abitur auf Nonnenwerth studierte deren Tochter und heutige Inhaberin Claudia Assenmacher Pharmazie in Bonn, führte die Rathaus-Apotheke schließlich weiter. Nicht erst seit bekannt sei, dass sie schließe, erfahre sie viele Rückmeldungen, erzählt Assenmacher: "Viele Patienten kommen seit Jahrzehnten zu uns. Der persönliche Kontakt war mir immer besonders wichtig, ebenso das gute Miteinander im Team."

Zugleich habe die Belastung nicht zuletzt durch die Notdienste ihren Entschluss reifen lassen, sich nicht vom Beruf, wohl aber von der unternehmerischen Verantwortung zu verabschieden. "Es fällt mir schwer, das dürfen sie mir glauben", sagt die Apothekerin. Ihre Sorge gelte der Zukunft der vier teils langjährigen Kolleginnen. Was in dem Ladenlokal folge, sei offen.

Annähernd zwei Jahrzehnte gab es das Geschäft "Ars Vivendi": Auch Jürgen Kutter schließt am 31. Dezember. Mit dem Geschäft in Bad Honnef wagte der Antiquitätenhändler vor 18 Jahren den Schritt ins eigene Ladenlokal, spezialisierte sich auf Replikationen aus ausgewiesenen Familienbetrieben.

Vor etwa zehn Jahren kam als zweites Standbein die Ausrichtung von Veranstaltungen hinzu, wie bisher und weiterhin in Honnef sowie unterdes auch in anderen Kommunen wie etwa in Troisdorf. "Beides ist nicht mehr unter einen Hut zu bringen. Ich schließe mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so Kutter am Dienstag. Das Ladenlokal hat bereits einen Nachmieter gefunden, dort zieht demnächst ein Frisör ein.

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