Ehrenamt

Stefan Wallbröhl über seinen Einsatz im Zivilschutz

Rhein-Sieg-Kreis. Stefan Wallbröhl aus Bad Honnef ist Kreisbeauftragter des Technischen Hilfswerkes und damit einer von 500 Ehrenamtlichen, die sich im Rhein-Sieg-Kreis dieser besonderen Herausforderung stellen.

Manchmal ist analog Trumpf. Eine Person wird vermisst oder ist verschüttet. Ein Gebiet ist überschwemmt, ein Gebäude einsturzgefährdet. Die „taktischen Zeichen“ auf den laminierten Karten, die Stefan Wallbröhl vor sich ausbreitet, sind ein ganz eigener Code, „ähnlich einer Kurzschrift, Steno. Damit man kurz und bündig klar macht, worum es geht.“ Klar, digitale Technik ist Standard beim Technischen Hilfswerk (THW). „Das alles habe ich unter anderem auch auf Stick“, sagt der THW-Kreisbeauftragte zu den Informationen, die Lagekarten im Einsatz „lesbar“ machen. Was aber, wenn die moderne Technik den Dienst versagt? „Dann braucht es einen Plan B. Man muss auf alles vorbereitet sein“, so Wallbröhl. Beim THW ist an alles gedacht.

Man merkt schnell im Gespräch: Einen Großteil dieser für den Laien verwirrenden Symbole hat Wallbröhl sowieso verinnerlicht. Was das THW angeht, das wie Feuerwehren und Hilfsorganisationen Teil des Hilfeleistungssystems ist, ist er ein alter Hase.

Modernste Technik – und immer ein „Plan B“

Zu der dem Bundesinnenministerium unterstellten „nicht rechtsfähigen Bundesanstalt“, wie es etwas sperrig offiziell heißt, fand Wallbröhl bereits in der Jugend. 1984 stand für ihn nach der erfolgreichen Ausbildung zum Industriekaufmann die Festanstellung an. Und eine 18-monatige Zäsur durch den Wehrdienst wäre für den Ur-Honnefer, Jahrgang 1965, damit zur Unzeit gekommen.

Wallbröhl entschied sich für das THW – eine goldrichtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Die Technik, sagt er, begeistert ihn bis heute, „für mich auch ein toller Ausgleich zum Beruf. Und für das Leben lernt man auch“, wirbt er gerne für Nachwuchs in dem besonderen Ehrenamt. Der Wegfall der Wehrpflicht und damit des seinerzeit möglichen Ersatzdienstes beim THW habe durchaus für einen Nachwuchs-Knick gesorgt. Jedoch: Gerade über das technische Interesse gewinne das THW auch heute kontinuierlich neue Mitglieder. Losgehen kann es in der THW-Jugend theoretisch übrigens schon mit sechs Jahren, das Gros steigt etwa ab zehn Jahren ein. Ab 17 Jahren folgt zunächst die Grundausbildung, sodann mannigfaltige Fort- und Weiterbildungen.

Wie sie auch Wallbröhl durchlief. 1994 schließlich wurde er Ortsbeauftragter in Bad Honnef, eine Position, die er bis 2009 inne hatte. In diese Zeit fielen auch der Bau der neuen Unterkunft an der Quellenstraße und die Gründung des „Runden Tischs der Hilfsorganisationen“. Die Zusammenarbeit aller Mitglieder des Hilfe-Netzwerks ist ihm auch als Kreisbeauftragter ein besonderes Anliegen. „Und das klappt hervorragend, auf der örtlichen und überörtlichen Ebene“, sagt er nicht ohne Stolz. Wichtig auch: Die Unterstützung der Arbeitgeber wie in seinem Fall gegeben. Was aber, wenn in einem kleinen Betrieb zum Beispiel beide Gesellen zum Einsatz rasen müssen? „Dann finden wir Lösungen. Wir sprechen uns als Helfer ja auch ab, wenn Urlaube anstehen.“

Fachberater im Einsatzfall

Zwischenzeitlich war Wallbröhl zudem Mitglied des THW-Landesausschusses, ein beratendes Gremium aus ehrenamtlichen Orts- und/oder Kreisbeauftragten, die den hauptamtlichen Landesbeauftragten beraten. Vor sieben Jahren wurde der dreifache Familienvater und begeisterte Sportschütze bei den Bad Honnefer Sankt Sebastianus-Schützen THW-Kreisbeauftragter. Außerdem ist Wallbröhl THW-Fachberater, bedeutet, im Ernstfall berät er die jeweilige Einsatzleitung über die Einsatzmöglichkeiten des THW.

Als Kreisbeauftragter fungiert Wallbröhl zu allererst als Schnittstelle zwischen den Ortsverbänden im Kreis – Bad Honnef, Siegburg und Bornheim – und der Kreisverwaltung samt Einsatzleitstelle. „Jeder Ortsverband ist ja für sich autark“, sagt er. Über die Einsatzleitstelle wird das THW von den Behörden – und nur von diesen – bei Bedarf als technische Hilfe „berufen“, so lautet die offizielle Bezeichnung.

Ein Lotse, der die Strukturen kennt

Ein brennendes Haus droht einzustürzen und muss mit schwerem Gerät geöffnet werden. Ein Tanker havariert, Treibstoff tritt aus. Oder es braucht bei einer großen Einsatzlage Notunterkünfte und Sammelplätze. In all diesen Fällen steht das THW bereit – und der Kreisbeauftragte als eine Art Lotse, der die Strukturen kennt und sagen kann, wo die Spezialeinheiten sind und welche was kann. Ein Schlüssel-Schloss-Prinzip der technischen Hilfe. „Man rückt aus und weiß erst mal nie so genau, was einen erwartet“, sagt Wallbröhl.

Einsatz beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs

Beispiel: Die Gasexplosion 1989 in einer Eudenbacher Metzgerei. „Da war zum Glück gerade Kirmes im Ort und deshalb geschlossen“, erinnert er sich. Auch der Flugzeugabsturz in Überlingen am Bodensee 2002 und der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 waren einschneidende Erlebnisse, ebenso ein Hilfskonvoi nach Russland. Denn: Das THW ist nicht nur im Inland aktiv. Im Auftrag der Bundesregierung rücken die Mitglieder auch zu humanitären Einsätzen im Ausland aus. Was ihm am nachhaltigsten im Gedächtnis ist? Wallbröhl überlegt nur kurz: „Das war, als kurz hintereinander mehrere Kinder im Rhein ertrunken sind.“ Wenn es um Kinder geht, dann gehe es halt besonders nahe.

Was immer der Auslöser ist: Kaum dass der Pieper geht, greift ein Rädchen ins andere – ein exaktes Räderwerk, das sich schon am Organigramm ablesen lässt. So verfügt jeder der 668 Ortsverbände in Deutschland, die in 66 Regionalstellen und acht teils länderübergreifenden Landesverbänden sowie der THW-Leitung im Bund organisiert sind, über Zugtrupp und mindestens eine, sozusagen universelle Bergungsgruppe. Zusammen bilden sie die Basiskomponente eines THW-Zuges.

Je Ortsverband eine Fachgruppe

Hinzu kommen die Fachgruppen, pro Ortsverband eine. Die insgesamt 26 Fachgruppen-Typen sind bundesweit so verteilt, dass sie schnell an jedem Einsatzort verfügbar sein können. Beispiel: In Bad Honnef gibt es eine Fachgruppe „Wassergefahren“, zusätzlich Ausrüstung zur örtlichen Gefahrenabwehr „Hochwasserschutz“. In Siegburg heißt das Stichwort „Räumen und Sprengen“, in Bornheim „Beleuchtung“. „Das funktioniert wie ein Baukastensystem“, so Wallbröhl.

Was das THW, die Feuerwehren DRK und Malteser eint? Da sei vor allem die „Grundmotivation, helfen zu wollen“. Und: Ohne Ehrenamt wäre das alles undenkbar. Zwar hat das THW 800 Hauptamtliche auf Bundes- und Landesebene sowie in den Regionalstellen. Aber: Bundesweit sind 80.000 Ehrenamtliche aktiv. Alleine im Rhein-Sieg-Kreis stellen rund 500 ehrenamtliche Männer und Frauen sicher, dass die technische Hilfeleistung nach Buchstaben des Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetzes sichergestellt ist.