127,5 Tonnen

Schwertransport fuhr von Bad Honnef nach Bonn

Siebengebirge. Ein 127,5 Tonnen schwerer Großtransformator ist in der Nacht von Bad Honnef zum Bonner Hafen transportiert worden. Die mehrere Stunden dauernde Fahrt verlief nicht ohne Probleme.

Rückwärts ging es die Auffahrt hinauf, zügig, als gelte es einen Kleinwagen in eine riesige Parklücke zu steuern. Doch dann, als es fast geschafft, der 219 Tonnen schwere, 5,75 Meter hohe und 36,5 Meter lange Transporter (inklusive des riesigen Transformators) fast schon in Bonn war, passierte es: Das Gefährt war eingeklemmt zwischen zwei Verkehrsschildern. Hin- und her setzte der Fahrer, aber es brachte alles nichts: Erstmals an diesem Abend, kurz vor 1 Uhr, stockt der Konvoi aus Polizeiwagen, Hubsteigerwagen und Begleitfahrzeugen. Die "Parklücke" schien auf einmal zu klein.

Pünktlich hatte sich der Transport um 22 Uhr im Bad Honnefer Lohfeld auf die Reise gemacht. Im Gepäck: ein Großtransformator der Firma ABB, der zum Bonner Hafen transportiert werden musste. Jedes Stück ist eine Einzelanfertigung, besteht hauptsächlich aus Eisen, Kupfer und Öl und wiegt oft mehrere hundert Tonnen: Transformatoren für die Stromverteilung. 50 bis 60 dieser mehrere Millionen Euro teuren Giganten verlassen Jahr für Jahr das Werk der ABB Transformatoren GmbH in Bad Honnef, Teil des weltweit agierenden ABB-Konzerns.

So auch der Transformator, der in der Nacht zu Freitag auf die Reise ging und es laut Jan Löffler, Fachmann bei dem für den Transport zuständigen Unternehmen Victor Baumann GmbH & Co. KG, immerhin auf ein beachtliches Eigengewicht von 127,5 Tonnen bringt. Obwohl erfahren in jeder Art von Schwertransporten, stellte dieser Transport auch für die Baumann-Experten aus Bornheim eine besondere Herausforderung dar. Grund: Mehrere Transportwege fielen aus. Entsprechend ging es mitten in der Nacht von Bad Honnef aus erst durch das Schmelztal den Berg hinauf, um dann in Königswinter wieder gen Tal zu fahren. Dabei ging es teils auch über Dorfstraßen.

Fahrt auf dem Rhein nicht möglich

Aufgrund der Lage des ABB-Firmengeländes unmittelbar am Rhein werden Großformatoren häufig nicht umständlich mit Schwerlasttransporten durch die Republik gekarrt, sondern Richtung Norden geschifft. Abhängig sei die Wahl des Transportweges unter anderem von der Größe des jeweiligen Transformators, teilte ABB am Donnerstag auf Anfrage mit. Indes, so Löffler: Dieser Weg war im aktuellen Fall wegen des Niedrigwassers versperrt, "da ging gar nichts mehr".

Auch der direktere Weg über die B42 fiel aus. Zum einen ist die Drachenbrücke über der Königswinterer Altstadt bekanntermaßen wegen Schäden für Schwerlastverkehr über 44 Tonnen gesperrt - und schließlich bringt es der Transport sogar auf mehr als das vierfache Gewicht. Und auch die Tunnel Oberdollendorf und Königswinter stellten eine Barriere dar. Zwar sei die Maximalhöhe des Transportes von 5,75 Meter hydraulisch noch "auf 5,60 Meter absenkbar", so Löffler. Bei einer Tunnelröhre von unter fünf Metern reicht das aber noch lange nicht.

Ungewöhnlicher Landweg

Höhe und Gewicht des Transportes hätten allerdings auch andere Routen ausgeschlossen. So hätten bei einem "Umweg" etwa über Niederkassel und Birlinghoven Richtung Autobahn ebenfalls Brücken und Überfahrungen passiert werden müssen, die dies entweder weder in der Höhe oder vom zulässigen Gesamtgewicht her zugelassen hätten.

Entsprechend ging der Koloss am späten Donnerstagabend also auf einem eher ungewöhnlichen Landweg auf die Reise, wie auch Löffler sagt. Vorbereitung und Logistik hatten es in sich. Der Weg, den der Koloss nahm, barg so manche Herausforderungen. Vom Lohfeld aus ging es über die Drieschwegspange zur Linzer Straße, die entgegen der momentan wegen der Baustelle geltenden Einbahn befahren wurde. Dasselbe galt für die obere Hauptstraße; von dort ging es dann "geradewegs" in Richtung Schmelztal/L144. Über Himberg, Brüngsberg und Nonnenberg rollte der Schwertransport weiter Richtung Thomasberg und Heisterbacherrott, von dort nach Oberdollendorf und schließlich über die Cäsariusstraße zum Grünen Weg. Und bis dahin nur zufriedene Gesichter - alles lief reibungslos.

Am Grünen Weg in Oberdollendorf/Römlinghoven das nächste Problem: Auch diese Brücke ist für ein solches Gewicht nicht ausgelegt. Statt der geraden, nur wenige Meter langen Strecke, musste der Lastwagen einen "Umweg" über die B42 nehmen. Sprich: Der Transporter fuhr in Richtung Bonn auf die Bundesstraße auf, die für den Verkehr zu diesem Zeitpunkt bereits komplett gesperrt war. Mitarbeiter der federführenden Bezirksregierung entfernten die Mittelleitplanke, sodass der Transporter schließlich rückwärts die Ausfahrt Oberkassel in Richtung Königswinter wieder hinauffahren konnte und die Brücke somit "umschifft" hatte.

Schild kurzerhand entfernt

Doch die letzte Kurve der Ausfahrt hatte es noch mal in sich. Trotz aller Fahrkünste wollte es nicht passen. Zunächst probierten es die Helfer mit Ruckeln am Schild, doch auch wenn der Anhänger nun hindurch passte, der Winkel stimmte nicht. Schließlich griff man beherzt zum Expertenwerkzeug und entfernte kurzerhand das Schild, der Transporter setzte Quer über den Mittelstreifen zurück und man war wieder im Geschäft.

Weiter rückwärts dann bis zur Kreuzung am Mühlenbruch, ab da dann wieder vorwärts nach Oberkassel und weiter auf Bonner Stadtgebiet, über die Königswinterer Straße und den Landgrabenweg Richtung Anschlussstelle Bonn-Ramersdorf. Dort dann die nächste große Sperrung, denn die Südbrücke querte der Konvoi als "Geisterfahrer" auf der "falschen" Seite.

Über die Rheinaue und schließlich die B9 führte der weitere Weg, bevor man - wegen des ebenfalls zu niedrigen Koblenzer Tors - teilweise auf der Rheinparallele die Bonner Innenstadt erreichte. Nächste Herausforderung: der Bertha-von-Suttner-Platz. Denn hier mussten die Oberleitungen der Straßenbahn angehoben werden, damit der Transporter hindurch kam. Im Bonner Zentrum lief alles glatt und der Transport konnte seinen letzten Weg über Römerstraße und Werftstraße bis zur Zufahrt der Firma Bonner Hafenbetriebe GmbH auf sich nehmen, die er gegen 2.50 Uhr erreichte - lange, bevor der normale Verkehr wieder einsetzte.