Traditionelles Fußballturnier

Der Pott geht wieder ans Rhöndorfer "Bergvolk"

Prächtige Trophäe: Am Schluss heißt es 11:3 für die Sportler des Oberdorfes. Dort bleibt der Pokal nun für ein weiteres Jahr.

Prächtige Trophäe: Am Schluss heißt es 11:3 für die Sportler des Oberdorfes. Dort bleibt der Pokal nun für ein weiteres Jahr.

RHÖNDORF. Oberdorf gegen Unterdorf von Bad Honnef-Rhöndorf: Nach einer fairen Begegnung lautete der Endstand beim traditionellen Fußballturnier der beiden gegnerischen Ortsteams 11:3.

Extra fürs Jubiläum hatte sich das Bergvolk neue weiße Trikots angeschafft – mit der Ziffer„70“ als Rückennummer. Damit erinnerte die Mannschaft des Rhöndorfer Oberdorfs beim traditionellen Fußballspiel gegen das Unterdorf am zweiten Weihnachtsfeiertag an den Beginn dieser Tradition zu Weihnachten 1948. Die Muschelsucher vom Rhein indes liefen wieder mit ihren schicken „Weltmeister-vum-Rhing“-Trikots mit der Rückennummer „11“ auf. Das Ergebnis diesmal: Das Oberdorf lag bereits zur Halbzeit 6:1 in Führung. Und nach der Pause ließ sich die Mannschaft um Kapitän Patrick Baumgarten den Sieg im Jubiläumsspiel nicht mehr nehmen. Endstand: 11:3 für das Oberdorf, das den Pokal nun für ein weiteres Jahr beherbergt.

Zahlreiche Zuschauer waren gekommen, um diese 70. Auflage des Rhöndorfer Weihnachtsklassikers zu verfolgen – bei strahlendem Sonnenschein, aber Temperaturen um den Gefrierpunkt. „Wir haben schon bei ganz anderem Wetter gespielt – bei Schnee und Eis“, erinnerte sich Peter Käufer. Er ist Jahrgang '48. Als kleiner Junge sah er zu, wie damals diese Spiele noch auf dem Handballfeld am Steinchen, unterhalb der Felswand, stattfanden, immer nach dem Hochamt am zweiten Weihnachtsfeiertag. „Die Leute wollten sich bewegen – und so entstand die Idee zum Fußballspiel.“

Bis 2010 zusammen mit den Söhnen aktiv

Irgendwann lief Käufer selbst auf. Mehr als 40 Jahre war der 70-Jährige eine feste Bank des Unterdorfs. Bis 2010, als er mit beiden Söhnen Christoph und Sebastian in der „Elf“ stand, war er aktiv. Sohn Christoph ist heute der Kapitän. Ihm ist es vorrangig zu verdanken, dass sich das Unterdorf wieder berappelt hat. 2015 war Christoph als einziger „Flussanwohner“ gekommen und musste mit überzähligen Oberdörflern eine Mannschaft bilden. Diesmal? „Wir hatten nicht genug Trikots für alle Spielinteressenten.“ Und das sind immerhin 15 Hemden.

Zwar hatte das Oberdorf-Team nur neun Spieler am Start, aber gespielt wird mit fünf Feldspielern und einem Tormann. Reichte also. „Ich hätte gern gespielt. Aber weil ich nicht direkt vom Anpfiff an da sein konnte, hat mich Sportdirektor Baumgarten von vornherein aus dem Kader gestrichen“, ulkte Jochem Funke, der viele Jahre ein Leistungsträger des Oberdorfs war. „Jetzt drängt die Jugend nach.“ Funke war früher sogar im Kader der Ersten HFV-Mannschaft. Der 67-Jährige: „Hier dabei zu sein, ist eine innere Verpflichtung.“ Nur die dritte Halbzeit war früher spektakulärer, als es im Ort noch mehrere Kneipen gab. Diesmal wichen die Fußballer wieder zum Küfers Jupp aus, wo dann aus dem Stiefel auf Sieg oder Niederlage getrunken wurde. „Die alten Spieler erzählten uns dabei die Krätzjen aus früheren Zeiten“, erzählte Jochem Funke. Peter Käufer hat die Ergebnisse seit 1983 recherchiert. „21 Mal ging seither der Pokal an das Unterdorf. 15 Mal an das Oberdorf.“ Nun erhöhte das Oberdorf auf 16. Käufer: „Wir gehen davon aus, dass die Tradition noch viel älter ist.“

Nach sechs Jahren erstmals wieder dabei

Beim HFV in der ersten Mannschaft agierte einst auch Dirk Morys (51). Der gebürtige Unterdörfler verstärkte das Team in der ersten Halbzeit. Sohn Timo (22) hatte diesmal Premiere. „Diese Tradition muss gepflegt werden“, meinte Morys. „Zum 70-jährigen Jubiläum wollte ich auflaufen.“ Dann beobachtete er vom Spielfeldrand den Rest der Partie. Auch Karnevalist Jörg Pütz schaute zu. Sohn Carl stand im Team des Oberdorfs. Deniz Ekinci (39) agiert mit sechsjähriger Unterbrechung seit 1997 fürs Unterdorf. Zum Jubiläum war er wieder mit dabei. „Es ist super-spaßig. Früher wurde aber immer noch mehr ,beleidigt‘“, sagte er lachend.

Gepfiffen wurde die Partie wieder von Bernd Baumgarten, der nach 44 Jahren auf dem Platz vor drei Jahren in die Rolle des Referees wechselte und sein Amt des Spielführers an Sohn Patrick „vererbte“. Baumgarten: „Die Spieler sind alle sehr brav – eine spielerisch anspruchsvolle Begegnung.“ Geahndet werden Fouls übrigens nicht mit gelber oder roter Karte. Der Schiri hat vielmehr eine Schnapsflasche in der Tasche. Früher war das immer ein Korn, diesmal eine Williams-Birne.