Seven Mountains Music Night

Das Siebengebirge rockt

Qualmschwaden und beste Stimmung: Im Tubak brachten Dangerous Comfort die Besucher zum Tanzen,

Qualmschwaden und beste Stimmung: Im Tubak brachten Dangerous Comfort die Besucher zum Tanzen,

SIEBENGEBIRGE. Die siebte Ausgabe der Seven Mountains Music Night ist Geschichte. Vier Stunden sangen, spielten, rockten und groovten Dutzende Musikkünstler in Königswinter und Bad Honnef durch den Samstagabend.

Und das halbe Siebengebirge war auf den Beinen – konnte man zumindest angesichts der Massen, die mit dem roten Einlassbändchen ums Handgelenk durch die Straßen zogen, meinen. Grund genug, einmal diejenigen genauer unter die Lupe zu nehmen, die die Music Night jedes Jahr aufs Neue zum erfolgreichen Event machen: die Honnefer und Königswinterer Live-Musik-Freunde. Eine Betrachtung der sechs Zuschauertypen, die das Festival einmal mehr ausmachten.

Die Camper. Warum weiterziehen, wenn man gerade das vielleicht Beste erlebt? Bei so viel sanftem Gefühl, leidenschaftlichem Feuer und energischem Nachdruck, mit dem die Paul McKenna Band, das inoffizielle Zugpferd der diesjährigen Ausgabe, durch ihr Folk-Repertoire preschte, konnte man es den Zuhörern im Maritim-Hotel nicht verübeln, dass sie sich kaum loszureißen vermochten. Die fünf Schotten aus Glasgow, die mit Bodhrán, Flöte, Gitarre, Bouzouki und Geige schon vor einigen Jahren im Feuerschlösschen zu Gast waren, begeisterten dieses Mal in Königswinter. Ob „Indiana“, „Mother Nature“, „The Banks of the Moy“ oder die etlichen ekstatisch-wilden Tanzstücke – nicht wenige Gäste blieben, nachdem sie sozusagen ihr Zelt einmal vor der Bühne aufgeschlagen hatten, den Ausnahme-Folkern den gesamten Abend treu.

Die Nomaden. Auch die Alles-andere-als-Sesshaften bevölkerten das Siebengebirgsfestival. Ihre Devise lautete: In den vier Programmstunden so viele Künstler sehen wie nur möglich. Kein leichtes Unterfangen angesichts der 16 unterschiedlichen Musikstationen inklusive der drei Shuttlebusse, in denen das Akustikduo Second Movement, die Schlagersängerin Das Mariandl sowie Dad's Phonkey, das Ich-mache-alles-selbst-Projekt des Sängers Christian Padberg, den umherziehenden Besuchern die Fahrzeit versüßten. Weiter, immer weiter, die Programmübersicht in der Hand. Polkageist im Rheinhotel Loreley?

Abgehakt, schnell die Tomberger Straße hoch zum Hotel Krone, wo Kol Colé mit Klezmer, Tango und osteuropäischer Weltmusik aufwarteten. Dann mit dem Shuttlebus nach Rhöndorf zur Soul-und-Jazz-Meisterin Ulla Ihm. Und vielleicht noch ein Abstecher zu Music for the Kitchen im Café Nottebrock?

Die Pechvögel. „Überall, wo ich war, war gerade Pause“, amüsierte sich eine Besucherin über ihr eigenes Pech. „Viermal hintereinander. Und dann habe ich auch noch den Shuttlebus knapp verpasst.“ Glück hatte leider nicht jeder, ein kleines Risiko gehörte für die besonders Umtriebigen stets dazu – vier Stunden pausenlos durchzuspielen ist schließlich keiner Band zuzumuten. Doch auch für Unglückspilze war vorgesorgt: Während etwa die Eighties-Coverband Synpathics im Restaurant Rheingold an der Stadtbahn-Endhaltestelle verschnaufte, schallten Chill-House-Beats und Partytracks über den Vorplatz, auf dem sich eine gut gelaunte Meute die Zeit bis zum nächsten Liveauftritt vertrieb.

Die Genießer. Das Motto der musikalischen Gourmets lautete: Gute Bands muss man sich ganz entspannt auf der Zunge zergehen lassen. In der H&H-Weinwirtschaft in Königswinter nahm das Swingjazz- und Chanson-Duo „Marion & Sobo“ mit auf eine kleine, aber feine musikalische Weltreise. Ein entschlackter, lockerleichter Feel-Good-Auftritt – Sängerin Marion Lenfant-Preus im grünen Kleid, daneben Gitarrist Alexander Sobocinski, zusammen bezaubernd mit „Mas que nada“ und „Englishman in New York“, gefühlvoll und aufs Wesentliche reduziert. Und die Gäste saßen im Freien bei einem Glas Wein und lauschten durch die offene Tür – Musikgenuss pur.

Die Nebenbei-Hörer. Für sie lieferte die Musiknacht einen willkommenen Anlass, sich einen Abend lang in die hiesige Kneipen-, Restaurant- und Café-Landschaft zu stürzen. Beim Ayuntamiento am Honnefer Marktplatz bildeten die Samba- und Latin-Rhythmen des „Trio Bonn Brasil“ den Kontrast zu den kühlen Cocktails, die draußen in der Abendbrise geschlürft wurden, und vor dem Club Pseudonym an der Linzer Straße lachte eine Menschentraube, die Biergläser fest im Griff, während die süffig-entspannten Saxofon-Melodien von Soulful of Blues über den Gehsteig wehten. Drüben in Königswinter, in „Becker's Restaurant“, dröhnte derweil Drops rockt das Piano mit Metallicas „Nothing Else Matters“ durch die Gassen der Altstadt, während es sich die Gäste unter der Markise bequem machten.

Die Partytiere. Die besonders Feierwütigen hatten sich den Auftritt von Dangerous Comfort im Tubak rot im Programmheft angestrichen. Drinnen: dicke Luft, Qualmschwaden, aber umso bessere Stimmung, angestachelt vom mächtigen Bass und den harten Riffs. Lautstarker, handverlesener Eighties- und Nineties-Poprock; ob „So Lonely“ von The Police oder „Zombie“ von den Cranberries, jeder Song wurde zur Party, die Gäste jubelten, schunkelten, tanzten mit. Und die Bad Honnefer groovten bei der Freibadparty auf Grafenwerth mit „Funkymodo“ – der Name war Programm – stundenlang ab. Wer dann um Mitternacht noch immer nicht genug hatte, der schwang sich auf zur Aftershow-Party ins Maritim und feierte dort bis tief in die Nacht – der perfekte Ausklang für ein ebenso gelungenes wie vielseitiges Musik-Event.