Nachwuchs bei der Honnefer Feuerwehr

Das Gemeinschaftsgefühl zählt

Bad Honnef. Jugendwehren sind eine wichtige Nachwuchsschmiede – auch in Bad Honnef. Die Jugendwarte Patricia Wiesel und Marco Franz bilden zurzeit 34 Zehn- bis 18-Jährige aus.

Kleines Wort mit großer Bedeutung: Wenn Patricia Wiesel und Marco Franz über die Jugendfeuerwehr sprechen, spielt das „wir“ eine überragende Rolle. „Bei uns will niemand herausstechen“, sagt Patricia Wiesel schlicht.

„Wir sind alle zusammen ein Team“, ergänzt Marco Franz. Und das ist jetzt wieder komplett: Rückwirkend zum 1. Januar wurde Marco Franz zum stellvertretenden Stadtjugendfeuerwehrwart ernannt. Er ist nun rechte Hand Wiesels, ihres Zeichens Stadtjugendfeuerwehrwartin seit 2008. Mit Tim Baumgarten wurde zudem zum ersten Mal ein Jugendwart in Aegidienberg bestellt.

An der Feuerwache an der Selhofer Straße treffen Luzilda Sive (13), Tom Hartung (16) und Yannick Gisbertz (16) ein, stellvertretend für aktuell 34 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren in der Bad Honnefer Jugendfeuerwehr.

Die Gründe, warum sie sich für die Freiwillige Feuerwehr entschieden haben, sind unterschiedlich. Bei Luzilda kam der Kontakt über den Vater zustande, bei Yannick über einen Freund, „der hat mich dann auf eine Übung aufmerksam gemacht“. Und im Fall von Tom war es wiederum der Vater, der „mich einfach mal dahin gebracht hat. Und da bin ich hängengeblieben.“

Alle wollen später in die aktive Wehr

Gemeinsam ist den drei Jugendlichen, die sich mittlerweile zwischen einem und sechs Jahren in der Feuerwehr engagieren: Sie alle wollen dabeibleiben und mit 18 Jahren in die aktive Wehr einsteigen. „Jeder hat halt so seine Interessen. Und bei mir ist es eben die Feuerwehr“, erzählt Luzilda.

Der Idealfall, wie Wiesel und Franz wissen – wenn auch „bei den Mädels mit nur zweien bisher noch Luft nach oben ist“, so Wiesel. „Wir ziehen uns sozusagen unseren eigenen Nachwuchs heran. Das Gros in der aktiven Wehr kommt ja nach wie vor aus der Jugendfeuerwehr“, ergänzt Franz.

Die beiden sind dafür übrigens die besten Beispiele. Wiesel (40) trat 1991 in die Jugendfeuerwehr in Hennef ein. Seit ihrem Umzug 2000 nach Bad Honnef ist sie in der hiesigen Feuerwehr aktiv – und war damit die erste Frau bei der örtlichen Feuerwehr. Wiesel ist zudem Mitglied des Vorstands der Kreisjugendfeuerwehr.

Und auch Franz (39) startete früh in diesem besonderen Ehrenamt: als Zehnjähriger in der Heimatstadt Herdecke. Berufsbedingt zog er 2002 in die Bonner Region. Franz ist wie Wiesel im Konzern der Deutschen Telekom tätig. Nach Stationen beim Deutschen Roten Kreuz und beim Malteser Hilfsdienst stieß der Wahl-Bad Honnefer zur Feuerwehr. Mit dem Aegidienberger Tim Baumgarten eint den Oberfeuerwehrmann, dass er sich dabei als Betreuer der Jugendfeuerwehr engagierte.

Gekonnt kurvt Wiesel den feuerroten „Brummi“ aus der Halle. „Den Lkw-Führerschein habe ich vor fünf Jahren gemacht, ganz regulär“, kommentiert die Hauptbrandmeisterin den bewundernden Blick. Und: „Na ja, schon lustig, wie manche Lastwagenfahrer da gucken.“ Im vorliegenden Fall lenkt sie das Fahrzeug nur zu Demonstrationszwecken, versteht sich.

Übungen bereiten auf die Praxis vor

Fachmännisch machen sich Luzilda, Tom und Yannick an den Aufbauten zu schaffen. „Sie machen eigentlich alles, was die Großen machen – von der technischen Rettung abgesehen“, erklärt Wiesel. Gerätschaften wie der Spreizer, der etwa nach Autounfällen zum Öffnen eines Unfallwagens zum Einsatz kommt, sind für die Jugend aus Sicherheitsgründen und mit Rücksicht auf die körperliche Belastung noch tabu.

Also alles nur Theorie? Weit gefehlt. Die Jugendfeuerwehrleute sind auch praktisch sehr gefordert. „Und was man praktisch macht, prägt sich auch am besten ein“, so Wiesel. „Wir üben etwa Löschangriffe“, berichtet Tom, was bei den zweiwöchentlichen Treffen samstags ab 15 Uhr passiert.

Das zahlt sich aus, wie sich etwa bei der 24-Stunden-Übung im Oktober mit extrem anspruchsvollem Programm von der Ölspur über Mülleimerbrände und ein Feuer in einem Dachgeschoss bis zur Personenrettung über die Drehleiter zeigte. Die Jugendlichen lösten alle Aufgaben, die Wiesel und das Team ersonnen hatten, mit Bravour.

Gerätekunde I und II (Wiesel: „Zirkeltraining mal anders, dann müssen die Sachen halt an verschiedenen Stationen erklärt werden“), Atemschutzstrecke, Leistungsnachweis und Leistungsspange als höchstes Leistungsabzeichen für ein Mitglied der Deutschen Jugendfeuerwehr stehen auf dem Jahresprogramm.

Franz: „Wir wollen den Jugendlichen etwas zeigen, Interesse wecken. Zugleich bekommen sie ein gutes Basiswissen. Einem Mitglied der Jugendfeuerwehr muss man später nicht erklären, was ein C-Schlauch ist.“

Und von den Großen „gibt es dann auch einen Vertrauensvorschuss“, so Wiesel. Gemeinsam mit den Aktiven verbringen sie Freizeit etwa bei einer Tour im Mai. Im Mai geht es auch zum Jugendfeuerwehrtag ins Phantasialand.

Wichtiges Rüstzeug für Betreuer und Leitung sei der Jugendgruppenleiterlehrgang, der Pädagogik ebenso abdeckt wie Rechts- und Versicherungsfragen, aber eben auch Planung und Durchführung von Maßnahmen, berichtet Wiesel.

Was ist so attraktiv an der Jugendarbeit? Franz: „Ich bin quasi damit groß geworden. Und vielleicht auch immer ein bisschen Kind im Kopf geblieben.“ Und der Zusammenhalt, sagt Wiesel, sei eben ein besonderer – zuletzt noch gewachsen durch die gemeinsame Arbeit an einem Imagefilm, den Studenten der Internationalen Hochschule Bad Honnef gedreht haben.

Und die Jugendlichen? Klar, die Technik interessiert sie alle. Vor allem aber, sagt Tom, geht es „um Teamwork, um die Gruppe“. Da ist es wieder: das Wir.

Wer Interesse an der Jugendfeuerwehr in Bad Honnef hat, wendet sich per E-Mail an Patricia Wiesel, stjfw@feuerwehr-bad-honnef.de. Weitere Infos gibt es unter www.feuerwehr-bad-honnef.de