Langjähriger Jugendleiter geht

Andreas Roschlau prägte die evangelische Jugendarbeit in Bad Honnef

Bad Honnef. Nach 20 Jahren als Jugendleiter und Öffentlichkeitsbeauftragter der evangelischen Kirchengemeinde übernimmt der Theologe und Sozialpädagoge neue Aufgaben in Koblenz.

Am Sonntag, 3. September, wird sich die evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef im 10-Uhr-Gottesdienst von Jugendleiter Andreas Roschlau verabschieden. Hat er Bammel davor? Der 50-Jährige überlegt einen Moment. „Ein bisschen“, räumt er ein, und es mischt sich Wehmut in seine Stimme. Das gehe ihm schon jetzt so, „immer wenn ich etwas zum letzten Mal mache“. Was deutlich zeigt, wie schwer ihm die Entscheidung gefallen ist, nach 20 Jahren als Jugendleiter der evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef aufzuhören.

Doch es lockt die Chance als Jugendbildungsreferent im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland noch einmal etwas Neues zu machen, vielleicht noch mehr zu erreichen – „dieser Versuchung konnte ich nicht widerstehen“. Der Job scheint auf Roschlau zugeschnitten. Da ist zum einen natürlich die Jugendarbeit, da sind aber auch die anderen Schwerpunkte, die ihm so wichtig sind: Gerechtigkeit, Frieden, Bewahren der Schöpfung, Globalisierung.

Seine künftige Wirkungsstätte liegt in Koblenz, daher gehört auch die Vertretung von jugendpolitischen Interessen gegenüber der Landespolitik zu seinen Aufgaben. Er wird dann Kollegen bei der Arbeit unterstützen, Projekte initiieren und begleiten.

Bad Honnef bleibt der Lebensmittelpunkt

Sein neuer Job bedeutet für Roschlau auch, dass er künftig viel pendeln wird, denn sein Zuhause wird Honnef bleiben. Etwas Anderes erscheint auch schwer vorstellbar. Roschlau, seine Frau und die drei Söhne zwischen 23 und elf Jahren sind in der Stadt tief verwurzelt, in der evangelischen Gemeinde und in Vereinen. „Es ist immer ein bisschen wie ein Familienunternehmen“, sagt Roschlau und schmunzelt. „Die Familie hat immer mitgemacht.“ Für ihn ist das selbstverständlich, „ich bin einem Pfarrhaushalt großgeworden, bei uns war die Gemeinde immer zu Hause. Ich bin da also sozusagen reingeboren.“

Andreas Roschlau ist natürlich nicht „nur“ Jugendleiter. Er hat auch die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde auf ein professionelles Niveau gehoben. Und er ist Vorsitzender des Stadtjugendrings und war maßgeblich an dessen Entwicklung beteiligt – ob es um „R(h)einspaziert“, die Feriennaherholung oder die Offene Ganztagsschule geht. „Viele Sachen, die der Stadtjugendring macht, sind stetig gewachsen.“

Irgendwann habe man erkannt, dass das alles nicht mehr ehrenamtlich zu stemmen ist. „Daher haben wir 2012 auch entschieden, eine hauptamtlich geführte gGmbH zu gründen, die die Sparten Schulbetreuung und Offene Jugendarbeit mit den Häusern der Jugend unter ihre Fittiche nimmt.“ Der ehrenamtliche Stadtjugendring widmet sich weiter der verbandlichen Jugendarbeit. Doch auch diese Zeit ist mit dem beruflichen Wechsel vorbei, den Vorsitz gibt er ab.

Seine Arbeit macht mehr als eine Stelle aus

Die Regale in Roschlaus Büro im Keller des evangelischen Gemeindehauses – dank Hanglage mit Blick ins Grüne – sind ordentlich sortiert und übersichtlich. So wird vermutlich auch die Übergabe erfolgen. Denn Andreas Roschlau, der in Berlin und Bielefeld Theologie und Sozialpädagogik studiert hat, hinterlässt nicht nur ein gut bestelltes Feld, er hat sich auch bereits Gedanken darüber gemacht, wie es weitergehen soll. Wenn er davon erzählt, muss er lachen. „Ich fülle derzeit verschiedene Festplatten, damit meine Nachfolger jeweils alles vorfinden was sie brauchen.“

Keine Frage, Roschlau hängt an seinem „Lebenswerk“, auch wenn er das so nie sagen würde. „Als ich vor 20 Jahren als Schwangerschaftsvertretung angefangen habe, gab es einen Kindergottesdienst, viel mehr nicht.“ Seine Nachfolge wird in Form von 1,5 Stellen ausgeschrieben. Er sieht Honnef in der Jugendarbeit gut aufgestellt, „und wenn meine Nachfolger es anders machen, ist es auch gut. Wir haben glücklicherweise ein Presbyterium, das langfristig steuert und die Arbeit durch solide Finanzen sichert“.

"Kinder und Jugendliche sind die Kirche"

An der Bedeutung der Jugendarbeit zweifelt er keinen Moment. „Es heißt immer, die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft der Kirche. Ich sage: Die Kinder und Jugendlichen sind die Kirche.“ Er ist froh, dass die Presbyter hinter einer Idee stehen und auch bereit sind, das Projekt zu finanzieren, „selbst wenn sie noch nicht genau wissen, was dabei herauskommt“. Nicht zuletzt deshalb sei die Jugendarbeit in Honnef so erfolgreich. Die Jugendlichen haben eigene Räume, die sie selbst gestalten können. Sie entwickeln Konzepte mit und können sich jederzeit willkommen fühlen.

Und ganz wird die Gemeinde Roschlau ja auch nicht verlieren. Für das diesjährige Konfirmanden-Camp ist er noch einmal freigestellt. Man wird ihn im Gottesdienst sehen. Und dann ist da noch der Gemeindebrief. „Ich pendle ja viel in der Bahn. Da habe ich Zeit ihn zu layouten und habe so noch die Möglichkeit, im Hintergrund mitzuhelfen.“ Nach 20 Jahren – da geht man nicht einfach so ganz.