Sankt Pantaleon in Unkel: 25 Senioren von Schließung eines Seniorenheims betroffen

Sankt Pantaleon in Unkel : 25 Senioren von Schließung eines Seniorenheims betroffen

Die Betreibergesellschaft schließt zum Ende des Jahres das Seniorenzentrum Sankt Pantaleon in Unkel. Plätze werden gekündigt wegen einer ausstehenden Sanierung durch den Eigentümer. Ein Feuer sorgte Anfang des Jahres für große Schäden am Gebäude. Eine Neueröffnung ist geplant.

Der Schock sitzt tief bei den Bewohnern des Unkeler Seniorenzentrums Sankt Pantaleon und ihren Angehörigen: Keine zwei Monate mehr, dann stehen 25 pflegebedürftige Menschen buchstäblich auf der Straße. Die Betreibergesellschaft der Senioreneinrichtung, die Marienhaus Unternehmensgruppe, bestätigte dem GA, dass sie das Haus schließt.

Die 25 Pflegeplätze seien bereits zu Ende Dezember gekündigt. Auch für die 24 Mieter im betreuten Wohnen ist die Zukunft ungewiss. Zwar haben diese Mietverträge mit unterschiedlichen Kündigungsfristen. Wie und ob es überhaupt für sie weitergeht, steht aber infrage. Unwidersprochen hinnehmen will das dem Vernehmen nach kaum jemand. Die Sache wird wohl ein Fall für die Rechtsanwälte, ließen mehrere Angehörige gegenüber dem GA durchblicken.

„Wir sind nur Betreiber des Seniorenzentrums in Scheuren und haben den Pachtvertrag mit dem Eigentümer, der AviaFund Solution Services GmbH in Hamburg, zum 31. Dezember gekündigt“, sagte Heribert Frieling von der Marienhaus Unternehmensgruppe auf Anfrage des General-Anzeigers.

Feuer richtete enorme Schäden an

Zum Hintergrund: Das Gebäude gehört der AviaFund Solution Services GmbH, die Marienhaus Unternehmensgruppe hat es gepachtet. Dann kam der Großbrand vom 31. Januar 2018. Wie berichtet, richtete das Feuer enorme Schäden an – und die sind offenbar immer noch nicht beseitigt. Laut Frieling sind Teile des Hauses unbewohnbar. Bis heute seien die Schäden nicht vollständig behoben. Die Betreibergesellschaft habe darum die Reißleine ziehen müssen. „Entsprechend stellen wir zum 1. Januar den Betrieb in Scheuren ein“, so Frieling.

Warum dies ohne jeden Vorlauf geschehen musste, dafür hingegen fehlt den Betroffenen jedes Verständnis. So waren die 52 Angestellten und die 49 Bewohner sowie deren Angehörige erst am Montag in Kenntnis gesetzt worden. „Diese Vorgehensweise hat mich zutiefst erschüttert. Selbst wenn im Gegensatz zu den Pflegefällen nicht alle 24 Mieter zum Jahresende ausziehen müssen: Die alten Herrschaften waren geschockt und verzweifelt. Ich halte ein solches Vorgehen für einen christlichen Träger für unverantwortlich“, zeigte sich die Aegidienberger Juristin Krista Ulmen empört. Sie hatte eine Bewohnerin bei der Info-Veranstaltung am Montag vertreten.

Anstatt die Senioren und die Angestellten nur sechs Wochen vor Beendigung der Pacht vor vollendete Tatsachen zu stellen, hätte man sich spätestens Mitte des Jahres zusammensetzen müssen, um einen Ausweg zu finden, so Ulmen. Entsetzt reagierten auch Stadtbürgermeister Gerhard Hausen und Verbandsbürgermeister Karsten Fehr. Bei einem zweiten Termin für Bewohner und Angehörige machte Fehr dem Vernehmen nach keinen Hehl daraus. „Natürlich hoffen wir, dass es uns gelingen wird, für alle Beteiligten die Situation zu entschärfen“, so Hausen. Jedoch: „Der Eigentümer ist in den zurückliegenden Monaten seiner Verpflichtung, die Brandschäden zu beseitigen und alle Räume in einen bewohnbaren Zustand zu versetzten, nicht nachgekommen und hat keine Anstalten gemacht, dies in nächster Zeit zu tun. Da wir nicht das Gefühl hatten, dass sich an diesem Schwebezustand etwas ändern wird, haben wir den Pachtvertrag am 23.Oktober gekündigt“, so Frieling.

Mitarbeiter sollen in anderen Einrichtungen unterkommen

Was die 52 Mitarbeiter angehe, so sei man bemüht, eine Anstellung in eigenen oder benachbarten Einrichtungen zu finden. Pflegekräfte würden händeringend gesucht. Auch die 25 Bewohner der Pflege würden bei der Suche nach Alternativen unterstützt. Fehr: „Hier wird ja nicht ein Maschinenlager umgeräumt. Es geht immerhin um Menschen, die davon ausgegangen waren, ihren Lebensabend in Ruhe und Geborgenheit verbringen zu können. Diese Situation jetzt kurz vor Weihnachten ist höchst dramatisch“, so der VG-Chef. Plätze in der anfallenden Größenordnung gebe es nicht gerade wie Sand am Meer. Angehörige, die sich sofort auf die Suche machten, berichten von Wartelisten von bis zu zwei Jahren – selbst bei Kündigungsfristen für das betreute Wohnen von sechs bis neun Monaten ist ihnen also nicht geholfen.

Um die Situation der Mieter in den Häusern am Park müssten sich Eigentümer und Betreiber gemeinsam kümmern, so Fehr, damit die Rahmenbedingungen wie Essen, Telefon und Notruf, Strom, Heizung und Hausmeisterleistungen gewährleistet seien, solange diese Senioren noch in Scheuren wohnen würden. Den Betroffenen helfe auch wenig, dass es laut Eigentümer bereits Gespräche mit einem neuen Betreiber gebe, so Fehr; die Rede ist davon, dass ab September 2020 ein neuer Betreiber starten könne. Nicht zuletzt, so hieß es aus Reihen der Betroffenen: Auch ein neuer Betreiber könne erst loslegen, wenn saniert sei. Auch Fehr setzt offenbar wenig Hoffnung in das Verhandlungsgeschick des Eigentümers, dem es nach eigenem Bekunden schwer gefallen sei, in den zurückliegenden 21 Monaten Handwerker zu finden, um die Brandschäden zu beseitigen.

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