Festival in Königswinter und Bad Honnef: 2.000 Besucher kommen zur Seven Mountains Music Night

Festival in Königswinter und Bad Honnef : 2.000 Besucher kommen zur Seven Mountains Music Night

"7 Mountains Music Night" zum zehnten Mal – und zum Jubiläum gab’s an diesem einzigartigen Musik-Wochenende im Siebengebirge einige Überraschungen. Bereits am Freitagabend ging es los im Weingut Broel mit dem Kulturtreff.

Am Samstag dann tingelten auf den Straßen nicht nur Musikfans zum nächsten Lokal oder zur Shuttlebus-Haltestelle. Der Spielmannszug des TV Eiche war dabei erstmals als Marching-Band unterwegs. Die Eiche-Musiker erfreuten dabei nicht nur die Passanten mit ihrem Spiel, sondern steuerten auch die einzelnen Häuser des „7MMN“-Spielplans an.

Dicke Menschentrauben bildeten sich dann, so etwa vor Café Nottebrock, wo „White Album Project“ eine Pause einlegte für die Kollegen, die zur großen Freude von „7MMN“-Macher Helge Kirscht extra die „7MMN“-Titelmelodie einstudiert hatten.

TV Eiche als Marching-Band

Schließlich marschierten die Männer um Stabführer Benny Limbach auch zur Insel Grafenwerth, um die Besucher des Joan-Baez-Konzertes musikalisch zu verabschieden und eine Brücke zu bauen zwischen den Top-Ereignissen dieses Abends. Trotz dieser Weltstar-Konkurrenz herrschte in den 16 Kneipen und Restaurants in Bad Honnef und Königswinter 1.000-Volt-Musik-Atmosphäre.

Und selbst in den drei Shuttle-Bussen zuckten die Fans im Takt der Musik. Jedes Fahrzeug hatte einen Kracher an Bord. „Da kommt ,Dä Kölsche Cowboy‘, da fahren wir mit“, riefen Besucher an der Rheinallee, die nicht nur das Lokal, sondern auch die Stadt wechselten. Helge Kirscht zog ein positives Resümee: „Rund 2.000 Festival-Bändchen wurden verkauft, wie im Vorjahr“, sagte er am Sonntag beim Finale mit Straßenmusik in der Bad Honnefer Innenstadt.

Auch „7MMN“ kennt keine Grenzen mehr. Vier internationale Bands hatte Kirscht erstmals gewinnen können. Und welche Ehre fürs Siebengebirge: Barbara Chamberlin, die mit einer Hammer-Stimme in der Maritim-Bar glänzte, startete ausgerechnet in den sieben Bergen ihre Deutschland-Tournee. Kirscht: „Die kanadische Regierung übernimmt die Reisekosten. Wir sind stolz, dass Barbara Chamberlin zuerst bei uns auftritt.“

Nicht ganz so bequem lief es für Violinist und Sänger Agostino Aragno. Während seine vier Band-Kollegen von „Miramundo“ im Wagen gekommen waren, reiste er mit dem Zug aus Lissabon an – und irrte, mit Geige und viel Gepäck beladen, auf der Suche nach dem Auftrittsort seiner Truppe auf der Straße Auf Penaten herum, wo er glücklicherweise Karen Korth über den Weg lief, die ihn kurzerhand mit ihrem Auto an sein Ziel, das Haus im Turm, brachte. Später hörte sie dort mit Hans-Peter Giesen begeistert der Weltmusik dieser international bunt gemischten Band zu, die sich derzeit auf Europa-Tournee befindet.

Im Les Fleurs waren die Blumen beiseite geräumt worden. Dort war das britisch-deutsche Duo Willson-Piper am Werk mit Acoustic-Folk-Rock. Und der musikalisch vielseitige Marty Willson-Piper, früher Gitarrist der australischen Band „The Church“, mischte sich temperamentvoll mitten unters Publikum. Seine Frau Olivia stammt aus Bruchhausen – und war früher „7MMN“-Besucherin. Jetzt spielte die Geigerin selbst hier auf. In der Blauen Sau im Lohfeld, wo ab Mitternacht die Aftershow-Party stieg, bot die englische Gruppe „The Move-Ons“ modernen „Britpop“. Da ging die Sau ab. Die Band tritt bei großen Festivals auf. Und nun eben auch erstmals bei „7 MMN“ mit seinen Stationen in Bad Honnef und Königswinter.

In Bad Honnef leben Christian und Petra Klee. Die beiden hatten aber nur ein Ziel: das altehrwürdige Gasthaus Im Tubak in der Königswinterer Altstadt. Kaum waren sie durch die Tür, standen sie auch schon direkt vor der Band „Sam Cheanz & The Blue Denims“, zu deren heißer Rock’n’Roll-Musik die beiden auf zwei Quadratmetern herumwirbelten, sie im geblümten Petticoat-Kleid. Himmlisch! Auch Wolfgang Jost, Pressesprecher der Großen Königswinterer Karnevalsgesellschaft, hatte eine Menge Spaß: „Das ist meine Musik.“

Popklassiker zum Mitsingen

In der H&H Wein- und Bierwirtschaft am Rheinufer indes war Mitsingen angesagt zu den Popklassikern des Duos „Valentine“. Richard Kern, der letzte Drachenfels-Fotograf, saß indes gemütlich mit seiner Frau vor dem Kaufmannsladen, drinnen spielte „Kozmic Blue“, ein Janis-Joplin-Tribute-Trio. „Schön hier, das gefällt uns“, sagte Kern.

Zehn Jahre „7MMN“, zehn Jahre „Coincidence“: Das „Hardest-Working-Cover-Duo“ vom Niederrhein spielte im Traditionsgasthaus „Zum Küfer Jupp“ in Rommersdorf. Johnny Murkovic und Gerold Beirer gaben wirklich alles dort, von „Honky Tonk Women“ bis zu „Highway to Hell“. Und das war wirklich höllisch gut. „Es ist uns eine Ehre, hierher immer wieder eingeladen zu werden“, sagten die beiden, „wir fühlen uns hier sehr wohl, haben ein tolles Publikum.“

Nur eines hat sich geändert: Früher stand bei „7 MMN“ eine Traube von Menschen vor dem Haus an geöffneten Fenstern, jetzt musste alles dicht bleiben. Das Thema: Lärmbelästigung. Drinnen knubbelte es sich umso mehr. Und: Etliche kreuzten nach Joan Baez noch bei „Coincidence“ auf. Das Siebengebirge war im Musikrausch.

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