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Großer Zapfenstreich für ein kleines Kirchlein: 150 Jahre Sankt Anna-Kapelle in Rommersdorf

Großer Zapfenstreich für ein kleines Kirchlein : 150 Jahre Sankt Anna-Kapelle in Rommersdorf

Vor 150 Jahren bekam der Bad Honnefer Ortsteil Rommersdorf seinen "Dom". Mit dem "Großen Zapfenstreich" am Samstagabend machten die Musiker des TV Eiche und der Freiwilligen Feuerwehr Leubsdorf selbst dem Blutmond-Spektakel Konkurrenz.

Am Himmel spielte sich das Blutmond-Schauspiel ab – und auf der Erde in Rommersdorf war es mindestens genauso spektakulär. Ein Anblick zum Schwärmen: Die Anna-Kapelle war in die Farbe Lila getaucht. Der Anlass war das 150-jährige Bestehen der Kapelle, die liebevoll Anna-Dom genannt wird. Nach der Festversammlung im Weinhaus Steinbach zelebrierten der Spielmannszug des TV Eiche und der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Leubsdorf zu Ehren der heiligen Anna und der ihr geweihten Kapelle den Großen Zapfenstreich – als zweiten erst in Bad Honnef. Ein tolles Erlebnis, das so einige Zuschauer die totale Mondfinsternis total vergessen ließ.

Schon der Aufmarsch auf den Platz vor dem Rommersdorfer Wahrzeichen war ein Erlebnis für sich. Herbert Breuer, Rektor der Anna-Kapelle, hatte mit August Heinen, dem Vorsitzenden des Rommersdorf-Bondorfer Bürgervereins, auf einem Podest mit Anna-Dom-Blick Position bezogen. Vor ihnen die Feuerwehrleute, die mit Dirigent Gerd Weber auf die Männer vom TV Eiche mit Spielführer Benny Limbach warteten. Ein Raunen ging durch die dichte Zuschauermenge, als erste Spielmannszugklänge aus den angrenzenden Gassen zu hören waren.

Und dann tauchten sie auf – die Musiker, flankiert von 70 Fackelträgern – Schützen aus Bad Honnef und Königswinter, Karnevalisten. Kommandant Stefan Walter, Leubsdorfer Wehrführer, erstattete Meldung. Danach erklangen die für den Zapfenstreich typischen Musikstücke sowie das Lied „Großer Gott, wir loben dich“. Von wegen Zapfenstreich: Breuer lud danach auf den Kirmesplatz ein.

Hans Peter Mensing hält den Festvortrag

Die angestrahlte Kapelle, die Musik, die Fackeln – es waren Augenblicke für die Ewigkeit. Vielleicht werden sich bei der 175-Jahr-Feier Nachfahren ebenso an diesen Bildern erfreuen, wie die Teilnehmer der aktuellen Festversammlung an dem Film von 1993, der zum 125-jährigen Kapellen-Jubiläum entstand, als Kardinal Meisner in Rommersdorf weilte. Dass die Anna-Kapelle schon vor dem Bau den damaligen Erzbischof beschäftigt hatte, von Erzbischof Paulus Melchers 1871 konsekriert, von Kardinal Schulte besucht und in Kriegszeiten sogar Zufluchtsort für den berühmten Kardinal Frings wurde – daran erinnerte Hans Peter Mensing in seinem Festvortrag zur Geschichte der Anna-Kapelle.

Und Mensing versprach dem Publikum schon weitere interessante Erkenntnisse für kommende Jubiläen. Schließlich: 2019 wird die Eröffnung der Kapelle vor 150 Jahren gefeiert und gleichzeitig 25 Jahre Dienst Breuers als deren Rektor sowie 2020 das 140-jährige Bestehen des Bürgervereins, der mit der Anna-Kapelle so eng verknüpft ist wie der Mond mit der Erde.

"Sinnbild der Heimatverbundenheit“

„Die Anna-Kapelle ist Sinnbild der Heimatverbundenheit“, sagte Mensing. Unterlagen aus dem Nachlass der Kapellen-Stifterin waren aufgetaucht – so konnte der Historiker sogar Abbildungen des Original-Schreibens der Karola Odilia von Bongart an das Erzbistum zum Bauvorhaben zeigen. Mensing beschrieb, wie sich die Kapelle in den 150 Jahren auf das hiesige Leben auswirkte, obwohl sie ursprünglich als reine Privatkapelle für die betagte Mutter der Stifterin gedacht war.

Landrat Sebastian Schuster und Bürgermeister Otto Neuhoff wünschten, dass der Anna-Dom weiter so integrierend auf das gemeinschaftliche Dasein einwirkt. Pfarrer Bruno Wachten sagte: „Das eigentliche Herz der Stadt ist Rommersdorf. Die Kapelle ist das Zentrum, ein spiritueller Ort.“ Er wünschte, dass diese Lebendigkeit bestehen bleibt.

825. Messe im "Anna-Dom"

Am Sonntag zelebrierte er dann mit Rektor Breuer, Monsignore Wolfgang Bretschneider und Diakon Alfred Arz das Festhochamt anlässlich des Patronatstages. Es war die 825. Messe seit der Renovierung 1993, nicht eingerechnet Ereignisse wie Taufen, so Breuer. Breuer: „Wir sind eine sehr lebendige Gemeinde.“ Und die Anna-Kapelle sei eine Kirche, die „arbeitet“, kein Museum, sondern ein Ort, in dem die Menschen gemeinsam Gott näher kommen. Sein Dank galt allen, die daran Anteil haben, ebenso am Gelingen der Kirmes.

Nach dem Festzug wurde auf dem Anna-Platz denn auch weiter Kirmes gefeiert. Die hatte am Samstag Vizebürgermeister Peter Profittlich im Beisein vieler Gäste und der noch amtierenden Majestäten eröffnet. Gestern stand mit der Krönung der neuen Majestäten ein weiterer Höhepunkt an. Profittlich scherzte bei der Eröffnung: „Dass nach dem Zapfenstreich gestern Abend bereits mehrere Hundert Liter Bier geflossen sind, würde ich – mit den Worten von Herbert Breuer – als ein weiteres Anna-Wunder bezeichnen.“ Ein weiteres Wunder ist aktuell nicht zu erwarten: Heute endet die Kirmes mit dem Verbrennen des Kirmeskerls ab 18 Uhr.