Podiumsdiskussion: Schutz für das Stadtbild von Bad Neuenahr

Podiumsdiskussion : Schutz für das Stadtbild von Bad Neuenahr

"Welche Möglichkeiten haben wir, Schönes zu erhalten?" Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Versammlung in Bad Neuenahr. Fraktions- und Parteispitzen des Stadtrates diskutierten auf Einladung der Initiative "Lebenswerte Stadt" am Podium.

Viel Schönes ist in Bad Neuenahr verschwunden. Die Dependance Flora wich der Volksbank, das Palasthotel dem Platz an der Linde und aus dem Hotel Kaiserhof wurde ein Kaufhaus. Das alles ist mehr als 40 Jahre her, war meist dem Zeitgeist, aber auch technisch noch nicht vorhandenen Möglichkeiten und maroder Bausubstanz geschuldet.

Heute wird das bedauert. Heute sollen Gründerzeitensembles erhalten werden. Das wünscht sich nicht nur die Bürgerinitiative „Lebenswerte Stadt“.

Diese hatte im Vorfeld der Kommunalwahl Fraktions- und Parteispitzen des Stadtrates zur Podiumsdiskussion eingeladen. So hörten mehr als 100 Bürger am Dienstagabend als Einstieg einen Impulsvortrag des Düsseldorfer Fachanwaltes für Baurecht, Marian Klepper. Sein Credo: „Eine Erhaltungssatzung kann helfen, das Stadtbild und auch Quartiere zu schützen.“

Da waren sich die Diskutanten Christoph Kniel (CDU, Werner Kasel (SPD), Wolfgang Schlagwein (Grüne) Engelbert Felk (FWG), Rainer Jakobs (WG Jakobs), David Jacobs (FDP) und Wolfgang Huste unter Moderation von Constanze Falke von der Bonner Werkstatt Baukultur gar nicht so uneins. Denn die Doktorandin der Bauhaus-Universität Weimar wollte wissen: „Ist denn ein Wille für eine Erhaltungssatzung vorhanden?“

Kniel wies dazu auf die bestehende Erhaltungssatzung für die Ahrweiler Altstadt hin. Diese lasse sich jedoch nicht mit Bad Neuenahr vergleichen, denn der geografische Bereich der Zuständigkeit einer Satzung für Bad Neuenahr müsse geregelt werden. Er rechne in absehbarer Zeit mit einer Grundsatzentscheidung pro Satzung, nannte aber auch ein Problem: „2012 hat die Stadt dem Kreis und der oberen Denkmalbehörde 137 Objekte zur Prüfung benannt. Kein einziges wurde geschützt.“

Auf dem Weg zur Erhaltungssatzung

Das bestätigte auch Werner Kasel, sah die Stadt auf einem Weg zur Erhaltungssatzung für Bad Neuenahr, machte aber auch klar: „Wir haben 13 Stadtteile, die alle in den Fokus gerückt werden müssen.“

Wolfgang Schlagwein warnte indes: „Es gibt in der Stadt schon ganze Quartiere fast ohne Kinder.“ Damit brachte er den Milieuschutz als Aspekt einer Erhaltungssatzung ins Spiel. Mit Blick auf die Zusammensetzung der Bewohner erklärte der Grünen-Sprecher: „Fassaden sind wichtig, aber auch die, die hinter den Fassaden leben.“

Für Engelbert Felk ist der Wille zu einer Erhaltungssatzung vorhanden, „wenn er bezahlbar ist“. Für ihn geht es darum, Ziele klar zu definieren, die Bürger an Planungen zu beteiligen. Denn die Stadt gehöre den Bürgern, nicht Investoren. Daher sei bei Projekten Steuerung und Kontrolle wichtig.

Rainer Jakobs sah „viel Unfug“ in den vergangenen Jahrzehnten, appellierte, „eine liebenswerte Stadt zu erhalten“. Dazu gelte es, Werte zu erkennen und neu schätzen zu lernen. Es gelte immer wieder zu fragen: „Welche Möglichkeiten haben wir, Schönes zu erhalten?“

David Jacobs setzt auf Abwägen. „Wenn ein Haus noch so schön aussieht, kann es hinter der Fassade dennoch marode sein.“ Er sah Konsens im Rat zu einer Erhaltungssatzung für Bad Neuenahr, warnte aber gleichzeitig vor Eingriffen in Privateigentum. Daher müsse jedes Projekt auf den Prüfstand. Einen Paradigmenwechsel forderte indes Wolfgang Huste: „Erst die Stadt, dann das Geld.“ Große Grundstücke sollten nur in Erbpacht vergeben werden, damit die Stadt „ihr Tafelsilber nicht verschleudert“.

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