Weingut Peter Kriechel: Schützenkönige machen Ausbildung in Walporzheimer Weingut

Weingut Peter Kriechel : Schützenkönige machen Ausbildung in Walporzheimer Weingut

Zwei amtierende Schützenkönige, ein Sauerländer und ein Ahrtaler, wollen Winzer werden und lernen den Beruf an der Ahr: Die beiden jungen Männer absolvieren ihre Ausbildung im Weingut Peter Kriechel in Walporzheim.

Nicht genug damit, dass das Walporzheimer Weingut Peter Kriechel mit drei Trauben im Gault Millau Weinguide seit ein paar Jahren in den oberen Ligen der Ahr mitspielt was die Qualität betrifft. Jetzt greifen dort auch königliche Hoheiten zur Rebenschere, machen sich die Hände schmutzig und schrubben die Fässer aus. Es handelt sich um Martin Graf aus der Kreisstadt und Fabian Pitt aus Wulmeringhausen im Sauerland: Beide sind Schützenkönige und beide erlernen bei Kriechel den Winzerberuf.

Gewohnt ist man es an der Ahr ja, dass Weinmajestäten mit anpacken, vor allem, wenn es um die Lese geht. Da zeigt sich auch eine Ahrweinkönigin oder gar eine Deutsche Weinkönigin nicht zimperlich. Schließlich wachsen die jungen Frauen mit den Weinbergen ihrer Familien auf.

Da ist es mit dem Sauerländer schon etwas anderes. Im Gegensatz zu Ahrweiler, wo immer der Wein dabei ist, wo die Schützen eigene Wingerte besitzen und bearbeiten, damit Nachschub da ist für Geselliges, kennt Fabian Pitt zünftige Schützenfeste, bei denen Bier eine große Rolle spielt. „Aber mittlerweile sagen die Kameraden schon, ich soll Wein mitbringen, wenn ich nach Hause komme“, berichtet der Azubi im zweiten Lehrjahr zufrieden.

Aufgewachsen ist er in Düsseldorf, wo er auch Abitur gemacht hat. Sein Vater stammt aus dem Sauerland, besitzt dort ein Hotel-Restaurant. Und er betreibt eine große Weinhandlung, die auf französische Weine spezialisiert ist. Folglich gehörten Besuche bei der internationalen Fachmesse ProWein in Düsseldorf zum Jahresprogramm für den Vater und später auch für den Sohn.

Der war nach dem Abitur noch weit weg von dem Gewächs, das die Römer hier heimisch gemacht haben. Fabian Pitt entschied sich zunächst für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in einer Düsseldorfer Bio-Station. „Da habe ich gemerkt, dass ich gern draußen und mit den Händen arbeite“, war sein Fazit. So schnupperte er über die Beziehungen des Vaters in einem Weingut an der Mosel in den Winzerberuf hinein. „Ja, das wäre doch was“, endete der Praxistest.

Die Dame im Düsseldorfer Jobcenter war verdutzt über den Berufswunsch. Sie hatte noch nie in eine Winzerlehre vermittelt. Pitt probierte die Suche über ein Bewerbungsportal der ProWein und erhielt 70 Angebote, darunter das aus Walporzheim. Auf der ProWein führte er schließlich die Bewerbungsgespräche, das mit dem Weingut Kriechel war das letzte, sagt er lachend. Dem folgte eine Woche Probearbeit an der Ahr und dann stand für den Sauerländer/Düsseldorfer fest: „Es passt. Es muss ja auch vom Menschlichen her passen.“

Fabian Pitt denkt schon über die Zukunft nach

Mittlerweile ist er im zweiten Lehrjahr und denkt wieder über die Zukunft nach. Vielleicht Israel oder Chile, Länder, die nicht so im Trend liegen. Bis dahin ist der Ahrwein die Nummer eins für Fabian Pitt, der einem kräftigen Spätburgunder Barriquewein den Vorzug gibt, dem „Spätburgunder B“ der Kriechels, der auch im Berliner Schloss Bellevue des Bundespräsidenten ausgeschenkt wird, wie Pitt berichtet.

Der Königsschuss in Wulmeringhausen fiel etwa gegen Ende des ersten Lehrjahrs in Walporzheim, und die Amtszeit als Schützenkönig geht noch bis zum 1. August dieses Jahres. Jetzt nimmt Pitt auch Wein von der Ahr mit zum Schützenfest im Sauerland. Dass ein Sauerländer Winzer wird, habe dort für Aufmerksamkeit gesorgt, berichtet er. Seine Devise heißt mittlerweile: „Bier ist zum Durstlöschen da, Wein zum Genießen.“

Anders sein Azubi- und Schützenkollege Martin Graf. Mit seinen 15 Jahren darf er weder an Bier noch an Wein heran, geschweige denn mit dem Karabiner schießen. Er hat seine Würde als Aloisius-Schützenkönig 2017/2018 mit dem erfolgreichen Schuss mit der Armbrust auf den Holzvogel errungen. Erste Erfahrungen hatte er einst mit einer Kinder-Armbrust gemacht. Seine Familie besitzt Weinberge und liefert das Lesegut zum Weingut Kriechel. Während seines letzten Schuljahrs hat Martin dort im Rahmen eines Projekts der Schule jeden Mittwoch Praktikum gemacht und sich schließlich für die Lehre beworben. Rebschnitt, Traubenlese, Verteilen von Kompost im Weinberg sind ihm schon vertraut. Er darf auch restliche Hefe aus Fässern schrubben, mit Wein belegte Fässer auffüllen und lernt die Maschinen des Winzerbetriebs kennen. Aber die „Königsdisziplin“ des Weinmachens ist ihm noch verwehrt: das Probieren.

Seite an Seite lernen der 15-Jährige und der 25-Jährige im Weingut Kriechel, und jeden Tag, wenn sie durch das Flaschenlager laufen schwebt über ihnen der Königsvogel, der Markus Kriechel 2004 die Würde eines Junggesellen-Schützenkönigs in Ahrweiler gebracht hat. Markus Kriechel hat den Rumpf des Holztiers wieder verklebt und damit die Wunden geheilt, und so kann sich jeder davon überzeugen, wie Wein und Schützenwesen an der Ahr prächtig miteinander harmonieren.