Nürburgring: Sanierer wollen Region die Angst nehmen

Nürburgring : Sanierer wollen Region die Angst nehmen

Wenn Thomas Schmidt über die Zukunft des Nürburgrings nachdenkt, dann hat er ein Szenario vor Augen: "Am liebsten würde ich am Ende des Verkaufsprozesses zu Ministerpräsidentin Dreyer nach Mainz fahren, ihr einen Scheck hinlegen und sagen: Wir haben alles reingeholt, was das Land am Ring investiert hat."

Doch der Sanierungsgeschäftsführer des Nürburgrings weiß selbst, dass dies nicht realistisch ist. "Es wird eine Wertdifferenz geben zwischen den Investitionen des Landes und dem, was aus dem Verkaufsprozess zurückfließt", sagt Schmidt an diesem Donnerstag bei einem Pressestermin am Ring.

Diese Wertdifferenz sei "der Betrag, auf dem der Steuerzahler sitzen bleibt". Was das in Zahlen bedeutet, ist noch nicht absehbar. Von 330 Millionen Euro, die das Land in den Freizeitpark am Ring investiert habe, ist in Mainz die Rede. Im EU-Beihilfeverfahren in Brüssel wird eine Summe von rund 450 Millionen geprüft. Doch der Betrag, der mit dem Ring erlöst werden könnte, dürfte niedriger liegen.

Ein Gutachten schätzte den Ertragswert im Oktober auf 77 Millionen Euro, im Insolvenzbericht ist von 98 Millionen die Rede. Wie viele Interessenten für den Ring es gibt, wollen Schmidt und Sachwalter Jens Lieser nicht sagen. Doch die Region brauche sich keine Sorgen zu machen, dass ein Investor den Ring schließen und die Rennstrecke nur noch als Privatvergnügen nutzen wolle.

[kein Linktext vorhanden]"Touristenfahrten, Tests der Industrie sowie der Motor- und da vor allem der Breitensport sollen weiter eine große Rolle spielen", betont Lieser. Schmidt fügt hinzu: "Wenn ich ein reines Renditeobjekt mit jährlich satter zweistelliger Gewinnmarge will, wie es zum Beispiel bei Finanzinvestoren der Fall ist, dann kaufe ich nicht den Nürburgring."

Sie nähmen die Ängste in der Region sehr ernst, sagt Schmidt. "Aber ein neuer Investor bedeutet auch gleichzeitig eine neue Chance für die Menschen und die Wirtschaft in der Region. Gerade dann, wenn dieser neue Ideen und Impulse geben kann, die zu mehr Besuchern führen."

Michael Sattler, Vorsitzender des Vereins "Freunde des Nürburgring", hatte jüngst "für eine langfristige Lösung plädiert und nicht für eine, "die am Anfang das meiste Geld bringt". Das aber ist nicht der Weg der Sanierer: Der Ring müsse nach den EU-Vorgaben offen, transparent und bedingungsfrei verkauft werden. Das heißt: Eine ausschließliche Orientierung am Gemeinwohl könne es nicht geben.

Nach den Querelen zwischen Land, den früheren Pächtern und der Region sehen Schmidt und Lieser den Ring auf gutem Weg. Für 2013 rechne die Betriebsgesellschaft mit einem Umsatz von 55 bis 60 Millionen Euro. "Wir werden keine Verluste machen", zeigt sich der Sachwalter sicher.

Trotz der Insolvenz sei keine Großveranstaltung abgesagt worden. "Der Nürburgring lebt, die Veranstaltungen laufen so, wie wir uns das wünschen", unterstreicht Schmidt. Auch für 2014 seien alle ADAC-Veranstaltungen gesichert, es sei denn dem Club, der selbst einer der Interessenten ist, passt der künftige Betreiber nicht. Davon gehe man aber nicht aus.

Viele anerkennende Rückmeldungen habe es vor allem nach dem Formel-1-Wochenende gegeben. Die Anklage gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone werde keine Konsequenzen im Blick auf ein Rennen am Ring 2015 haben.

Ein besonderes Augenmerk haben die Sanierer zuletzt auf die Baumängel gelegt. Von Schimmelpilzbefall an diversen Stellen war die Rede, im Lindner-4-Sterne-Hotel sind sie inzwischen genauso beseitigt wie im Steak- und Brauhaus in der "Grünen Hölle".

Auf eigene Kosten habe der Generalunternehmer die Schäden beseitigt, sagt Fachanwalt Paul Henseler, "das sogar drei Wochen vor der Zeit". Dort, wo sich bis vor wenigen Wochen noch die Toiletten der Event-Arena befanden, wird aber noch kraftig gewerkelt. Wer die 500 000 Euro für die Schimmelsanierung bezahlt, ist allerdings noch unklar.

Weder der Generalplaner noch der Rohbauunternehmer wollen tätig werden. Für Henseler, der in der Trierer Kanzlei von Sanierungsgeschäftsführer Schmidt tätig ist, dient die Beseitigung der Mängel einem Ziel: "Wir wollen dem Investor ein vernünftig bestelltes Haus übergeben."

Der Verkauf soll schließlich so viel Geld bringen wie möglich - auch wenn der Scheck für Malu Dreyer nicht so dick ausfällt, wie Schmidt sich das wünscht.