Kontroverse Aktionärsversammlung der AGBN: Rote Zahlen zum Jubiläum

Kontroverse Aktionärsversammlung der AGBN : Rote Zahlen zum Jubiläum

Eigentlich hätten die Anteilseigner der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr (AGBN) am Dienstag in Jubiläumslaune sein müssen. Schließlich war es die 150. Hauptversammlung der AGBN, die im 157. Jahr des Heilbades im großen Kurhaussaal über die Bühne ging.

Doch Kartoffelsuppe passte eher zur finanziellen Lage des in Insolvenz in Eigenregie befindlichen Traditionsunternehmens. Da war die Bockwurst dazu schon Jubiläumsgabe und Stärkung, um die achtstündige Versammlung durchzuhalten.

Diese begann Aufsichtsratschef Otto L. Adelberger mit einem Paukenschlag. Denn er verkündete den Rücktritt seines Stellvertreters Peter Schnellke, sah sich auch selbst nicht in der Lage, die Versammlung zu leiten. Grund: ein schwebendes Verfahren gegen ihn als Mitglied der 54 Prozent der Aktien haltenden Interessengemeinschaft (IG) wegen zu wenig geforderter Pacht für die Räumlichkeiten der Spielbank. Das machte schließlich gegen den Protest von Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, der gestern 3,5 Prozent der Aktien vertrat, der Stuttgarter Anwalt Volker Schwarz. Strittig war dabei, ob dies mit der Satzung konform gehe.

Unstrittig ist hingegen, dass die AG Bad Neuenahr den Schaden, der durch die von ihr zu niedrig von der Spielbank geforderte Miete entstanden sein soll, von den Verantwortlichen zurückfordert. Da geht es nach einer Sonderprüfung laut Wirtschaftsanwalt Norbert Knüppel um Millionenbeträge, denn die Miete der vergangenen Jahre habe nur etwa der Hälfte des angenommenen Wertes betragen.

So stehen Schadensersatzansprüche gegen die IG-Mitglieder in Höhe von 3,18 Millionen Euro, gegen die IG selbst in Höhe von 1,4 Millionen Euro sowie gegen die früheren Vorstände Hans-Ulrich Tappe (1,05 Millionen Euro) und Gerd Zimmermann (589 000 Euro) auf dem Prüfstand. Noch offen ist, ob es auch Forderungen gegen den aktuellen Vorstand Christoph Reinicke gibt.

Es war ohnehin eine Veranstaltung der Forderungen. So will Reinicke juristisch klären lassen, ob der Kreis Ahrweiler 1,9 Millionen Euro Spielbankabgabe an die AG zurückzahlen muss. Der Kreis hatte diese Forderungen verneint. Von Versammlungsleiter Volker Schwarz abgewiesen wurde zum Finale der Versammlung die von Detlef Koch für die Stadt vorgetragene Forderung, Reinicke das Misstrauen auszusprechen.

Da diesem zuvor mit den Stimmen der IG (22 120 Ja, 12 357 Nein, 231 Enthaltungen) aber Entlastung erteilt worden war, sah Schwarz "eine solche Abstimmung als rechtsmissbräuchlich" an. Von Forderungen an das Unternehmen berichtete Reinicke den Aktionären. So betragen die Verbindlichkeiten aktuell rund zwölf Millionen Euro. Dies bei einem Immobilienbesitz von rund 28 Millionen Euro.

"Bis zum 30. November soll ein Insolvenzplan stehen", erklärte Reinicke, der trotz des in 2014 eingefahrenen Minus von 1,5 Millionen Euro Zuversicht verbreitete, dass dann über Insolvenzverwalter Jens Lieser aus Koblenz "Handwerker und Unternehmen ihr Geld bekommen".

Mit Dienstleistungen im Bereich der Gesundheitswirtschaft soll dann der "Neustart gelingen", auch wenn die Satzungsänderung gestern scheiterte. Denn die Stadt hatte sich enthalten und so gab es nicht die erforderlichen 75 Prozent im Subtraktionsverfahren. "Ein Missverständnis bei der Abstimmung", so Volker Schwarz, der für den Rest der Versammlung ins Additionsverfahren wechselte, bei dem Enthaltungen nicht zählen.

Markus Neumann forderte, den Zwist von AG und Stadt zu beenden. Und Reinicke erklärte zum Heilwasserstreit in Richtung Stadt: "Verkaufen Sie das Wasser hier, wir machen's international."

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