Rheinische Redensarten: Ne Hals wie ne Senkschach - drüsch wie en Zementtütt

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Ne Hals wie ne Senkschach - drüsch wie en Zementtütt

Heute gibt es ein Kölsch auf Krankenschein. In dieser Folge „Rheinische Redensarten“ steht ein trockener Hals und das Durstgefühl im Mittelpunkt. Prost!

Es ist allgemein bekannt, dass für den Rheinländer Durst schlimmer ist als Hunger. Das kann für ihn in eine regelrechte Glaubenskrise führen, wenn er nämlich glauben muss, dass er nichts mehr zu trinken bekommt... Denn Kölsch ist mehr als ein Getränk. Und wer einmal mit einer Baukolonne unterwegs war, weiß, dass es eher als Grundnahrungsmittel denn als Feiertagsgenuss gilt.

Deshalb ist es fast schon unverständlich, dass es nie - wie es etwa für das Bundesland Bayern behauptet wird - entsprechenden Eingang in die Gesetzgebung gefunden hat. Ein angemessener Ausdruck seiner Relevanz ist aber die rheinische Redensart: "Ne Hals wie ne Senkschach - drüsch wie en Zementtütt."

Der Satz muss freilich für die Zugezogenen sehr sorgfältig ins Hochdeutsche übersetzt werden. Da hieße es wohl am ehesten: "(Ich habe) einen Hals wie einen Senkschacht - so trocken wie ein Sack Zement." Hier ist ganz sicher eine Einzelbetrachtung nötig. Wir fangen mal an mit dem Senkschacht, der ein Fachausdruck aus dem Baugewerbe ist und landläufig Sickergrube mit Drainage genannt wird. Der Hals wird also verglichen mit einem Schacht, der der Entwässerung dient. Es fließt etwas hindurch und ist dann weg. Dieses Sprachbild kommt der Funktionsweise des menschlichen Halses schon sehr nahe. Und ist die Flüssigkeit erst hindurchgeflossen, dann breitet sich in dem Schacht schnell Trockenheit aus. Und zwar so lange bis sie so extrem ist, dass man sie nur mit einer Zementtüte vergleichen kann.

Bekanntlich ist es dem Zement gar nicht zuträglich, feucht zu werden, weil er dann in Nullkommanix abbindet und hart wie Beton wird. Wenn das ungewollt passiert und er nicht gleich sinnvoll verarbeitet wird, ist er ganz schnell unbrauchbar.Aber so schön die Geschichte auch ist, darum geht es hier nicht. Vielmehr soll die extreme, kaum steigerbare Halstrockenheit und damit verbunden der Riesendurst in Worte gefasst werden. Und tatsächlich ist es ja so, dass man drei Wochen ohne Nahrung überleben kann, aber nur drei Tage ohne Flüssigkeit. Insofern verschreiben wir hier und heute mal ein Kölsch auf Krankenschein.