Rheinbacher informieren sich über Flüchtlinge: Raetz: Druck wird nicht nachlassen

Rheinbacher informieren sich über Flüchtlinge : Raetz: Druck wird nicht nachlassen

Der Zeitplan ist eindeutig und eng getaktet: Erst steht die Prinzenproklamation am Samstag, 21. November, in Queckenberg auf dem Programm, bereits einen Tag später bereiten die Mitarbeiter des Baubetriebshofs alles dafür vor, die Mehrzweckhalle in dem Rheinbacher Höhenort in eine provisorische Bleibe für Flüchtlinge zu verwandeln.

Bevor die bis zu 40 Schutzsuchenden ab Montag, 30. November, in der Halle unterkommen, lädt Bürgermeister Stefan Raetz zur Bürgerinformation ein. Unter welch enormen Druck die Stadtverwaltung in Sachen Flüchtlingsunterbringung steht, machte der Christdemokrat gestern Abend bei einer Bürgerinformation in der Rheinbacher Stadthalle deutlich. Das Interesse war groß. 500 Stühle hatte die Stadt aufgestellt - nur sehr wenige davon blieben leer.

Zahlen, die manchen Zuhörer im Saal in ihrer Dimension hörbar verblüfften, präsentierte Raetz. Nach neuesten Statistiken des Landes sind allein in diesem Jahr 234 000 Asylsuchende nach NRW gekommen. Für Rheinbach bedeute dies: Etwa 30 Flüchtlinge muss Raetz wöchentlich ein Dach über dem Kopf schaffen. "Der Druck auf die Kommunen, Menschen aufzunehmen, wird nicht nachlassen - zumindest nicht in absehbarer Zeit", stellte er fest.

Prognosen des Städte- und Gemeindebundes gingen davon aus, dass langfristig jede Kommune einen Wert von fünf Prozent der eigenen Bevölkerung aufnehmen müsse. Für die Glasstadt, in der rund 28 000 Menschen leben, bedeute dies, dass 1400 Menschen, die vor Krieg und Diktatur geflohen sind, integriert werden müssen. Die Unterbringung der Frauen, Männer und Kinder aus 28 Nationen erfolge nach wie vor dezentral. Da die Kapazitäten in den fünf städtischen und elf angemieteten Objekten ausgeschöpft seien, müsse die Stadt Mehrzweckhallen in Beschlag nehmen, "weil nichts anderes da ist".

Zuversicht versprühte Raetz in der Frage, ob die Stadt die Kosten für die Unterbringung, rund 2,5 Millionen Euro für 2015, von Bund und Land möglichst vollumfänglich ersetzt bekommt. Ferner warb er um Verständnis für die Schutzsuchenden: "Wenn ich mich in deren Lage versetze, hätte ich genau so gehandelt", sagte der Bürgermeister und erhielt Applaus aus dem Auditorium.

Realistisches Bild des Gastlandes gewünscht

Die anschließenden Fragen drehten sich vor allem um die Kapazitäten der Mehrzweckhallen oder, ob auch Gewerbeflächen als Unterbringungsareale in Betracht kämen. Ein Fragensteller wollte wissen, ob den ankommenden Asylsuchendenden überhaupt ein "realistisches Deutschlandbild", wie er es nannte, vermittelt werde. Flüchtlingshelferin Verena Weber verneinte dies klar, sah den Grund aber vor allem in der kriminellen Energie der Schlepperbanden, die - des Geschäftes wegen - Versprechungen anstellten, die mit der Realität nichts zu tun hätten.

"Wir hören, dass die Flüchtlinge gesagt bekommen, dass sie ein Haus bekommen, wenn sie Deutschland erreichen", berichtete Weber. Sie sieht die Aufgaben der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer auch darin, ein realistisches Bild des Gastlandes zu zeichnen. "Wir vermitteln, welch langer Weg das ist, ehe sie einen Job oder eine bleibende Unterkunft finden." An den Fragensteller gerichtet, fügte sie hinzu: "Sie können da gerne mithelfen", meinte Weber und ernte reichen Beifall.

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