1. Region

Motorradtraining in Weilerswist: Polizei geht gegen Raser vor

Motorradtraining in Weilerswist : Polizei geht gegen Raser vor

Anlässlich besorgniserregender Unfallzahlen wird die Polizei laut NRW-Innenminister Jäger nicht nur weiterhin auf Prävention setzen, sondern verstärkt auf die Bestrafung von zum Teil unbelehrbaren Fahrern. Die Motorradsaison ist noch jung und von daher hatte der Besuch des Innenministers auf dem Übungsgelände in Weilerswist am Mittwoch durchaus Sinn.

REGION. Das Verhalten des Motorradfahrers kann man nur noch als dreiste Unverfrorenheit bezeichnen, die nach Sanktionen schreit. Nicht nur, dass der gemeingefährliche Raser mit knapp 300 Sachen auf seiner Rennmaschine auf einer Landstraße zwischen Siegen und Olpe unterwegs war, wo er Kurven gleich in Serie auf lebensgefährliche Weise schnitt und andere Verkehrsteilnehmer selbst an den unmöglichsten Stellen überholte.

Der Fahrer besaß zudem auch noch die Chuzpe, seine Höllenfahrt mit einer Kamera zu filmen und das Video ins Internet zu stellen. Sein Pech: Die Polizei kam ihm trotzdem auf die Schliche, und der Raser muss sich nun für sein Tun verantworten. Die Botschaft war NRW-Innenminister Ralf Jäger ganz wichtig, der das Video anlässlich eines Besuchs auf dem TÜV-Übungsgelände in Weilerswist vorführen ließ.

Anlässlich besorgniserregender Unfallzahlen wird die Polizei laut Jäger nicht nur weiterhin auf Prävention setzen, sondern verstärkt auf die Bestrafung von zum Teil unbelehrbaren Fahrern. Die Motorradsaison ist noch jung und von daher hatte der Besuch des Innenministers auf dem Übungsgelände durchaus Sinn.

Ralf Jäger, selbst begeisterter Fahrer einer "Moto Guzzi California", ging mit gutem Beispiel voran und tat das, was er anderen Bikern auch ans Herz legt: Er absolvierte ein Fahrsicherheitstraining, übte Kurvenfahren, Bremsen und Anhalten. Solche Trainings sind Bestandteil der im Herbst gestarteten Präventionskampagne "Brems Dich - rette Leben", mit der Minister und Polizei vor allem jene Motorradfahrer präventiv erreichen, "die angemessen fahren".

Darüber hinaus ist Jäger aber auch klar, dass es die Polizei nach wie vor mit einer Gruppe von "gemeingefährlichen Rasern zu tun hat, die es aus dem Verkehr zu ziehen gilt", betont er. Ihm ginge es nicht um Abzocke, "sondern um Verhaltensänderung". Helfen sollen dabei etwa 25 speziell mit Videoüberwachung ausgerüstete Zivilmotorräder und Messgeräte, die in Kurven nun ebenso die Geschwindigkeit messen wie auch das Kennzeichen erfassen können.

Für das verstärkte Augenmerk der Polizei auf Motorradfahrer gibt es gute Gründe. Im vergangenen Jahr starben 96 Biker in NRW, mehr als 4300 wurden verletzt. Deutlich mehr als noch 2010: Da starben 68 und mehr als 3800 wurden verletzt. Allein drei Tote und 177 Schwerverletzte wurden bereits im ersten Quartal des neuen Jahres gezählt.

Bei etwa 50 Prozent der tödlichen Unfälle, so sagt die Polizei, ist zu hohe Geschwindigkeit im Spiel. Konstant geblieben sind die Unfallereignisse im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, führt Hans-Peter Sperber, Leiter der Direktion "Verkehr" bei der Kreispolizei in Siegburg aus. 2010 verunglückten 108 Biker, im vergangenen Jahr waren es 109.

Nach wie vor unfallträchtig sind Strecken wie die B 478, die L 312, die L 84 und die B 8. Was aber auch Sperber auffällt: "Je schwerwiegender die Folgen eines Unfalls sind, desto häufiger ist ein Kradfahrer schuld." Aus dem Beritt der Bonner Polizei meldet Pressesprecher Frank Piontek dagegen steigende Unfallzahlen: So sei im vergangenen Jahr die Zahl der Verunglückten um knapp 21 Prozent gestiegen.

Im Kreis Euskirchen gilt: "Es gibt zwar weniger Unfälle, dafür sind die besonders folgenreich", erklärte Gereon Eich, Direktionsleiter der Kreispolizei Euskirchen. So sei die Zahl der verunglückten Kradfahrer von 90 (2010) auf 84 gefallen.

Dafür aber die Zahl der Getöteten von vier auf elf gestiegen. Als unfallträchtig hat Eich die B 258 und die L 115 bei Blankenheim sowie die B 266 von Euskirchen nach Schleiden ausgemacht. "Viele Fahrer halten sich an die Regeln." Die erhöhte Zahl schwerer Unfälle zeige aber, "dass es einen harten Kern an Rasern gibt, die nur noch mit Repressionen zu erreichen sind". Vor allem Motorradfahrer aus den Niederlanden würden oft auffallen.