Pferde im Karneval in NRW: Neue Behörden-Leitlinien zum Schutz der Tiere

Leitlinien des Umweltministeriums : Behörde will Pferde im Karneval vor zu schweren Reitern schützen

Handy-Verbot, Dopingkontrollen - und keine übergewichtigen Reiter: Das Umweltministerium in NRW hat Leitlinien für den Umgang mit Pferden an Karneval erstellen lassen. Damit reagiert es auf einen Unfall mit Kutschpferden beim Kölner Rosenmontagszug im Jahr 2018.

Das hat es beim traditionsreichen Kölner Rosenmontagszug auch noch nicht gegeben: An den Aufstellplätzen wird es dieses Jahr mobile Waagen geben - auf die Pferde und Reiter gestellt werden. Mehr als 20 Prozent des Pferdegewichts darf ein Reiter - samt Sattel und Zaumzeug - an Kilos nicht stemmen. Das klingt kurios, hat aber einen ernsten Hintergrund. Nachdem 2018 eine Pferdekutsche durchging und mehrere Menschen verletzt wurden, ringen Land, Kommunen und Karnevalisten um neue Regeln für Mensch, Tier und Material.

Das Ergebnis: Diese Woche wurden Kölner Richtlinien vorgestellt, die neben der Kilo-Kontrolle unter anderem eine Gelassenheitsprüfung für die Pferde sowie einen Kutschenführerschein vorsehen. Damit kamen die Kölner Karnevalisten in Teilen der Landesregierung zuvor: Denn das Umweltministerium hat einen ersten Entwurf für Leitlinien erstellt, die „einen größtmöglichen Schutz der Pferde und der Sicherheit von Beteiligten und Zuschauern“ gewährleisten sollen. Dazu gehören ein Handy-Verbot, Dopingkontrollen und wie in Köln ein Verbot von übergewichtigen Reitern.

In den vorläufigen Richtlinien, die jetzt verschickt und nach der diesjährigen Session auf Praxistauglichkeit abgeklopft werden sollen, heißt es unter anderem: „Der Konsum von Alkohol und anderen Drogen vor und während der Veranstaltung ist für alle mit den Pferden befassten Personen ausnahmslos untersagt.“ Auch Rauchen und Handynutzung sollen verboten werden. Die Tiere müssen laut Richtlinie gesund und auf einen Umzug vorbereitet sein. Ein Dopingverbot soll „stichprobenartig kontrolliert“ werden.

In Köln sollen dieses Jahr den Pferden laut Stadt zum Beispiel mindestens 50 Blutproben entnommen werden, um sie auf „unerlaubt eingesetzte Beruhigungsmittel“ zu überprüfen. Vor zwei Jahren - 2019 gab es wegen der Sturmwarnung keine Pferde im Zug - habe man bei 48 Pferden eine positive Dopingprobe gehabt.

Die Landes-Richtlinien gehen neben den Tieren auch in vielen Punkten auf die Reiter ein: Sie müssen Praxis nachweisen (30 Stunden im vergangenen Jahr), den Deutschen Reitpass besitzen und ein „geeignetes Verhältnis“ zur Konstitution des Pferdes haben: „Das Gewicht Reitender darf nicht mehr als 15% des Pferdegewichtes betragen.“

In Köln gibt es zwar die besagte 20 Prozent-Grenze - allerdings nur, weil die Ausrüstung mit eingerechnet wird. „Sattel und Zaumzeug werden pauschal mit zehn Kilo veranschlagt“, so Festkomitee-Sprecher Michael Kramp. Auf den mobilen Waagen würden Pferde und Reiter dann stichprobenartig gewogen, sagte Kramp zur Deutschen Presse-Agentur. Zur Einordnung: Ein Pferd im Karneval wiegt im Schnitt etwa 550 bis 600 Kilo, so Dr. Karl-Heinz Schulte, Landeschef Nordrhein beim Verband Praktizierender Tierärzte. Heißt nach der vorläufigen Ministeriums-Richtlinie: Ein Reiter dürfte maximal 82 bis 90 Kilo wiegen.

Der Stress für die Tiere soll aber auch in anderen Belangen minimiert werden. Das Umweltministerium will, dass Pferde nicht direkt vor oder hinter Kapellen im Zug einsortiert werden. „Idealerweise“ solle man sie am Anfang oder Ende positionieren. Zudem müsse es Ausweichmöglichkeiten für Pferde und Kutschen geben, um Engstellen zu vermeiden. Ein Tierarzt soll in zehn Minuten beim Pferd sein können - zum Beispiel durch ein Auto mit Sonderrechten.

Ist das alles realistisch? Genau das will Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) von den Beteiligten nach der Session erfahren. Sie will das achtseitige Leitlinien-Papier in den kommenden Tagen an die betroffenen Karnevalsvereine und Behörden schicken - inklusive der Bitte um Feedback nach Aschermittwoch. „Pferde im Karneval haben eine jahrhundertelange Tradition“, sagte Heinen-Esser der dpa: „Aus Tierschutzgründen wollen wir aber die Belastung für die Tiere so gering wie möglich halten.“

(dpa)