GA-Serie "Rheinische Redensarten": Nix es esu schläch, dat et nit für jet jot es!

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Nix es esu schläch, dat et nit für jet jot es!

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Der Rheinländer kann recht genügsam sein. Klar, er hat auch zuweilen eine fordernde oder manchmal sogar quengelnde Art. Aber im allgemeinen findet er sich doch schnell selbst mit den widrigsten Umständen ab und schließt recht bald Frieden mit den Unbilden der Verhältnisse.

Ja, er hat sogar gelernt, auch schwierigen Situationen noch etwas abzugewinnen.

Darum geht es in unserer rheinischen Redensart: „Nix es esu schläch, dat et nit für jet jot es!“ Der Satz ist leichter Hand ins Hochdeutsche übersetzt: Nichts ist so schlecht, dass es nicht für etwas gut ist. Tatsächlich ist dies weit mehr als eine einfache Durchhalteparole. Es handelt sich vielmehr um eine ganz tiefe humanistische Erkenntnis, die den Menschen davor bewahren möchte, alles nach Schwarz-Weiß-Schema nach Gut und Böse zu trennen und dann das Böse fortzuwerfen. Vielmehr steht dahinter der Gedanke, jedem Ding wohne eine positive Kraft inne, die den Menschen weiterbringen kann. Worauf das hinaus läuft?: Am Ende wird alles gut. So gesehen hat der Spruch ein sehr katholisches Fundament. Es geht davon aus, dass sich das zeitbegrenzte irdische Leiden in ewig währende himmlische Seeligkeit transfomiert. Zugegeben, so knapp zusammengefasst ist das eine recht folkloristische Darstellung. Dennoch ist sie recht weit verbreitet.

Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker formulierte einst den Satz, der liebe Gott habe etwas Unangenehmes geschickt „zuerst als Warnung, dann als Mahnung und zuletzt als Bestrafung“. Etwas Schlechtes kann also sogar gleich mehrere positive Funktionen haben. Übrigens hat unser Informant die Redensart aus einer Bad Münstereifeler Kneipe mitgebracht. Dort steht sie in großen Lettern an der Wand. Sie gilt übrigens als das Lebens- und Arbeitsmotto des Kölner Pfarrers Franz Meurer, der zuweilen als der „kölsche Franziskus“ bezeichnet wird. Er macht gerne mit unkonventionellen Aktionen auf Missstände aufmerksam und setzt sich unter anderem für die Ökumene und den christlich-islamischen Dialog ein. Im Umfeld der genannten Kneipe könnte der Satz aber auch als Rehabilitierung des kühlen goldgelben Gerstensaftes verstanden werden, der oft zu Unrecht in Verruf geraten ist.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und ab sofort in den GA-Geschäftsstellen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.