Neue Züge in vier Farben: National Express übernimmt den RE5

Neue Züge in vier Farben : National Express übernimmt den RE5

Am Sonntag übernimmt National Express den RE5 von der Deutschen Bahn. Es ist der Vorlauf zum Rhein-Ruhr-Express, einem gigantischen Nahverkehrsprojekt.

Bahnhaltepunkt Bonn UN Campus, kurz vor 7 Uhr, auf dem Bahnsteig warten Pendler auf ihren Zug in Richtung Koblenz. Allerdings nicht lange. Der Regionalexpress (RE) 5 ist pünktlich. Doch es fahren keine Wagen im typischen Deutsche-Bahn-Rot ein. Vielmehr ist das Fahrzeug in weiß, grau, schwarz und orange gehalten. Es sind die Farben des Rhein-Ruhr-Expresses, kurz RRX. Dieser ist ein gigantisches Nahverkehrsprojekt. Sieben RRX-Linien sollen einmal in einem dichten Takt die Ballungsräume an Rhein und Ruhr verbinden. Zunächst aber gehen die neuen Fahrzeuge nach und nach auf die Strecke.

Unter anderem bei der ursprünglichen Verbindung des RE 5. Zurzeit verkehrt er im Stundentakt zwischen Wesel und Koblenz – allerdings nur noch wenige Tage von der Deutschen Bahn (DB) mit den besagten roten Zügen betrieben. An diesem Sonntag geht die Linie im sogenannten RRX-Vorlaufbetrieb in die Zuständigkeit des Unternehmens National Express über. Die hier beschriebene Fahrt gehört zu einzelnen Verbindungen, die National Express bereits jetzt in einer Übergangsphase bedient.

Das vierfarbige Design findet sich auch im Inneren der Züge mit Namen „Desiro HC“ wieder. 82 Fahrzeuge für die RRX-Linien haben die verantwortlichen Nahverkehrszweckverbände im Gebiet des RRX bei Siemens geordert, um sie den Eisenbahnunternehmen, die die Linien betreiben, bereitzustellen. Inbegriffen ist ein Wartungsvertrag mit Siemens über 32 Jahre. Laut dem Unternehmen hat der Auftrag ein Gesamtvolumen von mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Mit zwölf dieser Elektrofahrzeuge – jeweils zwei bilden eine Verbindung – wird der RE 5 ab Sonntag von National Express gefahren. 400 Sitzplätze pro Fahrzeug, Steckdosen und freies Wlan, ein barrierefreier Einstieg sowie Platz für Rollstuhl- und Fahrradfahrer, eine Spitzengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern: „Die Züge sind die Spitze dessen, was die deutsche Fahrzeugindustrie anbieten kann“, sagt Thorsten Müller.

Fachkräftemangel bei den Lokführern

Müller ist Direktor des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), der für den rheinland-pfälzischen Abschnitt des RRX zuständig ist. Gemeinsam mit Marcel Winter, Geschäftsführer von National Express, empfängt er um 8 Uhr Politiker, Fahrgastvertreter und Journalisten am Koblenzer Hauptbahnhof zur offiziellen Präsentation des RRX. Zusammen geht es mit dem von Triebfahrzeugführer Lukas Mainka gesteuerten Zug nach Remagen; mit drei Minuten Verspätung. Man sei dankbar, dass man ausschließlich für den Betrieb der Züge, nicht aber für deren Instandhaltung zuständig sei, sagt Winter. So könne sich National Express auf seine „Kernkompetenz“ fokussieren. Dafür stehen laut Winter genug Lokführer zur Verfügung.

Wie berichtet, herrscht in dem Bereich bundesweit akuter Fachkräftemangel. Bei der Mittelrheinbahn (RB 26) des Unternehmens Transregio führt das aktuell dazu, dass verschiedene Verbindungen zwischen Mainz und Koblenz bis Ende August ausfallen sollen. Die Deutsche Bahn hatte wiederum im Februar kritisiert, dass National Express gezielt Personal abwirbt – mit aus Sicht der Bahn „unangemessenen Methoden“. National Express hatte das zurückgewiesen.

Bis Ende 2020 sollen fünf Linien nach und nach im RRX-Vorlaufbetrieb fahren; betrieben von National Express sowie vom Unternehmen Abellio. In diesem Dezember folgt der RE 6 zwischen dem Flughafen Köln/Bonn und Minden. Auch diese Linie wird aktuell noch von der DB gefahren. Ob National Express im Dezember genug Personal für den RE 6 hat, lässt Winter ein Stück weit offen. Man müsse das Personalproblem „gesamtheitlich“ sehen, sagt er und verweist auf Gespräche zwischen den Eisenbahnunternehmen.

Ziel ist, irgendwann einen 15-Minuten-Takt auf dem Rhein-Ruhr-Express anzubieten. Dafür ist aber ein deutlicher Ausbau der Strecken notwendig. Eine Umsetzung um das Jahr 2030 erscheint ambitioniert. Und: Stand jetzt ist der Viertelstundentakt auch nur auf dem sogenannten RRX-Hauptkorridor zwischen Köln und Dortmund vorgesehen. Die neuen Züge, die ab Sonntag auch zwischen Köln, Bonn und Koblenz regelmäßig fahren werden, sind nur ein Anfang.