Müntefering bekommt einen Ochsenknochen

Müntefering bekommt einen Ochsenknochen

SPD-Fraktionschef hat bei seinem Besuch im Bonner Forschungszentrum Caesar aufmerksam gelauscht und sich vieles erklären lassen - Trotzdem sagt er: "Alles habe ich nicht verstanden"

Bonn. Der SPD-Spitzenpolitiker Franz Müntefering formt mit seinen Händen ein Guckloch. Er beobachtet durch dicke Glasscheiben einen Forscher in einem Labor des Bonner Forschungszentrums Caesar. Ein Tross von Journalisten, Fotografen und Kameramännern aus Bonn und Berlin tut es dem Politiker auf Sommerreise nach. Der Forscher im Aquarium bleibt ungerührt. Sein Kinn auf die Hände gestützt sieht er weiter konzentriert auf einen Computerbildschirm.

Franz Müntefering ist das ganz recht. Er besucht Caesar nicht als Wahlkämpfer, sondern als Zuhörer. Aufmerksam lauscht er den Erklärungen von Manfred Lacher zum so genannten Reinraum. Er nickt, als dieser erklärt: "Der Raum wird frei von Staubpartikeln gehalten. Sie wären tödlich für die Maschinen, die hier gebaut werden."

Zur Veranschaulichung nennt Lacher eine unvorstellbar große Zahl von Staubpartikeln, die beim Bettenmachen aufgewirbelt wird. Da fragt Müntefering: "Im Bundestag haben Sie noch nicht gemessen, oder?"

Es ist eine der wenigen politischen Bemerkungen, die der SPD-Fraktionschef beim Labor-Rundgang macht. Um etwas Politisches an ihm zu entdecken, muss man schon genau hinsehen. Und wenn man das tut, entdeckt man ein orangenes Abzeichen, so groß wie ein Stecknadelkopf, am Revers seines Anzugs.

Der Anstecker ist ein Relikt aus dem Wahlkampf von 1972. Müntefering trägt ihn an jedem Anzug. In seinem Portmonee trägt er seit seinem Besuch bei Caesar einen Ochsenknochen, als "Talismann" wie er sagt. Das Besondere an dem Geschenk: Der Knochen ist mit einem Kohlenstoffdioxid-Laser im Forschungszentrum geschnitten.

Dahinter steckt eine komplizierte Technik, ebenso wie beim Reifensensor. Wie der den jeweiligen Straßenzustand erkennt, erklärt Markus Löhndorf dem SPD-Politiker. Müntefering fasst den Bericht zusammen: "Das gleiche Prinzip wie beim Fußball. Da muss man den passenden Stollen nehmen."

Beim anschließenden Pressegespräch gibt er aber zu: "Ich habe nicht alles verstanden." Und dann sagt er doch noch was Politisches: "Forschung ist eine entscheidende Grundlage für den Wohlstand. Die Politik muss dafür Rahmenbedingungen schaffen."

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