Caritas Werkstätten in Ahrweiler: Mitten im Arbeitsleben

Caritas Werkstätten in Ahrweiler : Mitten im Arbeitsleben

Abschlussveranstaltung der „Beruflichen Aktionstage“ der Caritas Werkstätten im Kreishaus.

„Ich wusste nicht, was 'Inklusion' bedeutet. Ich habe den Begriff erst mal gegoogelt und mich dann entschieden, das Projekt zu unterstützen.“ So entwaffnend ehrlich war gestern im „Wappensaal“ des Ahrweiler Kreishauses der Heimersheimer Unternehmer Michael Juchem, als er die Geschichte seines neuen Mitarbeiters Fabian Maagh erzählte. Der junge Mann war einer der 29 Menschen mit Behinderung, die gestern aus der Hand des Kreisbeigeordneten Horst Gies in Vertretung von Schirmherr Landrat Jürgen Pföhler eine Urkunde für den Abschluss der „Beruflichen Aktionstage“ entgegennahm.

Als ein Projektverantwortlicher der Caritas Werkstätten der Sankt Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe (CAB) den 38-jährigen Geschäftsführer eines Getränkehandels fragte, ob er bereit sei, einem Menschen mit Behinderung anlässlich der Aktionstage ein Praktikum anzubieten, schickte Juchem ihn zunächst weg. Er wusste nichts mit der Thematik anzufangen. Dann wurde ihm jedoch schnell klar, dass er Fabian eine Chance geben möchte: „Aber in einer ruhigen Zeit, nicht im Sommer, wo es bei uns brummt. Denn er sollte nicht nur Spaß haben, sondern wir auch Zeit zum Erklären und Vermitteln“, so Juchem.

Aus dem kurzen wurde ein langfristiges Praktikum und als Fabian dann auch den „heißen Sommer 2015“ überstanden hatte, wurde ein neues Paket geschnürt und damit der Optimalfall erreicht: Der junge Mann wurde ins feste Arbeitsverhältnis übernommen. „Der Dank gilt meinen Mitarbeitern, die ihn perfekt ins Team integriert hat.“ Heute steht Juchem so hinter der Idee, dass er nicht nur mit Kai Harst einen zweiten Versuch startet, sondern gerne bereit ist, Firmen, die Fragen zum Projekt haben, Rede und Antwort zu stehen.

Zu den 29 Praktikanten, die in 26 Betriebe und Behörden schnuppern konnten, gehörten Schüler der Levana-Schule in Bachem sowie Beschäftigte der Caritas Werkstätten Sankt Elisabeth in Sinzig. „Die 'Beruflichen Aktionstage' bieten nun schon zum vierten Mal Menschen mit Handicaps eine hervorragende Gelegenheit, ihren Werkstatt-Alltag zu verlassen und auf dem sogenannten 'ersten Arbeitsmarkt' zu arbeiten.

Sie bieten auch den Unternehmen und damit unserem Wirtschaftsstandort die Möglichkeit, sich von ihren Fähig- und Fertigkeiten zu überzeugen“, so Gies, der die Kosten der öffentlichen Hand im Kreis für die rund 350 Beschäftigten in Behindertenwerkstätten auf mehr als sechs Millionen Euro jährlich bezifferte. Neben Sinzig gibt es seit Sommer 2015 eine Werkstatt mit 60 Plätzen in der Kreisstadt, 2017 ist eine weitere in Adenau geplant. Der Kreisbeigeordnete dankte explizit Doris Hein, der Leiterin der virtuellen Werkstatt X-tern sowie stellvertretend fürs Team Geschäftsbereichsleiter Franz Josef Bell.

„Inklusion kommt nur dann in der Gesellschaft und den Kommunen an, wenn sie spür- und erfahrbar wird. Dabei helfen solche Aktionstage“, ergänzte Bell. Er forderte auch mit Hilfe einer neuen Broschüre Unternehmer dazu auf, etwas Neues auszuprobieren. „190 Beschäftigte haben bislang in 115 Firmen teilgenommen, 33 Praktikanten konnten danach weiter beschäftigt werden.“ Seine eigenen Erfahrungen gab Werkstattmitarbeiter Leonard Krüger, der bei Optiprint in Sinzig hospitiert hatte, weiter: „Das junge Team hat mich gut aufgenommen. Ich durfte Gutscheine und Flyer mit herstellen, an Maschinen arbeiten. Ich habe vielfältige Erfahrungen gemacht.“

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