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"Flüchtlinge... in Bad Honnef - und wir" bis 6. November: Milena Kunz-Bijno zeigt Ausstellung in Bad Honnef

"Flüchtlinge... in Bad Honnef - und wir" bis 6. November : Milena Kunz-Bijno zeigt Ausstellung in Bad Honnef

Zwei Gruppen von Menschen stehen sich gegenüber. Nur Teile ihres Gesichtes sind zu sehen. Die dunklen Augen verschleierter Frauen, Münder mit Schnurrbärten, fragende Kinderaugen auf der einen Seite - auf der anderen hellhäutige Gesichtsausschnitte mit erstaunten, teils ratlosen Blicken, aber auch mit einem lachenden Kindermund.

"Grenzgänger" nennt Milena Kunz-Bijno diese Installation. Die Flucht von Tausenden aus Syrien und anderen Krisengebieten bewegt auch die Rhöndorfer Künstlerin, deren Ausstellung unter dem Titel "Flüchtlinge... in Bad Honnef - und wir" derzeit im Rathausfoyer zu sehen ist.

Das Bild "Brennende Stadt" in infernalischem Rot an der Stirnseite des Raums hat der Betrachter zuerst im Blick, wenn er durch die Gasse dieser sich gegenüber stehenden Stelen geht, an deren Kopf Milena Kunz-Bijno jeweils ein Foto von Augen oder Mündern angebracht hat.

Grau und glatt sind die Flächen der Stelen auf der einen Seite; manchmal wie faltiger, meist bunter und auch wie angesengter Stoff wirken sie unter den fremden Gesichtern. Weitere Bilder der Ausstellung tragen Titel wie "Überbleibsel aus der Heimat" oder "Endstation Sehnsucht" und "Wege des Friedens".

Dies alles lässt den Besucher der Ausstellung das Leid der Flüchtlinge daheim und unterwegs erahnen. Milena Kunz-Bijno stellt mit diesem Werk Fragen: "Wie sehen sie uns, die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen? Und wie sehen wir sie, die Krieg und Not dazu treiben, ihre Heimat zu verlassen und beschwerliche, lebensbedrohliche Fluchtwege zu gehen?"

Zur Eröffnung der Schau meinte die Künstlerin: "Es ist mein kleiner Beitrag zu dieser Problematik. Was können wir tun, wo können wir unser Herz öffnen? Bekommen wir es fertig, alle so grau zu bekommen - oder werden wir alle etwas bunter?"

"Heute sind Sie eine richtige Rhöndorferin!"

Vizebürgermeister Peter Profittlich nutzte die Möglichkeit, um der Stadtverwaltung und allen Helfern für ihren Einsatz bei der Betreuung der Flüchtlinge zu danken. "Wir haben hier in Bad Honnef eine Willkommenskultur bewiesen. Die Flüchtlinge zu integrieren, wird eine Aufgabe nicht der beiden nächsten zwei oder drei Jahre, sondern der nächsten 15 bis 20 Jahre sein."

Und zu der aus Italien stammenden Künstlerin, die durch ihre Heirat mit einem deutschen Diplomaten nach Deutschland gelangte, sagte Peter Profittlich: "Sie waren in vielen Ländern unterwegs - und heute sind Sie eine richtige Rhöndorferin!"

Galeristin Daniela Christiane Limberg führte auf tiefgründige Weise in die Ausstellung ein. "Milena Kunz-Bijno verwandelt heute Realität in Kunst", sagte sie. "Ihr Werk ist nicht nur schön anzusehen. Mit Bildern wie ,Brennende Stadt? möchte sie uns berühren, uns bewegen. Ihr Werk öffnet Grenzen. Brücken zu schlagen, auch zwischen Ost und West, ist ihr Lebenswerk. Und mit ihrer Kunst versucht sie, dies zum Ausdruck zu bringen. Das Ringen um Form und Farbe, vor allem die Sinnfrage nach dem Woher und Wohin des Seins, hat sie nie mehr losgelassen. In ihren Werken sucht und gibt sie sich selbst, doch vor allem uns als Betrachter eine Antwort."

Eine Antwort, die Mut und Zuversicht ausstrahle. Dazu gab es passende Musik: Helge Kirscht sang sein Kinderlied "Eins, zwei, drei", und Ernst Nellessen spielte Saxofon.

Info

Die Ausstellung im Rathausfoyer ist bis Freitag, 6. November, montags bis mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr sowie donnerstags zusätzlich von 14 bis 17.30 Uhr zu sehen.