Meckenheimer Zukunftswerkstatt Integration zeigt: Vernetzung fehlt

Meckenheimer Zukunftswerkstatt Integration zeigt: Vernetzung fehlt

Viele positive Ansätze

Meckenheim. Das Interesse war groß an der Zukunftswerkstatt zum Thema Integration. Rund 80 Bürger, darunter allerdings nur wenige mit Migrationshintergrund, versammelten sich im Ratssaal.

Zu dem Workshop unter dem Motto "Meckenheim - Stadt der Kulturen" hatte die Stadt mit dem Integrationsbeauftragten Christian van Engelshoven 190 Meckenheimer aus allen Schichten, Altersgruppen und Kulturen angeschrieben. Ziel: Wege zur Verbesserung des Zusammenlebens zu erarbeiten, als Grundlage für ein Integrationskonzept für die Stadt.

Wo läuft es schon gut, was läuft eher schlecht? Diese beiden Fragen erörterten die drei Arbeitsgruppen "Sprache und Bildung", Arbeit und Wirtschaft", sowie "Interkulturelles Zusammenleben". Die Moderation übernahmen Vertreter des "Ibis-Institut" (interdisziplinäre Beratung und interkulturelle Seminare) aus Düsseldorf um Frank Jessen.

Zukunftswerkstatt Die Idee wurde von Robert Jungk (1913 bis 1994) kreiert. Er war Publizist, Journalist und der erste Zukunftsforscher. Seine Methode wird in der Erwachsenenbildung eingesetzt und von Moderatoren begleitet. Sie zielt darauf ab, den Teilnehmern Techniken zur Seite zu stellen, damit sie neue Ideen entwickeln.Ein Urteil in der abschließenden Zusammenfassung von Ibis-Mitarbeiterin Patricia Jessen: Die große Zahl der positiven Aktivitäten in Meckenheim sei ungewöhnlich. "Ich habe es in meiner bisherigen Arbeit eher so kennengelernt, dass es bei den negativen Punkten aus den Teilnehmern nur so heraussprudelte."

Deshalb werde es eine wichtige Frage sein, warum es trotzdem mit der Integration nicht so klappt, wie man es sich wünscht. Daran könne neben dem schlechten Image auch die mangelnde Vernetzung der Angebote schuld sein. Fast unmöglich sei es, überhaupt einen Ansprechpartner bei den Wortführern der unterschiedlichen ethnischen Gruppen in der Stadt zu finden, nannte der Sozialarbeiter der Hauptschule, Sascha Rottmann, ein Problem.

Komm-In-NRW Die Zukunftswerkstatt in Meckenheim wird gefördert über das Programm "Komm-In NRW - Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit". Hintergrund ist die Erkenntnis, dass zwar vielerorts sehr gute Angebote zur Integration bestehen, es jedoch oft nicht gelingt, sie zielgenau an die Menschen zu bringen. Schwerpunkte des Programms sind die Schaffung von Transparenz, die Vernetzung der Angebote und die strategische Steuerung. Seit dem Start 2005 sind in NRW 67 Städte und 19 Kreise mit insgesamt zehn Millionen Euro gefördert worden. Meckenheim erhält 16 000 Euro, 4 000 Euro steuert die Stadt bei.+Wie schwierig es ist, mit Angehörigen der verschiedenen Kulturen ins Gespräch zu kommen, berichtete auch die Leiterin einer Kindertagesstätte: Es sei für die Kinder kein Problem, miteinander zu kommunizieren, unter den Eltern komme jedoch nur selten ein Gespräch zustande, und oftmals seien es die Mütter mit Migrationshintergrund, die sich zurückzögen.

Die drei Moderatoren Frank Jessen, Patricia Jessen und Markus Offermann nahmen nach dem Brainstorming viele verschiedene Eindrücke und Daten mit. Sie befassen sich nun damit, bevor beim nächsten Treffen der Arbeitsgruppen Handlungsempfehlungen und Maßnahmen erarbeiten werden sollen.

Insgesamt soll es noch zwei bis drei Arbeitsgruppen-Treffen und eine Abschlussveranstaltung, möglicherweise im Februar 2010, geben, kündigte Frank Jessen an.

Das Glück der IntegrationIntegration ist ein Prozess, der nie endet: Das betonte Georg Hansen, Professor für interkulturelle Erziehungswissenschaften, in seinem Referat zur Zukunftswerkstatt in Meckenheim. Er zeigte auf, dass angesichts der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen eine Gruppenbildung unumgänglich sei: Immer wenn eine "wir-Gruppe" zu einer anderen Gruppe "sie" sage, sei dies eine Form der Ausgrenzung.

Die gebe es im gesellschaftlichen Alltag in allen Bereichen, ob unter Fußballfans, im politischen Raum oder aber bei religiösen Gruppen. Entscheidend sei, wie fest die Grenzen um eine Gruppe gezogen würden. "Wenn erst einmal Etiketten geklebt wurden, sind diese schwer wieder abzulösen", sagte Hansen. Er empfahl daher dringend, die Individuen und nicht die Gruppenmitglieder zu sehen und den Zugang zu allen Ressourcen möglichst gleichmäßig zu verteilen. "Immer dann, wenn Integration geklappt hat, war es eine Glückserfahrung für alle Beteiligten", ermunterte Hansen.

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