Festakt zu zehn Jahren Dokumentationsstätte: Malu Dreyer besucht ehemaligen Regierungsbunker in Ahrweiler

Festakt zu zehn Jahren Dokumentationsstätte : Malu Dreyer besucht ehemaligen Regierungsbunker in Ahrweiler

Zum ersten Mal besuchte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Dokumentationsstätte des Regierungsbunker in Ahrweiler. Anlass war ein Festakt zu dessen zehnjährigen Bestehen.

Nach dem Rückbau der 17,3 Kilometer langen Anlage unter den Ahrtaler Weinbergen – einst als Ausweichsitz der Regierung im Kriegsfall geheimstes Bauwerk der Republik – entstand auf 203 Metern ein Museum, das bislang mehr als 800.000 Besucher aus aller Welt anzog.

„Es ist ein bedeutsames Denkmal deutscher Geschichte aus einer Zeit, als die Welt in zwei Blöcke geteilt war und sie sich mit einem erschreckenden Atomwaffenarsenal gegenüberstand. Heute wissen wir, dass der Weltfrieden einige Male auf der Kippe zu einem Atomkrieg stand. Dieser ehemalige Bunker mahnt uns zugleich, dass wir alle Kraft in eine Friedenspolitik stecken“, so die Ministerpräsidentin zu den mehr als 100 Gästen, die von Saxofonist Frank Heuser musikalisch unterhalten wurden.

Malu Dreyer lobte nicht nur die Weitsicht von Florian Mausbach, damaliger Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Mittel einzusetzen, um einen Bunkerabschnitt aus bildungspolitischer Sicht zum Museum auszubauen. Auch ohne den Kreis mit Landrat Jürgen Pföhler an der Spitze und den außergewöhnlich mutigen Verein als Träger sowie die engagierte Museumsleiterin Heike Hollunder und ihr 60-köpfiges Team sei der Erfolg dieses zentralen Erinnerungsortes nicht denkbar.

15.000 Schüler pro Jahr besuchen den Bunker

„Besonders freut es mich, dass die Dokumentationsstätte für junge Menschen attraktiv gestaltet ist und die Zahl der Schülerbesuche mit 15.000 pro Jahr immer noch weiter ansteigt. Rheinland-Pfalz ist glücklich, dass dieser Bunker, der zu den 'Meisterwerken', den 15 außergewöhnlichsten Orten des Landes, zählt, bewahrt wurde. Ich gehe beeindruckt hier raus“, so die Ministerpräsidentin.

Wilbert Herschbach, Vorsitzender des Heimatvereins, erinnerte an die Anfänge. „Weder Bund und Land noch Kreis und Stadt waren gewillt, die Trägerschaft zu übernehmen. Landrat Jürgen Pföhler versuchte, meine Bedenken mit dem Satz 'Öffnen Sie alle drei Wochen für ein paar Besucher und bringen Sie alle 20 Meter eine 40-Watt-Birne an' zu zerstreuen. Als wir 2005 mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Besitzer des Stollens den Vertrag unterzeichneten, war uns nicht klar, welch weitreichende, komplexe Aufgabe uns erwartete.“

Schon ein Jahr nach Eröffnung fand er sich mit Mausbach auf Sizilien wieder, wo er für die Dokumentationsstätte den europäischen Denkmalpflegepreis „Europa Nostra“ entgegennahm. „Aus 180 Bewerbungen aus Europa wurde er für die Bundesrepublik nur ein Mal vergeben. Zum ersten Mal an einen Atomschutzbunker“, so Herschbach.

Tarnname "Rosengarten" verschleierte Existenz

Paul Johannes Fietz, der als Bima-Vorstandsmitglied den Eigentümer repräsentierte, ließ die bewegte Geschichte der Anlage, die bis zur „Spiegel“-Veröffentlichung 1984 durch Michael Preute offiziell nie existierte und den Tarnnamen „Rosengarten“ trug, Revue passieren. War der Rückbau des größten Sicherheitsbaus Deutschlands mit 17 Millionen Euro veranschlagt, folgten zwecks Umnutzung 81 Anfragen und 16 Angebote: von der Champignonzucht über Eventhotel und unterirdischer Großraumdisco bis zum Lagerdepot der D-Mark-Bestände anlässlich der Euro-Einführung.

„Die Reputation dieser Stätte ist überragend“, so Fietz, „wie gut, dass der BBR-Präsident und der Landrat über den Tellerrand schauten, innehielten und die behördliche Entscheidung, dass der Erhalt nicht von bundespolitischem Interesse sei, auch mal hinterfragten. Sonst wäre der Bunker sang- und klanglos verschwunden.“

Was aus seinem „Weitblick“ geworden ist, davon konnte sich der mit seiner Frau aus Berlin angereiste Mausbach erstmals nach zehn Jahren überzeugen. „Als wir 2001 mit dem Rückbau begonnen hatten und der Anschlag aufs World Trade Center die Welt erschütterte, hielten auch wir die Luft an, bis das Bundesinnenministerium entschied: 'Weitermachen'“, so Mausbach. Landrat Pföhler freute sich über die Gemeinschaftsleistung: „Nirgendwo in Deutschland gibt es eine solche Zusammenarbeit zwischen dem Bund und einem Verein. Er schafft es täglich, den Besuchern auf anschauliche Weise 'den Irrsinn eines möglichen Atomkriegs vor Augen zu führen', wie es der frühere Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch im Bunker formulierte.“

„Dieses Museum ist ein wesentlicher Komm-Grund für Touristen. Eine Umfrage ergab, dass es nach Wein und Wandern an dritter Stelle steht“, so Bürgermeister Guido Orthen. „Wir unterstützen es mit infrastrukturellen Maßnahmen aus Überzeugung. Dieser Teil der bundesrepublikanischen Geschichte wird mit Bad Neuenahr-Ahrweiler verbunden. Ich danke Heike Hollunder, dem ganzen Team und den vielen Ehrenamtlichen aus dem 700-köpfigen Verein für den Einsatz für dieses Schmuckstück.“

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