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In Stein gemeißelt: Mahnmal gegen sexuellen Missbrauch

In Stein gemeißelt : Mahnmal gegen sexuellen Missbrauch

Ein Gedenkstein erinnert am Siegburger Markt an den vergewaltigten und verschwundenen Pascal.

"Lieber Pascal, wir beide waren noch so klein, als wir das Allerschlimmste, den Missbrauch an uns Kindern, erleben mussten. Jetzt lebe ich mit den schmerzhaften Erinnerungen, die mich nicht loslassen wollen, und du bist nicht mehr da." In diesen Worten steckt alles - und doch nur ein Teil von dem, was dem kleinen Jungen B.M. vor Jahren passierte: Genau wie sein Freund Pascal durchlitt er in einer Saarbrücker Gaststätte Höllenqualen, als er von mehreren Erwachsenen mehrfach vergewaltigt wurde.

Seine Worte hat B. in Stein gemeißelt. Und dieser Stein steht gut vier Wochen lang in Siegburg an der "Goldenen Ecke" am oberen Markt. Danach wird er zu vielen anderen Orten Deutschlands gebracht.

Der Stein soll nicht nur an den bis heute verschwundenen, damals fünfjährigen Pascal erinnern, sondern betonen und erinnern, dass Gewalt an Kindern zu den abscheulichsten Verbrechen überhaupt gehört. "Als die Anfrage von Johannes Heibel kam, ob wir dem Gedenkstein gegen das Vergessen bei uns einen Platz bieten, habe ich keine zehn Sekunden überlegen müssen", sagte Bürgermeister Franz Huhn.

Heibel ist Vorsitzender der Initiative gegen Gewalt und hat in dem Erschaffer des Steins, Bruno Harich aus Neunkirchen-Seelscheid, einen Künstler gefunden, der ebenso engagiert bei der Sache ist wie er selbst. "Der Freund von Pascal, der ja seit September 2001 verschwunden ist, war im Rahmen seiner Therapie bei mir in der Steinmetzwerkstatt", erzählte Harich.

Gemeinsam überlegten der Bildhauer und der mittlerweile 15-Jährige, wie man einen Gedenkstein gegen das Vergessen anlässlich des zehnten Jahrestags von Pascals Verschwinden gestalten kann. "Die Arbeit hat ihm gut getan, war auch Teil seiner Therapie", so Harisch. Zerstört sei B.s Seele damals wie heute. "In seinem Leben ist nichts mehr so, wie es mal war."

Der Brief, den B. an seinen Freund Pascal schrieb, dessen Schänder zum größten Teil freigesprochen werden mussten, weil es keine Leiche gab, rührte am Montag viele Passanten, die stehen blieben, um sich die fast zwei Meter hohe Stele, deren Material aus einem südafrikanischen Steinbruch stammt, in dem keine Kinder arbeiten, anzusehen.

Kindergartenkinder vom Siegburger Deichhaus und aus Neunkirchen-Seelscheid waren ebenfalls gekommen, sangen und ließen Luftballons steigen, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. "Ich mute den Bürgern, die diesen belebten Platz jeden Tag passieren, diese Konfrontation zu, auch wenn sie weh tut", bekräftigte Huhn.

Anja Brückner-Dürr von der Anlauf- und Beratungsstelle des Kinderschutzbundes sagte: "Kinder brauchen mutige Erwachsene an ihrer Seite, die ihnen Glauben schenken und sie unterstützen."