Gedenken in Bad Neuenahr: Linke will Marx-Tafel am Rathaus

Gedenken in Bad Neuenahr : Linke will Marx-Tafel am Rathaus

Karl Marx kurte einst in Bad Neuenahr. Die Linke stellt einen Antrag auf Gedenkschild am alten Grand Hotel Flora, dem heutigen Rathaus.

Was haben Ludwig van Beethoven und Karl Marx gemein? Beide verbrachten ihre Ferien, damals hieß das noch Sommerfrische, in Bad Neuenahr, das seinerzeit wiederum noch aus den Dörfern Wadenheim, Hemmessen und Beul bestand. In den Jahren 1786 bis 1792 war der junge Beethoven während der Sommermonate mehrfach bei der Familie von Breuning zu Gast.

Daran erinnert heute das Beethovenhaus an der Mittelstraße und nur wenige Meter entfernt die Beethovenuhr an der Kurgartenstraße. Und im Stadtplan ist im Stadtteil Bad Neuenahr auch die Beethovenstraße zu finden. Karl Marx - Fehlanzeige. Dabei sind beide mindestens gleich berühmt. Und bei dem Verfasser des Kommunistischen Manifests, der in Trier geboren wurde, steht sogar eine Art Geburtstag an. Denn Marx besuchte Bad Neuenahr vor genau 140 Jahren. Im „Cur-Journal“ von 1877 steht unter den Nummern 1177-1179 die Eintragung: „H. Dr. Carl Marx, London, Fr. Marx, London, Frln. Marx, London“. Das war in der Kurtaxe von damals 23 Mark inbegriffen.

Den Eintrag hat Wolfgang Huste, Stadtratsmitglied für die Linken, recherchiert. „Im Jahre 1877 wohnte im Grand Hotel Flora, dem heutigen Rathaus, Karl Marx mit seiner Frau Jenny und seiner jüngsten Tochter Eleonore. In ihrer Begleitung war höchstwahrscheinlich Helena Demuth, die jahrzehntelange treue Haushaltsgehilfin, Freundin und Kampfgefährtin der Familie Marx“, sagt Huste, der in Bad Neuenahr ein Antiquariat führt. In bisherigen Heimatjahrbüchern war lediglich von Karl Marx die Rede gewesen.

Mit der Reise nach Bad Neuenahr habe Karl Marx wenige Jahre vor seinem Tode zum letzten Mal Deutschland besucht. Marx und seine Frau hätten sich in zahlreichen Briefen „sehr lobend über das Ahrtal“ geäußert. Seine Briefe kamen aus dem Hotel „Flora“.

Verbrieft ist auch, dass Karl Marx durch den Kurarzt und Sanitätsrat Richard Schmitz betreut wurde und während seiner mehrwöchigen Kur Stammgast im damaligen Badehaus einschließlich des Kurparks war. Karl Marx machte in dieser Zeit einige Ausflüge in die nähere Umgebung. Per Kutsche ging es unter anderem nach Ahrweiler – Rotwein inbegriffen. So auch nachzuschmökern in Heinrich Gemkows nur 82 Seiten starken Band „Karl Marx‘ letzter Aufenthalt in Deutschland. Als Kurgast in Bad Neuenahr 1877“, herausgegeben von der Marx-Engels-Stiftung in Wuppertal. Huste kündigt gemeinsam mit Linken-Kreistagsmitglied Marion Morassi an, mit Blick auf den „runden Geburtstag“ des Besuches von Karl Marx einen Antrag auf Anbringung einer Gedenktafel am Ort der Logis analog zum Beethovenhaus im Stadtrat stellen zu wollen.

Er ist sich aber auch eines besonders prekären Umstandes bewusst. Denn das einstige Grand Hotel Flora ist heute das Rathaus der Kreisstadt, was nach derzeitigen politischen Verhältnissen im Rat eine Umbenennung in Karl-Marx-Haus so gut wie ausschließt. „Ich bin gespannt, wie die anderen Fraktionen auf den Antrag reagieren werden“, sagte der Einzelkämpfer im Stadtrat. Und: „Das Geburtshaus von Karl Marx in Trier wird übrigens von der SPD-nahen Friedrich Ebert-Stiftung betreut.“ In Sachen Marx-Tafel denken die Linken über eine Stiftung im Jahr 2018 nach. Dann wird international der 200. Geburtstag von Marx begangen.

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