GA-Serie "Rheinische Redensarten": Langsam, dann jeiht et schneller

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Langsam, dann jeiht et schneller

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Viele rheinische Redensarten sind von jeher dem Nachwuchs zugedacht. Es geht um erzieherische Hinweise und konkrete Verhaltenstipps, die das Leben erleichtern und langfristig Erfolg versprechen. Das gilt auch für den Satz: „Langsam, dann jeiht et schneller!“ Ausnahmsweise muss man hier eigentlich nicht ins Hochdeutsche übersetzen, weil das Quentchen Rheinisch eher im Inhalt steckt als in der Aussprache. Aber der Form halber: Langsam, dann geht es schneller.

Der Zuträger dieser Redewendung verbürgt sich dafür, dass der letzte Kölner Kurfürst diesen Satz regelmäßig sprach. Es ist nicht die Rede von Clemens August, sondern vom früheren Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes, dem man zwar eine gewisse Selbstherrlichkeit nachsagte, aber zugleich auch eine Kurfürstenschläue. Und so kam es, dass er dieserartige Sätze sprach.

Und auch, wenn die vorliegende Wendung bislang nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist, hätte er durchaus das Zeug dazu, denn er repräsentiert in besonderer Weise einen rheinischen Gedankengang. Erstens hat es der Rheinländer nicht mit der Hektik. Er lässt es lieber ruhig und locker angehen. Und zweitens hält er viel von Qualität. Also lieber langsam und hochwertig, als husch-husch und fimpschig. Und genau das sagt der Satz: Lass Dir lieber Zeit, dann wird es besser.

Jetzt mag man einwenden: Wörtlich steht da doch etwas anderes. Es geht doch wieder um Geschwindigkeit. Aber genau das ist der Clou des Satzes. Er drückt temporär aus, was materiell gemeint ist.

Denn immer dann, wenn man etwas überstürzt tut, wird man sich über kurz oder lang wieder damit beschäftigen müssen. Sei es, weil es keine lange Haltbarkeit hat oder nicht zufrieden stellt. Man muss dann also nochmal neu anfangen, und das kostet dann wieder Zeit.

Jeder Handwerker kann das nur bestätigen, langsam und geordnet arbeiten hat mehr Dauer als alles schnell-schnell. Die Rheinländer wussten es also schon immer: Wer nachhaltig leben will, der wählt die Sorgfalt und stolpert dann nicht über die eigenen Füße.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de.

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