Landschaftsschützer drohen in Swisttal mit Klage

Landschaftsschützer drohen in Swisttal mit Klage

Mit zwiespältigen Gefühlen reagierte der Vorstand des Landschaftsschutzvereins Kottenforst (LSK) auf die jüngsten Beschlüsse des Regionalrats des Regierungsbezirks Köln zum Thema Kiesabbau in der Region Kottenforst/Ville.

Swisttal. (ga) Mit zwiespältigen Gefühlen reagierte der Vorstand des Landschaftsschutzvereins Kottenforst (LSK) auf die jüngsten Beschlüsse des Regionalrats des Regierungsbezirks Köln zum Thema Kiesabbau in der Region Kottenforst/Ville.

Zufrieden zeigte er sich nur darüber, dass sich der Regionalrat die von der Bezirksregierung beantragte Erweiterung des Kiesabbaus bei Flerzheim und Witterschlick nicht zueigen gemacht hat, sondern alle vier in der Region in Frage kommenden Bereiche unter Zugrundelegung aller bisher vorliegenden Gutachten erneut untersucht haben möchte.

Im Vorfeld der Sitzung hatten zwar alle Fraktionen des Regionalrats auf Grund der zahlreichen bereits vorliegenden Gutachten ihre Präferenz für das Gebiet Weilerswist-Nord erkennen lassen. Sie möchten jedoch die Klärung einiger noch streitiger Fragen abwarten, bevor sie dann für die Bezirksregierung bindend endgültig entscheiden.

Ihr Zögern beruht auf der Befürchtung, dass Kiesabbauunternehmen den zu erstellenden Regionalplan in Gerichtsprozessen als angeblich nicht genügend abgewogen und daher unverbindlich hinstellen könnten. Streitig ist insbesondere eine bisher dem Regionalrat und den Landschaftsschutzvereinen unbekannt gewesene Stellungnahme der höheren Landschaftsbehörde, wonach der Abbau von Quarzkies in FFH-Gebieten bei Weilerswist rechtlich unzulässig sei.

Irritationen löste auch die Mitteilung der Bezirksregierung aus, die kürzlich im potenziellen Abbaugebiet zwischen Flerzheim und Buschhoven vorgenommenen Probebohrungen hätten ergeben, dass dort 3,12 Millionen Tonnen hochreinen Quarzkieses lägen. Der LSK weist darauf hin, dass nach den dem früheren Antrag der Kieswerke Rheinbach beigefügten Bohrergebnissen der Ertrag in diesem Bereich erheblich geringer sei und nach den Berechnungen des Gutachters Michael Veerhoff nur bei 0,25 Millionen Tonnen liege.

Der LSK hält daher die Angaben der Bezirksregierung für wenig glaubwürdig und strebt eine Überprüfung der Bohrergebnisse an, zumal nach Feststellung von LSK-Mitgliedern zwei Bohrungen außerhalb des vorgesehenen Erweiterungsgebiets vorgenommen worden seien. Ferner möchte der LSK wissen, ob die im Auftrag der Kieswerke Rheinbach durchgeführten Bohrungen behördlich auf die Übereinstimmung der Bohrprotokolle mit den Bohrkernen kontrolliert worden seien.

Der LSK-Vorstand sieht Buschhoven deshalb als gefährdet an, weil der Regionalrat sich erst im Frühsommer 2011 wieder mit der Thematik befassen wird, inzwischen aber von den Kieswerken Rheinbach das Genehmigungsverfahren für den Abbau bei Buschhoven vorangetrieben wird. Das auf Antrag der CDU mehrheitlich im Regionalrat beschlossene Moratorium für die Erweiterungspläne der Kiesabbauunternehmen hilft nach Ansicht des LSK-Vorstands in der Sache nicht weiter, da es unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Unternehmen steht. Mit einer solchen Zustimmung sei jedoch nicht zu rechnen.

LSK-Vorsitzender Thomas Klodt kündigte für den befürchteten Fall einer baldigen Genehmigung der Erweiterung in Richtung Buschhoven durch die Bergbaubehörde erneut an, dass der LSK unter Mithilfe des Verbands Natur und Umwelt NRW dagegen klagen werde. Er hofft, dass sich die Gemeinde Swisttal einer Klage anschließt, zumal der rechtskräftige Bebauungsplan Am Noel bei einer Erweiterung berührt würde, vor allem mit Blick auf die geplante Anlage eines neuen Friedhofs.

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