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Kriegsende im Rheinland: Wie ein Eisenbahntunnel die Erpeler vor Bomben schützte

Kriegsende im Rheinland : Wie ein Eisenbahntunnel die Erpeler vor Bomben schützte

Seit mehr als 20 Jahren ist Ex-Bürgermeister Edgar Neustein für seine authentischen Führungen durch den Tunnel unter der Erpler Ley bekannt. Von der Bundeswehr wurde er dafür nun mit dem Ehrenkreuz ausgezeichnet.

Im Krieg suchten die Erpeler hier Schutz vor den Bombenangriffen, heute ist er nur noch für Besichtigungen offen. Einer, der die Geschichte des Erpeler Eisenbahntunnels genau kennt und sie oft erzählt hat, ist Edgar Neustein, Altbürgermeister von Erpel. Nun erhielt er dafür das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold.

Seit 1994 habe er bei rund 250 politisch-militärhistorischen und taktischen Exkursionen Einheiten und Verbänden der Bundeswehr den Besuch des Erpeler Eisenbahntunnels ermöglicht, betonte Gerhard Gey, Abteilungsleiter „Zentrum Innere Führung“, als er Neustein die Auszeichnung verlieh. „Bei den Begehungen des Tunnels hat er mit seinen authentischen Schilderungen der Ereignisse des 7. März 1945 einen sehr positiven Eindruck bei unseren Soldaten hinterlassen“, so Gey.

Tunnel war zu 54 Prozent zerstört

Zur Ordensverleihung kamen in den Eisenbahntunnel neben der Familie Neustein auch Karsten Fehr, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Unkel, Ortsbürgermeister Günter Hirzmann, Mitglieder des Kunst- und Kulturkreises „ad Erpelle“ und Bundeswehrsoldaten. Auch dieses Mal führte Neustein die Besucher durch den Tunnel. Zu 54 Prozent sei Erpel durch das Bombardement der Alliierten zerstört worden, erläuterte er. Vor allem der Süden des Ortes in unmittelbarer Nähe der Ludendorffbrücke als wichtiger Nachschubweg sei betroffen gewesen, erinnerte er.

Anders als die Remagener Bevölkerung hätten die Erpeler aber im Tunnel Schutz suchen können. So seien im Ort bei dem Angriff am 28. Dezember 1944 sieben, in Remagen 25 Tote zu beklagen gewesen, beim Bombardement am 2. Januar 1945 sogar nur einer gegenüber 40 Toten auf der anderen Rheinseite.

„Bequem für die Schutzsuchenden war die Situation hier allerdings nicht. Angesichts der zwei Gleise, auf denen zudem auch noch ein Reparaturzug stand, blieb ihnen nur eine der 80 zwei Meter breiten und 90 Zentimeter tiefen Fluchtnischen“, so Neustein. Am 7. März hätten nur noch rund 530 Erpeler im Ort gelebt, zumeist Frauen und Kinder, die nicht in den Westerwald geflüchtet waren oder sich einer Evakuierung nach Thüringen widersetzt hatten. Einige wenige hätten auch 300 Meter hinter dem Nordausgang des Tunnels im so genannten „Zwergenloch“ Zuflucht gefunden, einem 137 Meter langen und nur 1,7 hohen und 1,5 Meter breiten Stollen.

Authentische Darstellungen von Augenzeugen

„Die Ereignisse um den 7. März haben wir ab 2004 in Augenzeugenberichten festgehalten, sodass uns eine sehr authentische Darstellung vorliegt“, berichtete Neustein. Die Situation kurz vor den vergeblichen Versuchen, die Brücke zu sprengen, kann man auch in der neuen Dokumentation des Kunst- und Kulturkreises „ad Erpelle“ nachlesen. „Die Brücke – Der Tunnel“ heißt sie. Kernstück der Augenzeugenberichte ist das Tagebuch der Maria Feldens, deren Mann Willi das einzige Todesopfer bei der Tunnelbesetzung durch die Amerikaner war.

„Wegen seiner schwarzen Eisenbahneruniform hat man ihn wahrscheinlich für einen SS-Soldaten gehalten und nur auf ihn bei der Kapitulation gezielt geschossen“, so der Altbürgermeister, bevor er die durchschossene Brieftasche von Willi Feldens zeigte. Abschließend dankte er dem Team des Kunst- und Kulturkreises und den vielen ehrenamtlichen Helfern. Ohne sie sei es unmöglich, das Tunnel-Bauwerk zu erhalten.