Berg in Unkel: Warum am Stux so viele Schmetterlinge leben

Berg in Unkel : Warum am Stux so viele Schmetterlinge leben

Der Stux in Unkel gehört zu den falterreichsten Gebieten in Deutschland. Experte Michael Stemmer erklärt die Besonderheiten und geht bei der Falternacht am Samstag mit allen Interessierten auf Entdeckungstour.

Für Michael Stemmer ist es „wie sechs Richtige im Lotto“. Der Schmetterlingsforscher lebt am Stux in Unkel und widmet sich seit 2005 den Faltern an dem Berg. „Was hier vorkam, hat mich umgehauen“, sagt Stemmer über die Vielfalt in einem der falterreichsten Gebiete in Deutschland. Rund 1100 Großarten gebe es in Deutschland, allein am Stux hat er bis heute 553 nachgewiesen. „Das ist eine ziemlich gigantische Zahl“, findet der Lepidopterologe, so der Fachbegriff für Schmetterlingsexperten.

Am kommenden Wochenende nimmt der Experte alle Interessierten mit auf Entdeckungstour, wenn vom 1. bis zum 5. August die European Moth Nights, die Europäischen Falternächte, stattfinden. Stemmer beteiligt sich seit Jahren an der europaweiten Bestandsaufnahme und lädt in Zusammenarbeit mit den Grünen für Samstag, 3. August, zur Falternacht am Stux ein. Ab 21.30 Uhr wird er zunächst eine Einführung zur Natur am Stux allgemein und anschließend über Schmetterlinge speziell geben. „Dann geht das Fangen los“, sagt er.

"Es ist wie eine Wundertüte"

Nachtfalter festzuhalten, sei jedoch nicht ganz einfach. „Nur in den Garten zu gehen und an den Blüten zu hocken, bringt nichts“, sagt Stemmer. Die Insekten müssen angelockt werden – entweder mit Licht oder mit einem Köder. Dazu eignen sich faulige Bananen oder mit Zucker gekochter Wein. Die Teilnehmer können Fotos machen, einfach beobachten, was durch die Nacht fliegt, und sich dabei von Stemmer die Eigenschaften und Besonderheiten der Arten erklären lassen. Welche Falter die Leute sehen werden? „Man weiß es nicht. Es ist wie eine Wundertüte“, sagt er.

Dass an der felsigen Anhöhe so viele Falter fliegen, hängt mit ihrer Beschaffenheit zusammen. „Die Lage ist sehr außergewöhnlich“, weiß Stemmer. Die Südwest-Ausrichtung mit permanenter Sonneneinstrahlung sorge für eine Vielzahl von Pflanzenarten, die Nahrungsgrundlage von verschiedensten Schmetterlingslarven sind. Im angrenzenden Hähnerbachtal ist es hingegen feucht und warm, was ganz anderen Tieren Lebensraum biete. „Da kommt alles zusammen“, sagt der Experte.

Überraschende Entdeckung

Die Problematik, dass es immer weniger Insekten gibt, beobachtet Stemmel auch bei den Schmetterlingen. Das Problem sei weniger, dass Falterarten aussterben, stattdessen „gibt es von vielen Arten deutlich weniger Exemplare“. Ein Grund: Vielfältige Wiesen, auf denen unterschiedliche Gräser und Kräuter blühen, gebe es immer weniger. Das habe Einfluss auf alle Insekten.

Dennoch gebe es auch Überraschungen. Der Nachtfalter Brombeereule ist vor allem in Nordafrika und Südeuropa verbreitet und wurde auch schon in Süddeutschland beobachtet. Dieses Jahr habe er die Art erstmals in Unkel nachgewiesen, und zwar gleich über zwei Wochen lang anhand von fünf Exemplaren. Aufgrund des sehr guten Zustands der Schuppen kam Stemmel zu dem Schluss, dass die Insekten nicht aus dem Süden an den Stux gekommen sein konnten, sondern von woanders her. „Das war dieses Jahr die große Überraschung.“

Stemmel hat zwar schon Arten am Stux entdeckt, die als ausgestorben gezählt haben, eine komplett neue Art hat er jedoch noch nicht entdeckt. Das werde wohl auch nicht passieren, weil der Bestand sehr weitreichend erfasst sei. „Das wäre dann wie die korrekte Zusatzzahl bei sechs Richtigen“, sagt Stemmel und lacht.

Mehr von GA BONN