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Verbände widersprechen: Viel Kritik für Erwin Rüddels Warnung vor dem Wolf

Verbände widersprechen : Viel Kritik für Erwin Rüddels Warnung vor dem Wolf

Nach seinen Bedenken in Bezug auf eine Ausbreitung des Wolfes schlägt dem Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel viel Kritik entgegen. Die Äußerungen seien "unrealistisch“ und „rein populistisch motiviert".

Erwin Rüddel warnt vor der Ausbreitung des Wolfes. „Der Wolf ist eine Gefahr für Mensch und Nutztier. Er gehört nicht in eine vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft“, so der Bundestagsabgeordnete in einer Mitteilung. Anlass für seine Äußerungen waren unter anderem ein Vorfall im Schwarzwald, wo Ende April mehr als 40 Schafe an und nach einer Attacke eines Wolfes starben. „Weiteres Verharmlosen und Verniedlichen der Gefahren durch den Wolf ist unangebracht – ebenso wie die verklärende Romantik vorwiegend aus der grünen Ecke“, erklärt Rüddel.

Für seine Worte schlägt dem Bundestagsabgeordneten nun viel Kritik der Naturschutzinitiative (NI), des Vereins zum Schutz von Landschaften, Wäldern, Wildtieren und Lebensräumen sowie der Pollichia, des Vereins für Naturforschung und Landespflege, entgegen. „Anstatt sich an einer sachlichen Aufklärung zu beteiligen, schürt er weiter Angst und Panik. Das ist völlig unverantwortlich“, entgegnen Harry Neumann, Landesvorsitzender der NI, und Diplom-Biologe Jürgen Ott, Präsident der Pollichia.

Der Schafsriss in Baden-Württemberg habe die beiden Verbände ebenfalls „sehr betroffen und auch traurig gemacht“. NI-Naturschutzreferent Immo Vollmer mahnt aber gerade deshalb zur Besonnenheit. Denn: Das Raubtier sei „schon immer bei uns heimisch“, betont er. In Deutschland hat es laut Naturschutzbund (Nabu) seit der Rückkehr der Wölfe im Jahr 2000 keine Situation gegeben, in der sich ein Wolf einem Menschen aggressiv genähert hat.

Bedenken von Tierschützern

Erwin Rüddel führt eine jährliche Populationssteigerung von 30 Prozent an und rechnet vor, dass die Anzahl von schätzungsweise aktuell rund 1000 Wölfen in Deutschland in den nächsten zehn Jahren auf circa 15 000 und in 15 Jahren auf 55 000 wachsen würde, „wenn nichts geschieht“. 180 Tiere wären dies pro Landkreis. „Unrealistisch“ und „rein populistisch motiviert“ nennen die Verbände diese Berechnungen. „Bei der Populationsstruktur des Wolfes und seiner beanspruchten Reviergröße von 200 bis 250 Quadratkilometern je Rudel sind diese Zahlen überhaupt nicht möglich“, heißt es in einer Mitteilung. Ein Rudel besteht aus einer Wolfs-Familie, also zwei erwachsenen Tieren und ihren Nachkommen.

Eine „Regulierung des Wolf-Bestands“, wie sie der Bundestagsabgeordnete fordert, sehen die Naturschützer mit Bedenken. Eine Aufnahme in das Jagdrecht lehnen sie strikt ab. Der Wolf ist in Deutschland eine streng geschützte Tierart, die vorsätzliche Tötung, aber auch der versehentliche Abschuss sind strafbar. Mit der Aufnahme in das Jagdrecht müsste der Wolf daher mit einer ganzjährigen Schonzeit belegt werden, „was alles noch komplizierter machen würde“, erklärt Vollmer.

Appelle an die Politik

Die Verbände appellieren daher an die Politik, „einen funktionierenden Biotopverbund zu schaffen, um die Lebensräume und Habitate miteinander zu vernetzen und den Erhaltungszustand zu verbessern“. Dies sei beispielsweise durch die Berner Konvention oder das Abkommen Natura 2000 geregelt.

Dabei sehen Pollichia und NI durchaus, dass sich Bund und Länder der Risiken der Rückkehr des Wolfes bewusst sind. Es gebe in den Bundesländern Wolfs-Managementpläne, die nicht nur Entschädigungen regelten, sondern in Ausnahmefällen und nur „als letztes Mittel der Wahl“ eine Entnahme (Abschuss) von Wölfen erlaubten. Doch mit diesen staatlichen Entschädigungen sei das Problem nicht aus der Welt zu schaffen, meint Rüddel und fordert ein Umdenken. Auch für die Verbände stelle die Rückkehr des Wolfes nach eigenen Angaben eine Herausforderung dar. Doch: „Wir werden lernen, mit dieser Facette der wilden Natur zu leben“, sagt NI-Wolfsexpertin Francesca Saxler. In anderen Ländern in Europa mit Wolfsvorkommen sei dies bereits gelungen.